Fachsprache – Alltagssprache

Kennen Sie auch jemanden, der sich gerne darüber beschwert, wenn Dinge nicht „korrekt“ bezeichnet werden? Dahinter steckt der hehre Anspruch, fachsprachliche Bezeichnungen auch im Alltag zu verwenden. Warum nicht jede Lampe eine Leuchte ist, aber man auch mal alle fünfe gerade sein lassen darf, lesen Sie hier.

Die Redaktion erreichen immer wieder Anfragen von Leserinnen und Lesern, die sich irritiert darüber zeigen, dass in den Duden-Wörterbüchern z. B. Glühbirne steht, dass Lampe ein „als Träger einer künstlichen Lichtquelle […] dienendes […] Gerät“ sein soll oder dass es den Eintrag Niete mit der Bedeutung „Bolzen aus Metall“ gibt. Schließlich sei eine Birne ein Obst, das Ding, das als Lampe definiert wird, heiße eigentlich Leuchte, und man sage nicht die Niete, sondern der Niet.

Das Problem, das sich hier stellt, ist die Diskrepanz zwischen Alltags- und Fachsprache. Dabei ist nicht die eine „besser“ oder „schlechter“ als die andere. Sie decken jedoch unterschiedliche Bereiche ab und haben unterschiedliche Funktionen. Die Fachsprache muss möglichst präzise und eindeutig sein. Jeder Fachbegriff sollte klar definiert sein, damit man sich innerhalb eines Gebiets sinnvoll verständigen kann. Dieser Anspruch ist natürlich legitim und nachvollziehbar. In der Alltagssprache hingegen ist vieles lockerer; Bedeutungen ändern sich auch einmal und selbst ein „Dingsda“ wird im Kontext einer entsprechenden zeigenden Bewegung verstanden und akzeptiert. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch beruhigend. Denn wenn wir uns auch im Alltag immer exakt und unmissverständlich ausdrücken müssten, dann käme die Kommunikation mit den Mitmenschen wohl zum Erliegen.

 

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„Website“ oder „Webseite“?

Eine Webseite macht noch keine Website. Sie taugt aber durchaus zur Homepage. Die wiederum kann auch die ganze Site bezeichnen. Noch Fragen? Hier entlang.

Die geschlechts­­über­­greifende Ver­­­wendung mas­ku­liner Formen

In der öffentlichen Diskussion um geschlechtergerechten Sprachgebrauch spielt der Ausdruck „generisches Maskulinum“ eine große Rolle. Gemeint ist damit die geschlechtsübergreifende Verwendung eines maskulinen Wortes wie der Arzt bzw. die Ärzte für alle Menschen mit diesem Beruf: Die Ärzte in Deutschland sind gut ausgebildet („Menschen aller Geschlechter mit der entsprechenden medizinischen Ausbildung“).