sein
Wortart: unregelmäßiges Verb
Rechtschreibung
- Worttrennung:
- sein
Verbindungen mit dem Verb »sein« werden getrennt geschrieben:
- da sein; heraus sein; hier sein; zusammen sein
- sie wollte ihn Sieger sein lassen
Aber:
- ich möchte das lieber sein lassen oder seinlassen (umgangssprachlich für nicht tun)
- das Dasein, das Sosein, das Zusammensein
- das So-oder-anders-Sein [Regel 27]
Bedeutungsübersicht
- sich in einem bestimmten Zustand, in einer bestimmten Lage befinden; sich bestimmten Umständen ausgesetzt sehen; eine bestimmte Eigenschaft, Art haben
- jemandes Besitz, Eigentum darstellen; jemandem gehören
- von jemandem als bestimmtes eigenes Befinden festgestellt werden
- drückt die Identität oder eine Klassifizierung, Zuordnung aus
- (in Bezug auf das Ergebnis einer Rechenaufgabe) zum Resultat haben, ergeben
- (aufgrund der Zeit) als Umstand, Zustand o. Ä. gegeben sein
- da sein; bestehen; existieren
Wussten Sie schon?
Dieses Wort gehört zum Wortschatz des Zertifikats Deutsch.Synonyme zu sein
- ausgesetzt sein, sich befinden; (umgangssprachlich) stecken
- besitzen, der Eigentümer sein, gehören, haben, jemandes Besitz/Eigentum darstellen, verfügen; (gehoben) gebieten, innehaben, sein Eigen nennen
- sich fühlen, gehen, zumute sein; (gehoben) sich befinden
- auftreten, den Platz einnehmen, die Aufgabe haben, die Rolle spielen, fungieren, in Erscheinung treten, tätig sein, verkörpern, wirken; (bildungssprachlich) agieren, figurieren; (umgangssprachlich) abgeben
- ausmachen, sich belaufen, ergeben; (bildungssprachlich) zum Resultat haben; (umgangssprachlich) machen
- ansässig sein, sich aufhalten, sich befinden, leben, liegen, sitzen, verbringen, wohnen, zubringen; (gehoben) [ver]weilen; (Amtssprache) wohnhaft sein; (landschaftlich) stehen
- entstammen, herkommen, sich herleiten, herstammen, kommen, seine Ursache/seinen Ursprung/seine Wurzel haben, stammen, sich zurückführen lassen, zurückgehen, zurückzuführen sein; (gehoben) entspringen
- ablaufen, abrollen, sich abspielen, stattfinden, sich vollziehen, vonstattengehen, vor sich gehen; (umgangssprachlich) abgehen, über die Bühne gehen
- auftreten, eintreten, sich ereignen, erfolgen, geschehen, passieren, vorfallen; (gehoben) sich begeben, sich zutragen
- auf der Welt sein, bestehen, da sein, existieren, geben, herrschen, vorhanden sein, vorkommen, Wirklichkeit sein, wirklich sein; (gehoben) walten; (bildungssprachlich) real sein; (landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch) haben; (veraltend) obwalten, vorwalten
Herkunft
- mittelhochdeutsch, althochdeutsch sīn; das neuhochdeutsche Verb enthält drei verschiedene Stämme: 1. mittelhochdeutsch, althochdeutsch bin, ursprünglich = werde, wachse; 2. mittelhochdeutsch, althochdeutsch ist, sint; 3. mittelhochdeutsch was, wāren, althochdeutsch was, wārun, ursprünglich = war(en) da, verweilte(n), zu althochdeutsch wesan, ↑wesen
Grammatik
- unregelmäßiges Verb; ich bin, er/sie/es ist, wir sind, ihr seid; er/sie/es war; er/sie/es ist gewesen
Bedeutungen, Beispiele und Wendungen
- sich in einem bestimmten Zustand, in einer bestimmten Lage befinden; sich bestimmten Umständen ausgesetzt sehen; eine bestimmte Eigenschaft, Art haben
Beispiele
- gesund, müde, lustig sein
- sie war sehr freundlich
- das kann doch nicht wahr sein!
- wie ist der Wein?
- wie alt bist du?
- er war bei ihnen zu Gast
- sie wollte ihn Sieger sein lassen
- <unpersönlich>: es ist dunkel, kalt hier
- es war (herrschte) Krieg, herrliches Wetter
- es ist besser so
- wie war es denn?
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
- es sei denn, [dass] (ausgenommen, außer wenn: ich bin um 8 Uhr da, es sei denn, der Zug hat Verspätung)
- nicht so sein (umgangssprachlich; sich großzügig, nachsichtig zeigen: ach, sei doch nicht so und gib es mir)
- dem ist [nicht] so (die Sache verhält sich [nicht] so)
- sei es, wie es wolle; sei dem/dem sei, wie ihm wolle; wie dem auch sei (wie immer es sich auch verhält; gleichgültig, ob es sich so oder so verhält)
- jemandes Besitz, Eigentum darstellen; jemandem gehören
Beispiele
- das ist meins/(landschaftlich umgangssprachlich:) mir
- <in übertragener Bedeutung>: (gehoben veraltend) ich bin dein (bin dir in Liebe verbunden)
- von jemandem als bestimmtes eigenes Befinden festgestellt werden
Grammatik
- unpersönlich
Beispiele
- mir ist [es] kalt, schlecht, übel
- (umgangssprachlich) ist dir etwas? (fehlt dir etwas, fühlst du dich nicht wohl?)
