Konjunktiv I oder II?

Hätte, würde, könnte – in diesem Artikel erklären wir kompakt anhand von Beispielen, wann der Konjunktiv I und wann der Konkjunktiv II zu gebrauchen ist. Außerdem verraten wir Ihnen, was es mit „Potenzialis“ und „Irrealis“ auf sich hat. Entnommen ist der Text unserem Titel Ja wie denn nun? Sprachliche Zweifelsfälle und ihre Lösung.

Konjunktiv I und II unterscheiden sich nicht zeitlich, sie haben unterschiedliche Funktionen. Der Konjunktiv I wird vornehmlich zur Kennzeichnung der indirekten Rede gebraucht, der Konjunktiv II vor allem als Ausdruck des nur Vorgestellten, des Möglichen und des Irrealen, wobei der Konjunktiv II häufiger vorkommt als der Konjunktiv I. Viele Formen des Konjunktivs I sind gegenüber dem Indikativ gar nicht erkennbar; weil dies auch für zahlreiche Formen des Konjunktivs II gilt, wird die würde-Konstruktion immer häufiger verwendet.

Konjunktiv I: Er erzählte, er lebe in Paris

Der Konjunktiv I kann gebraucht werden:

  • als Kennzeichnung der indirekten Rede (das ist am häufigsten),
  • als Ausdruck eines Wunsches, einer Aufforderung, einer Annahme o. Ä. , die indirekt und mittelbar geäußert werden (z. B. Man folge mir bitte unauffällig. Sie leben hoch!),
  • als Kennzeichnung von irrealen Vergleichssätzen (aber weniger häufig als der Konjunktiv II).

Konjunktiv II: Wenn ich doch Zeit hätte!

Der Konjunktiv II kann folgendermaßen gebraucht werden:

  • Ausdruck des nur Vorgestellten, des Möglichen oder Irrealen. Typisch dafür ist der Bedingungssatz. Wenn dabei das Verb in der Grundform des Konjunktivs II steht, ist das Eintreten des nur Gedachten prinzipiell möglich. Man spricht dann vom „Potenzialis“:
    • Wenn sie käme, wäre ich froh.
    • Ohne dich wären sie nicht so weit.
    • Wenn er doch hier wäre!
    Wenn die Vergangenheitsform des Konjunktivs II verwendet wird, ist das Eintreten des nur Gedachten nicht mehr möglich. Man nennt dies „Irrealis“:
    • Wenn sie gekommen wäre, hätte ich sie abgeholt.
    • Er hätte alles für sie getan.
    Hierzu zählen auch irreale Vergleichssätze:
    • Sie benahm sich, als ob sie betrunken wäre.
    • Er tat, als wäre er krank.
  • Ersatz für Formen, die nicht eindeutig Konjunktiv I und deshalb missverständlich sind:
    • Petra sagte, ihre Eltern hätten (für [Konj. I]: haben) gestern ein Fahrrad für sie gekauft.
  • Ausdruck der Höflichkeit oder Unverbindlichkeit. Auch der würde-Konjunktiv wird so verwendet:
    • Ich wünschte, dass Sie nachgäben.
    • Es würde uns sehr freuen, wenn Sie das Geld bis zum 15. d. M. überwiesen / überweisen würden.

Viele weitere Tipps zu Grammatik, Stil und Co. finden Sie in Ja wie denn nun? Sprachliche Zweifelsfälle und ihre Lösung. Und wann Sie den Konjunktiv II durch die würde-Form ersetzen sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Alle Artikel in Grammatik (210)

Hauptsatz und Nebensatz

Die Unterscheidung von Hauptsatz und Nebensatz ist besonders für die Kommasetzung wichtig. Im folgenden Ausschnitt aus der Dudengrammatik möchten wir diese Unterscheidung beleuchten.

Was ist ein Satz?

Einigen Rechtschreibregeln liegt die grammatische Einheit „Satz“ zugrunde, etwa in Fragen der Groß- und Kleinschreibung. Im folgenden Ausschnitt aus der Dudengrammatik möchten wir Ihnen drei Definitionen des Satzes vorstellen. Hier geht es also ins Detail.