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Jeder ist seines Glückes Schmied

Ganz gleich, wie man den Wahrheitsgehalt dieser Aussage persönlich einschätzt – man kommt an dem markanten Satz nicht vorbei. Unser Artikel wirft einen tieferen Blick auf die Hintergründe.

Wie viele Sprichwörter und Redensarten im heutigen Deutsch geht auch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ auf einen antiken römischen Ursprung zurück. Autor ist diesmal nicht einer der üblichen Verdächtigen wie Cicero, Seneca oder Horaz, sondern ein römischer Konsul. Appius Claudius Caecus soll in einem Gedicht geschrieben haben: fabrum esse suae quemque fortunae – jeder sei der Schmied seines Glücks.

Obwohl grammatisch ein unscheinbarer Aussagesatz, hat es das Sprichwort in sich. Es verfügt über einen gewissen Variationsspielraum. Formvarianten sind zum Beispiel „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ und „Ein jeder ist seines Glückes Schmied“. Durch die ungewöhnliche Voranstellung des Genitivattributs seines Glückes erhält der Spruch etwas Markantes und Eingängiges. In Form eines Sprachbilds wird ausgedrückt, dass jeder Mensch sein Glück selbst so gestalten könne, wie es ein Schmied bei der Formgebung von glühendem Eisen tut. Man drückt aus, dass der Mensch durch eigenes Handeln (guten) Einfluss auf die Entwicklung der Dinge nehmen kann. Dies impliziert aber auch, dass er Eigenverantwortung für sein Schicksal hat, mithin bei falschem oder unterlassenem Handeln ein ungünstiges Schicksal selbst verschuldet.

Nicht selten begegnet man dem Sprichwort in Kontexten, in denen seine Aussage in Frage gestellt oder negativ beurteilt wird. Das verwundert nicht, ist der Sinnspruch doch ganz wesentlich von der „Blickrichtung“ abhängig. Zu jemandem, der sich in einer misslichen Situation befindet, „Jeder ist seines Glückes Schmied“ zu sagen, käme einem Vorwurf gleich. Nur mit Blickrichtung „nach vorn“ gewinnt die Spruchweisheit an positiver Kraft. Gesprochen als Ermunterung, verweist sie optimistisch auf die Machbarkeit des Gelingens, die im eigenen Handeln gründet.

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