Pluralis Majestatis, Pluralis Modestiae und „Kranken­schwestern­plural“

Wir beschäftigen uns heute mit der multiplen Persönlichkeit eines Autors. Wollten Sie nicht auch schon immer mal wissen, warum Autoren so häufig im Plural („wir“) von sich reden, obwohl sie doch jeweils nur eine Person sind?

Mit dem „Pluralis Majestatis“ (= Plural der Majestät) wird eine einzelne Person, meist ein Herrscher, bezeichnet bzw. bezeichnet sich die Person selbst. Das ist uns allen geläufig: Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden deutscher Kaiser, weigern uns, auf einem Thron zu sitzen, der ohne „h“ geschrieben wird.

Ein Kaiser kann schon mal Ansprüche erheben. Den wahren Helden dagegen ziert die Bescheidenheit – wie auch den Autor. Wenn der, obwohl er ganz alleine schreibt, wir verwendet, ist das als eine Geste der Bescheidenheit (lateinisch modestia) zu verstehen, mit der er die eigene Person zurücktreten lässt oder auch die Leser einbezieht: Mit diesem Exkurs sind wir [= ich und Sie] aber auch schon bei der Methode der Triangulation. Man nennt das „Pluralis Modestiae“ (= Plural der Bescheidenheit) oder auch „Autorenplural“.

Mit beiden nichts zu tun hat dagegen der vertraulich-herablassende „Krankenschwesternplural“, der selbstverständlich nicht nur in Krankenhäusern sein Unwesen treibt: Na, wie geht's uns denn heute, hatten wir Stuhlgang? Mein lieber Freund und Kupferstecher, das tun wir aber nie wieder!

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Konjunktiv I oder II?

Hätte, würde, könnte – in diesem Artikel erklären wir kompakt anhand von Beispielen, wann der Konjunktiv I und wann der Konkjunktiv II zu gebrauchen ist. Außerdem verraten wir Ihnen, was es mit „Potenzialis“ und „Irrealis“ auf sich hat. Entnommen ist der Text unserem Titel Ja wie denn nun? Sprachliche Zweifelsfälle und ihre Lösung.

Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!

Lesen Sie hier, was es mit diesem schönen Reim auf sich hat und woher er stammt.