Anteil der Fremd­wörter am deutschen Wort­schatz

In diesem Artikel geht es darum, wie hoch der Fremdwortanteil im Deutschen in etwa ist. Stimmt die Vermutung, dass immer mehr Fremdwörter, vor allem aus dem Englischen, im Deutschen auftauchen?

Manchmal sieht man Texte, die aus der Wirtschaft oder dem IT-Bereich stammen, und denkt sich: „Wenn man jetzt noch die Pronomen, Präpositionen und Konjunktionen ins Englische übersetzt, hat man einen komplett englischen Text.“ Auch in der Werbung werden gern mal ein „cooles Outfit“ oder „Casual Wear“ angepriesen, was bei der älteren Generation meist ratloses Kopfschütteln bewirkt.

Grund genug, nachzusehen, wie hoch der Anteil von Fremdwörtern im Deutschen eigentlich ist. Und da stellt sich heraus, dass er geringer ist, als man zunächst annimmt. So enthält ein durchschnittlicher Zeitungstext 8–9 % Fremdwörter, in bestimmten Bereichen können es, wenn viele Fachbegriffe verwendet werden, auch deutlich mehr sein. Diese Zahlen beziehen sich jedoch allgemein auf Fremdwörter und umfassen das „Interesse“ genauso wie die „Information“ oder den „Helikopter“. Blickt man nur auf die aus dem Englischen übernommenen Fremdwörter, die häufig in der Kritik stehen, so sieht man, dass selbst Texte aus der Werbung in der Regel nur rund 4 % enthalten.

Hat sich der Fremdwortgebrauch damit im Vergleich zu früheren Zeiten erhöht? Überraschenderweise kaum. Dies liegt daran, dass vor hundert oder hundertfünfzig Jahren ebenfalls viele Fremdwörter als „chic“ galten, die heute kaum noch verwendet werden. Oder flanieren Sie noch über den Trottoir und säubern sich am Waschlavoir? Das Deutsche integriert die Fremdwörter, die es längerfristig übernimmt, meist sehr gut und passt sie den einheimischen Wörtern in Aussprache, Schreibung und Flexion an. Da merkt dann irgendwann kaum noch einer, dass der „Onkel“ ursprünglich aus Frankreich kommt und der „Keks“ aus England.

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