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Gute „Miene“ oder gute „Mine“? Wörter mit „-i-“ und „-ie-“

Es gibt Wortpaare, die sich orthografisch nur darin unterscheiden, dass sie im Wortinneren mit -i- bzw. -ie- geschrieben werden. Die Aussprache ist aber identisch. Wir erklären Ihnen hier die Unterschiede in der Bedeutung.
 

In manchen Fällen gibt es die Möglichkeit, eine Lautfolge auf unterschiedliche Weise zu schreiben, so z. B. den Stamm /ɪ/ als -ie- bzw. -i-. Diese Möglichkeit wird teilweise zur schriftlichen Unterscheidung gleichlautender Stämme genutzt und dient eigentlich dazu, die Eindeutigkeit der Zuordnung von Form und Bedeutung zu verbessern. Dennoch kann die gleiche Aussprache der Wörter zu Verwechslungen in der Schreibung führen.

„Miene“ und „Mine“

Die beiden Wörter Miene und Mine sind beide Feminina und werden gleich dekliniert. Während aber Miene immer einen Gesichtsausdruck bezeichnet, also in der Redewendung gute Miene zum bösen Spiel machen auftritt, bezieht sich Mine auf eine Bleistift- oder Kugelschreibereinlage, einen Sprengkörper, einen Stollen und andere Dinge: eine Mine entschärfen, in einer Mine arbeiten.

„Lied“ und „Lid“

Ebenso werden die beiden Ausdrücke Lied und Lid gleich ausgesprochen und erhalten als Neutra auch die gleichen Deklinationsendungen, also z. B. den Plural mit -er (Lieder, Lider). Jedoch bezeichnet das Lied ein gesungenes Gedicht bzw. eine Melodie, die diesem unterlegt ist, während das Lid die Haut bezeichnet, die dem Öffnen und Schließen des Auges dient: ein Lied singen – die Lider schließen.

„wieder“ und „wider“

Auch die Wörter wieder und wider werden oft verwechselt. Dabei liegen hier unterschiedliche Wortarten vor, und die Ausdrücke unterscheiden sich deutlich in ihrer Verwendung.

Wieder ist ein Adverb mit der Bedeutung „nochmals, erneut; zurück“:

  • ich werde ihn morgen wieder treffen
  • das ist wieder etwas anderes
  • alles ist wieder beim Alten

Wider hingegen ist eine Präposition mit der Bedeutung „(ent)gegen“ und wird meist in gehobeneren oder dichterischen Kontexten verwendet. Wider zieht immer ein Akkusativobjekt nach sich:

  • wider die Ordnung
  • wider ihren Willen
  • wider Erwarten
  • (substantiviert:) das Für und Wider

Gelegentlich kommt es wegen des hohen Prestiges des Genitivs zu einer Verbindung von wider mit dem Genitiv, da angenommen wird, dies sei besonders korrekt. Das nennt man „Hyperkorrektur“: wider *Erwartens, wider *besseren Wissens. Diese Verwendung ist jedoch nicht standardsprachlich.

Übrigens: Es gibt auch Wortpaare mit -ai- und -ei-, die gleich ausgesprochen werden, aber unterschiedliche Dinge bezeichnen.

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