Oxymoron

Manchmal ist ja weniger mehr. Dass weniger mehr sein soll, scheint wiederum auf den ersten Blick eine gewagte Behauptung zu sein, ja es ist sogar ein Widerspruch – aber einer der besonderen Art: ein Oxymoron.

Der Ausdruck Oxymoron (von griech. oxys = „scharf, spitz, scharfsinnig“ und moros = „einfältig, dumm“) bedeutet so viel wie „klugdumm“ und bezeichnet Wendungen, die logisch betrachtet zunächst einmal widersprüchlich sind, bei näherer Betrachtung und in bestimmten Zusammenhängen aber durchaus einen (Hinter)sinn offenbaren. Einige Oxymora zählen zu den verbreitetsten Standards unserer Alltagsrhetorik:

  • Weniger ist mehr.
  • Das Schweigen der Lämmer sagte alles.
  • Das Aas quittierte mit einem bittersüßen Lächeln.
  • Nur die Konvertiten vernahmen deutlich Gregors lautlosen Schrei.
  • Eile mit Weile!

Solche Standards verkommen allerdings leicht zu bloßen Worthülsen. Neu und angemessen gebildet kann ein Oxymoron dagegen eine verstörende rhetorische Kraft entwickeln. Zwei beeindruckende Beispiele dafür finden sich in den ersten Zeilen der Todesfuge von Paul Celan:

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends // wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts // wir trinken und trinken // wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng // [...]
 

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