Was ist ein Pleonasmus?

Waren Sie heute schon persönlich anwesend? Dann sollten Sie weiter fortfahren, denn in diesem Artikel geht es um mehr oder weniger überflüssige Wörter. Die folgenden Passagen sind unserem Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle entnommen.

Unter einem Pleonasmus versteht man das mehrfache Auftreten eines Bedeutungsmerkmals in einem Ausdruck. Meist kommt ein Pleonasmus durch einen bei normalem Sprachgebrauch inhaltlich überflüssigen Zusatz zu einem Wort oder einer Wendung zustande: weißer Schimmel, alter Greis; Gesichtsmimik, Einzelindividuum, zusammenaddieren, neu renovieren, nutzlos vergeuden, weiter fortfahren, nochmals überprüfen.

Ein weißer Schimmel ist ein Pleonasmus, weil Schimmel (= weißes Pferd) das Merkmal „weiß“ bereits enthält. Entsprechendes gilt für Gesichtsmimik, Einzelindividuum, zusammenaddieren, nutzlos vergeuden usw., im Vergleich zu denen Mimik, Individuum, addieren und vergeuden nicht bedeutungsärmer sind. Solche Fügungen sollte man bei normalem Sprachgebrauch vermeiden.

Etwas anders verhält es sich mit Bildungen wie Rückantwort oder zusammenmixen, wo das Kompositum gegenüber dem einfachen Wort eine andere Bedeutung (Rückantwort = „Antwort auf eine schriftliche oder telefonische Anfrage“) oder ein zusätzliches wertendes Merkmal hat (zusammenmixen = abwertend). Deshalb kann nicht mehr ohne Weiteres von einem überflüssigen Zusatz gesprochen werden.

Ähnliches lässt sich von lautlose Stille, nochmals wiederholen, persönlich anwesend, mit meinen eigenen Augen, vor vollendete Tatsachen stellen, Vorspiegelung falscher Tatsachen sagen, wo die Zusätze streng genommen inhaltlich überflüssig sein mögen; in stilistischer Hinsicht stellen sie jedoch – zumindest im entsprechenden Zusammenhang – eine besondere Betonung und Verstärkung des Ausdrucks dar.

Ein verbreiteter und häufig unbemerkter Typ von Pleonasmus entsteht dadurch, dass die modale Bedeutung (Möglichkeit, Notwendigkeit, Mutmaßung o. Ä.) der Modalverben in einem zusätzlichen Redeteil noch einmal zum Ausdruck gebracht wird:

  • Es kann sein, dass sie kommt (nicht: Es kann möglich sein, dass sie kommt).
  • Ich sah mich genötigt abzureisen (nicht: Ich sah mich genötigt, abreisen zu müssen).
  • Sie soll in Paris gesehen worden sein (nicht: Sie soll angeblich in Paris gesehen worden sein).
  • Er dürfte es erfahren haben (nicht: Er dürfte es vermutlich erfahren haben).

Pleonasmen entstehen auch durch die Verbindung von Verben mit dem Präfix ent- „aus, heraus“ und der Präposition aus:

  • Heilquellen entspringen dem erloschenen Vulkan (nicht: Heilquellen entspringen aus dem erloschenen Vulkan).
  • Der Physiker entstammt einer Familie berühmter Naturwissenschaftler (nicht: Der Physiker entstammt aus einer Familie berühmter Naturwissenschaftler).

Als Pleonasmen gelten auch Häufungen sinngleicher oder sinnverwandter Wörter: bereits schon, leider zu meinem Bedauern, höchstens nur, ebenso auch, einander gegenseitig, lediglich nur.

Bei bedeutungsverstärkenden Paarformeln wie immer und ewig oder voll und ganz und insbesondere bei einer Aussage wie Sein kurzes Leben endete früh spricht man von einer Tautologie.

Viele weitere Info-Artikel rund um Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Stilfragen finden Sie in Dudenband 9, Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. Dem Band ist auch unser Sprachwissen-Artikel zu Wortwiederholungen entnommen.

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