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
- jemandem ist, als [ob] … (jemand hat das [unbestimmte] Gefühl, den Eindruck, als [ob] …: mir ist, als hätte ich ihn gesehen/als ob ich ihn gesehen hätte)
- jemandem ist [nicht] nach etwas (umgangssprachlich; jemand hat im Augenblick [keine] Lust auf, zu etwas: mir ist heute nicht nach Feiern)
- drückt die Identität oder eine Klassifizierung, Zuordnung aus
Grammatik
- in Verbindung mit einem Gleichsetzungsnominativ
Beispiele
- du bist ein Schuft
- ihr seid Lügnerinnen
- das ist die Hauptsache
- ich bin Paul und das ist meine Schwester Maria
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
- es sein (es getan haben; der Schuldige, Gesuchte sein: am Ende will es keiner gewesen sein)
- wer sein (umgangssprachlich; es zu etwas gebracht haben, Ansehen genießen: im Fußball sind wir [wieder] wer)
- das wärs (das ist alles [was ich sagen, haben wollte, was getan werden musste])
- (in Bezug auf das Ergebnis einer Rechenaufgabe) zum Resultat haben, ergeben
Beispiel
dreißig weniger neun ist/(umgangssprachlich:) sind einundzwanzig - (aufgrund der Zeit) als Umstand, Zustand o. Ä. gegeben sein
Grammatik
- unpersönlich
Beispiele
- gestern war der fünfte Mai
- bis dahin wird [es] wieder Herbst sein
- dafür ist es jetzt, nie zu spät
- sich in einem bestimmten Zustand, in einer bestimmten Lage befinden; sich bestimmten Umständen ausgesetzt sehen; eine bestimmte Eigenschaft, Art haben
- sich irgendwo befinden, aufhalten
Beispiele
- in Hamburg, in Urlaub sein
- wo warst du denn die ganze Zeit?
- Bier ist im Kühlschrank
- seine Wohnung ist (liegt) im dritten Stock
- sie ist in/zur Kur (ist zu einer Kur verreist)
- sie sind einkaufen (sind zum Einkaufen weggegangen)
- stammen, kommen
Beispiele
- das Paket ist von Mutter
- die Milch ist von heute
- das Kind ist von ihm (er ist der Vater des Kindes)
- sich irgendwo befinden, aufhalten
- an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit stattfinden, vonstattengehen
Beispiele
- die erste Vorlesung ist morgen
- der Vortrag ist in der Stadthalle
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
nicht sein (umgangssprachlich; nicht erlaubt, möglich o. Ä. sein, nicht geduldet werden: Rauchen ist [bei mir] nicht) - an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, unter bestimmten Umständen geschehen, sich ereignen
Beispiele
- die meisten Unfälle sind nachts
- das letzte Erdbeben war dort 1906
- <auch unpersönlich>: es war im Sommer letzten Jahres
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
mit etwas ist es nichts (umgangssprachlich; etwas läuft nicht so ab, findet nicht so statt, wie es geplant, beabsichtigt o. Ä. war: als sie von seiner Vergangenheit hörte, war es nichts mehr mit [der] Heirat) - geschehen, vor sich gehen, passieren
Grammatik
- meist im Infinitiv in Verbindung mit Modalverben
Beispiele
- muss das sein?
- das kann doch nicht sein! (das ist doch nicht möglich!)
- (umgangssprachlich) war während meiner Abwesenheit irgendwas? (ist während meiner Abwesenheit etwas Erwähnenswertes vorgefallen?)
- <auch unpersönlich>: es sei!, so sei es denn! (es möge, soll, kann so geschehen!)
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
- sei es … sei es; sei es … oder (entweder … oder; kann, mag sein [dass] … oder [dass]; ob … oder [ob]: eine muss einlenken, sei es die Mutter oder die Tochter; das Prinzip ist das gleiche, sei es in der Luft, sei es im Wasser)
- was sein muss, muss sein (es ist unvermeidbar)
- seis drum (es ist schon gut, es macht nichts)
- an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit stattfinden, vonstattengehen
- da sein; bestehen; existieren
Beispiele
- alles, was einmal war, heute ist oder einmal sein wird
- in diesem Bach sind (gibt es) viele Fische
- (gehoben) die Königin ist nicht mehr (ist gestorben)
- das war einmal (gehört der Vergangenheit an, besteht nicht mehr)
- (umgangssprachlich) ist [irgend]etwas? (gibt es etwas Besonderes, einen Grund zur Beunruhigung?)
- sind (gibt es) noch Fragen?
Wendungen, Redensarten, Sprichwörter
- was nicht ist, kann noch werden (das kann immer noch in der Zukunft Wirklichkeit werden)
- <substantiviert:> das menschliche Sein (Leben, Dasein)
- Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage (hier geht es um eine ganz wichtige Entscheidung; hierbei handelt es sich um eine existenzielle Frage; nach der Übersetzung der Stelle im Drama »Hamlet« [III, 1] von W. Shakespeare [1564–1616]: To be or not to be, that is the question)
- entspricht einem mit »können« verbundenen Passiv; … werden können
Grammatik
- mit Infinitiv mit »zu« als Hilfsverb
Beispiele
- sie ist durch niemanden zu ersetzen (kann durch niemanden ersetzt werden)
- die Schmerzen waren nicht zu ertragen (waren unerträglich)
- entspricht einem mit »müssen« verbundenen Passiv; … werden müssen
Grammatik
- mit Infinitiv mit »zu« als Hilfsverb
Beispiel
der Ausweis ist unaufgefordert vorzuzeigen
- entspricht einem mit »können« verbundenen Passiv; … werden können
