Deklination von Kom­posita (Wort­zusammen­setzungen)

Aufmerksamkeit heischt auch immer wieder die eigenwillige Art, in der Christian Morgenstern in seinem Gedicht „Der Werwolf“ den toten Dorfschulmeister das Wort Werwolf beugen lässt: der Werwolf, des Weswolfs, dem Wemwolf, den Wenwolf. Dem (doppelten) Witz dieser Beugung gehen wir auf den Grund.

Das Wort Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänspatent ist ein mehr oder weniger schönes Beispiel für ein Charakteristikum des Deutschen: für Komposita. Bei Komposita unterscheidet man das Grundwort, in der Regel das letzte Wort, in unserem Beispiel -patent, und das/die Bestimmungswort/-wörter. Das Grundwort ist entscheidend dafür, welcher Wortart das Kompositum zugerechnet wird. Es ist – normalerweise – auch das einzige Wort der Zusammensetzung, das gebeugt (dekliniert) wird.

Der Witz des Morgenstern'schen Gedichtes ist ein zweifacher: Erstens deutet der Dichter Wer- zum Pronomen wer um und zweitens dekliniert er sowohl das Bestimmungswort Wer- als auch das Grundwort -wolf: des Weswolfs (heute eigentlich: Wessenwolfs).

Standardsprachlich wird die Deklination eines Bestimmungswortes normalerweise nicht akzeptiert. Aber es gibt Ausnahmen: Neben die Nachtdienste der Rote-Kreuz-Schwester/Rotekreuzschwester wird in der Alltagssprache z. B. auch die Nachtdienste der Roten-Kreuz-Schwester oft verwendet.

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