„seid“ oder „seit“? Die Wortart entscheidet

Die Verwechslung von „seid“ und „seit“ gehört zu den häufigsten Fehlern im geschriebenen Deutsch. In diesem Artikel erklären wir den Unterschied zwischen den beiden Wörtern und zeigen Ihnen eine Eselsbrücke – die zugegebenermaßen ihre Tücken hat.

Die Wörter „seid“ und „seit“ werden genau gleich ausgesprochen. Das macht sie zu idealen Verwechslungskandidaten, und tatsächlich beobachten wir diesen Fehler fast täglich. Dabei handelt es sich bei „seid“ und „seit“ um verschiedene Wortarten, die Sie leicht erkennen können.

Der Unterschied zwischen „seid“ und „seit“

Das Wort seid mit d ist ein Verb. Genauer gesagt handelt es sich um die Verbform der zweiten Person Plural Präsens Indikativ aktiv von sein. Diese Verbform wird zum Beispiel so verwendet:

  • Seid ihr dabei?
  • Ihr seid super!
  • Das ist genau das, was ihr seid.

Das Wort seit mit t hingegen gibt es als Präposition und als Konjunktion, es handelt sich also um zwei unterschiedliche Wörter. Beide Wörter verorten jedoch einen Sachverhalt in der Zeit. Zum Beispiel:

  • Präposition
    • Seit gestern bin ich mir da nicht mehr so sicher.
    • Da passiert seit Kurzem so einiges.
    • Seit der letzten Umstellung ist viel in Bewegung.
  • Konjunktion
    • Seit wir Sport treiben, klappts besser.
    • Seit er weg ist, geht es bergauf.
    • Vieles hat sich geändert, seit ich das letzte Mal hier war.

Die temporale Präposition seit bildet eine Präpositionalphrase, die eine Ergänzung fordert (z. B. seit gestern/Kurzem/der letzten Umstellung). Die Konjunktion seit leitet einen temporalen Nebensatz ein. Aus diesem Grund hat sich der Merksatz „seit bei Zeit“ durchgesetzt.

Merksatz mit Tücken

Der beliebte Merksatz „seit bei Zeit“ lässt sich auf viele Sätze anwenden. Er hilft jedoch nicht immer weiter. Die Bezugsgröße bleibt nämlich unklar: Auf welche Sätze, Satzglieder oder einzelne Wörter bezieht sich „Zeit“? Wie bewerten Sie beispielsweise folgenden Satz, in dem ein Sachverhalt ebenfalls in der Zeit verortet wird?

Seit ihr weggezogen seid, seid ihr irgendwie anders.

Seit und seid können gemeinsam in Sätzen auftreten, beide sogar mehrfach. Die Eselsbrücke ist also mit Vorsicht zu genießen: Sie bezieht sich nur auf die temporale Präposition und auf die Konjunktion, die einen temporalen Nebensatz einleitet. Der einzige verlässliche Schlüssel zur korrekten Schreibung bleibt also die Wortart.

Damit Sie seid und seit garantiert nicht mehr verwechseln, kommen Sie also um ein wenig grammatisches Wissen nicht herum. Wenn Sie noch etwas Hilfestellung benötigen, werden Sie bei uns fündig: Viele unserer Bücher fassen alles Wissenswerte kompakt zusammen, zum Beispiel die Reihen Erste Hilfe und „Ganz einfach!“. Wem das nicht reicht, der ist bei der Dudengrammatik an der richtigen Adresse: Band 4 unserer Zwölferreihe lässt keine Fragen offen.

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