wild
Wortart: Adjektiv
Häufigkeit:
Rechtschreibung
- Worttrennung:
- wild
- wild wachsen, wild leben
- wild werden
- jemanden [ganz] wild machen oder wildmachen (in Wut versetzen)
Kleinschreibung:
- wilde Ehe; wilder Wein; wilder Streik; wildes Tier
- er spielt den wilden Mann (umgangssprachlich)
Großschreibung in Namen:
- Regel 140: Wilder Westen; Wilder Kaiser; Wilde Kreuzspitze
- Regel 150: die Wilde Jagd (Geisterheer); der Wilde Jäger (eine Geistergestalt)
Großschreibung der Substantivierung [Regel 72]:
- sich wie ein Wilder gebärden (umgangssprachlich)
In Verbindung mit einem adjektivisch gebrauchten Partizip kann getrennt oder zusammengeschrieben werden [Regel 58]:
- wild wachsende oder wildwachsende Pflanzen
- die wild lebenden oder wildlebenden Tiere Vgl. aber wilddieben
Synonyme zu wild
- nicht domestiziert, nicht kultiviert, ungebändigt, wild lebend, wild wachsend
- kulturlos; (schweizerisch umgangssprachlich) strub; (abwertend) barbarisch, unkultiviert, unzivilisiert, wüst
- echt, einfach, naturbelassen, naturhaft, natürlich, nicht imitiert/künstlich/nachgemacht, typisch, unverfälscht, urig, urtümlich, urwüchsig, wahr, waschecht; (schweizerisch) urchig; (gehoben) erdhaft, erdverbunden; (bildungssprachlich) authentisch, genuin
- unkontrolliert, wuchernd
- außer Kontrolle geraten, entfesselt, frei, grenzenlos, nicht reglementiert, ohne Einschränkung/Kontrolle, schrankenlos, unbeaufsichtigt, unbehindert, unbeschränkt, uneingeschränkt, ungehemmt, ungehindert, ungesichert
- enthemmt, heftig, heißblütig, hemmungslos, hitzig, leidenschaftlich, maßlos, orgiastisch, stürmisch, temperamentvoll, turbulent, überschwänglich, unbändig, unbeherrscht, unersättlich, ungestüm, ungezügelt, unmäßig, zügellos; (gehoben) glühend; (bildungssprachlich) elanvoll, enthusiastisch, euphorisch, frenetisch, vehement; (abwertend) rücksichtslos
- aggressiv, angriffslustig, ärgerlich, aufgebracht, außer sich, empört, entrüstet, erbost, gereizt, grimmig, rabiat, streitsüchtig, verärgert, voller Ärger/Wut/Zorn, wütend, wutentbrannt, wutschäumend, wutschnaubend, zornig; (umgangssprachlich) böse, fuchsig, fuchtig, geladen, giftig, in Fahrt, in Rage, sauer; (emotional verstärkend) fuchsteufelswild
- blind, grenzenlos, hemmungslos, maßlos, mehr als genug, ohne jedes Maß, übermäßig, übertrieben, überzogen, unmäßig; (gehoben) über alle Maßen, über die Maßen; (bildungssprachlich) exzessiv; (abwertend) sinnlos; (oft abwertend) übergenug
Aussprache
- Betonung:
- wịld
Herkunft
- mittelhochdeutsch wilde, althochdeutsch wildi, Herkunft ungeklärt, vielleicht verwandt mit ↑Wald und eigentlich = im Wald wachsend, nicht angebaut
Bedeutungen, Beispiele und Wendungen
-
nicht domestiziert; nicht kultiviert, nicht durch Züchtung verändert; wild lebend; wild wachsend
Beispiele
- wilde Erdbeeren, Rosen, Pferde
- wilder Apfel (Holzapfel)
- wilde (nicht veredelte) Triebe
- wilder Honig (Honig von wilden Bienen)
- wildes Tier (größeres, gefährlich wirkendes, nicht domestiziertes Tier, besonders größeres Raubtier)
- er stürzte sich auf sie wie ein wildes Tier (völlig enthemmt und nur dem Trieb folgend)
