Einfach erklärt: „wart“ oder „ward“?

Die Verwechslung von „wart“ und „ward“ gehört zu den häufigsten Fehlern im geschriebenen Deutsch. Trotz gleicher Aussprache handelt es sich um zwei unterschiedliche Verben. Mit unserer Faustregel geht nichts mehr schief.

Die Verbform wart mit t ist eine Form von sein und wird im Gegenwartsdeutschen ganz regulär gebraucht. Zum Beispiel:

  • Wart ihr gestern noch da?
  • Ihr zwei wart damals unzertrennlich.
  • Ganz benommen wart Ihr, Euer Durchlaucht!

Die Verbform ward mit d ist eine Form von werden. Es handelt sich um eine gehobene, manchmal dichterisch gebrauchte Variante des Präteritums wurde. Die Bibel etwa enthält zahlreiche Passagen mit ward:

  • Und es ward Licht.
  • Sara ward hundertsiebenundzwanzig Jahre alt.
  • (…) ich ward wieder in mein Königreich gesetzt (…)

Der Merksatz: wart oder ward?

Wir können nun eine einfache Regel ableiten, die garantiert immer funktioniert:

  • Ist das Verb eine Form von sein, wird es wart mit t geschrieben.
  • Ist das Verb eine Form von werden, wird es ward mit d geschrieben.

Das Verb werden enthält ein d. Der Merksatz lautet also: d bei d.

Falls Ihnen die Bestimmung des Subjekts in einem Satz eher liegt als die des Infinitivs von Verben, könnten Sie sich stattdessen auch nach folgender Regel richten:

  • Bezieht sich das Verb auf ein ihr bzw. Ihr (also auf ein Anredepronomen in der 2. Person Plural), wird immer die Verbform wart mit t gebildet.
  • In allen anderen Fällen wird die Verbform ward mit d gebildet.

Übrigens: Die Verbform wärt gibt es nur mit t. Es handelt sich dabei um den Konjunktiv II von sein in der 2. Person Plural. Zum Beispiel: Wärt ihr bereit dazu? Ich dachte, ihr wärt woanders.

Schnelle Antworten auf Fragen wie diese finden Sie auch in unseren Reihen „Erste Hilfe“ und „Ganz einfach!“. Wer es ganz genau wissen möchte, findet in Band 4 unserer Zwölferreihe eine umfassende Darstellung der deutschen Grammatik.

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