- die Himbeeren wachsen hier wild
- wild wachsende Pflanzen, Arten
- wild lebende Tiere, Pferde
-
-
nicht zivilisiert; auf niedriger Kulturstufe stehend
Gebrauch
veraltend, sonst abwertend
Beispiel
wilde Stämme -
unzivilisiert, nicht gesittet
Gebrauch
abwertend
Beispiele
- ein wilder Haufen
- wilde Gesellen
- dort herrschen wilde Sitten
-
nicht zivilisiert; auf niedriger Kulturstufe stehend
-
-
im natürlichen Zustand befindlich, belassen; vom Menschen nicht verändert; urwüchsig
Beispiel
eine wilde Schlucht, Gegend -
wuchernd, unkontrolliert wachsend
Beispiele
- eine wilde Mähne
- Männer mit wilden Bärten
- wild wucherndes Unkraut
- wildes (Medizin; bei der Wundheilung entstandenes überschüssiges) Gewebe
-
taub (3)
Gebrauch
Bergmannssprache
Beispiel
wildes Erz, Gestein -
(von Land) nicht urbar gemacht
Beispiel
wildes Land
-
im natürlichen Zustand befindlich, belassen; vom Menschen nicht verändert; urwüchsig
-
unkontrolliert, nicht reglementiert [und oft ordnungswidrig oder gesetzwidrig]; offiziell nicht gestattet
Beispiele
- wilde Streiks
- wilde (nicht lizenzierte) Taxis
- eine wilde (durch wildes Abladen von Müll entstandene) Deponie
- wild (an einem nicht dafür vorgesehenen Platz) baden, parken, zelten
-
-
heftig, stürmisch; ungestüm, ungezügelt; durch nichts gehemmt, abgeschwächt, gemildert
Beispiele
- eine wilde Verfolgungsjagd
- eine wilde Flucht
- wilde Panik
- in wildem Zorn
- eine wilde Leidenschaft erfüllte sie
- das wild bewegte Wasser
- in wilder Entschlossenheit
- er stach wild auf ihn ein
- alles lag wild durcheinander
- wild fluchend lief er durchs Haus
- sie ist wild (umgangssprachlich; fest) entschlossen, den Aufstieg allein zu schaffen
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
wild auf jemanden, etwas sein (umgangssprachlich; versessen auf jemanden, etwas sein: er ist ganz wild auf sie; wild auf Lakritzen, aufs Skilaufen sein) -
wütend, rasend, tobend; erregt
Beispiele
- wilde Kämpfe, Auseinandersetzungen, Debatten
- ein wilder, wild gewordener Bulle
- wenn du ihm das sagst, wird er wild
- jemanden wild machen
- mit beiden Fäusten trommelte er wild gegen die Tür
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
wie wild (umgangssprachlich; mit äußerster Heftigkeit, Intensität o. Ä.: das Kind schrie wie wild) -
(von Tieren) in ängstliche Erregung versetzt und scheuend
Beispiel
das Feuer hat die Pferde wild gemacht -
äußerst lebhaft, temperamentvoll
Beispiele
- eine wilde Rasselbande
- ein wildes Kind
- seid nicht so wild!
-
äußerst bewegt, ereignisreich
Gebrauch
umgangssprachlich
Beispiel
wilde Partys feiern
-
heftig, stürmisch; ungestüm, ungezügelt; durch nichts gehemmt, abgeschwächt, gemildert
-
das erträgliche Maß überschreitend, maßlos, übermäßig, übertrieben; wüst
Beispiele
- die wildesten Spekulationen, Behauptungen, Anschuldigungen, Verwünschungen
- er stieß wilde Flüche aus
- wilde (ausschweifende) Orgien
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
halb/nicht so wild (umgangssprachlich; nicht schlimm: es ist [alles] halb so wild)

