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Komma

Komma

 

  Das Komma ist ein Gliederungszeichen. Innerhalb eines Ganzsatzes grenzt es bestimmte Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander oder vom übrigen Text des Satzes ab.

Werden solche Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze von zwei Kommas eingeschlossen, weil sie in den übergeordneten Text eingeschoben sind, so spricht man auch vom „paarigen" Gebrauch des Kommas.

Die folgende Darstellung behandelt die Kommasetzung unter diesen Gesichtspunkten:

  • Bei Aufzählungen (Regeln 100–102) (Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie wirkte ruhig, gelassen, entspannt.)
  • Bei nachgestellten Zusätzen (Regeln 103–107) (Das ist Michael, mein Bruder. Sie liest viel, vor allem Krimis.)
  • Bei Datums-, Wohnungs-, Literaturangaben (Regel 108–110) (Sie kommt Mittwoch, den 13. März. Herr Meier aus Bonn, Lindenstraße 12[,] hat zwei Freikarten gewonnen. Ich zitiere aus dem Brockhaus, 21. Auflage, Band 14.)
  • Bei Konjunktionen (Bindewörtern) (Regeln 111–113) (Er stand auf und ging. Wir waren arm, aber gesund.)
  • Bei Partizip- und Infinitivgruppen (Regeln 114–117) (Das ist[,] grob gerechnet[,] die Hälfte. Sie weigerte sich[,] uns zu helfen.)
  • Bei Teilsätzen (selbstständigen Teilsätzen und Nebensätzen) (Regeln 118–125) (Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Nimm das Geld[,] oder lass es bleiben. Ich freue mich, dass du wieder gesund bist.)
  • Bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen (Regeln 126–128) (Angenommen[,] dass morgen gutes Wetter ist ...)
  • Bei Hervorhebungen, Ausrufen, Anreden (Regeln 129–132) (Deine Mutter, die habe ich gut gekannt. Ach, das ist aber schade. Harry, fahr bitte den Wagen vor.)

Zu weiteren Informationen:
Anführungszeichen (Regel 9 und Regel 11)
Gedankenstrich (Regel 43, Regel 45 und Regel 46)
Klammern (Regel 98 und Regel 99)

 

Bei Aufzählungen

 

Regel 100:

Das Komma steht bei Aufzählungen, zwischen gleichrangigen Wörtern und Wortgruppen, wenn sie nicht durch Wörter wie „und" oder „oder" (vgl. Regel 111 und Regel 113) verbunden sind <§ 71 (2) und 72>.

  • Feuer, Wasser, Luft und Erde.
  • Sie wirkte ruhig, gelassen, entspannt.
  • Möchten Sie ein Menü aus drei, aus vier oder aus fünf Gängen?
  • Ich wollte nur am Strand sitzen, keine Berge besteigen, keine Museen besuchen, an keiner Weinprobe teilnehmen.

  Am Schluss der Aufzählung steht kein Komma, wenn der Satz weitergeht.

  • Er sägte, hobelte, hämmerte die ganze Nacht.
  • Sie ist viel, viel schöner.

 

Regel 101:

Zwischen nicht gleichrangigen Adjektiven (von denen das erste die folgende Fügung näher bestimmt) steht kein Komma.

  • die jüngsten politischen Entwicklungen
  • ein Glas dunkles bayerisches Bier („bayerisches Bier" wird hier als Einheit angesehen, die durch „dunkles" näher bestimmt ist)

Gelegentlich hängt es vom Sinn des Satzes ab, ob Gleichrangigkeit vorliegt oder nicht <§ 71 E1>.

  • höher liegende unbewaldete Hänge (ohne Komma, weil es auch tiefer liegende unbewaldete Hänge gibt)
  • höher liegende, unbewaldete Hänge (mit Komma, weil die tiefer liegenden Hänge bewaldet sind)

  Davon zu unterscheiden sind Fälle, in denen ein Adjektiv durch eine folgende Adjektiv- oder Partizipgruppe näher bestimmt wird (vgl. Regel 105 und Regel 113).

  • Das Buch enthält viele farbige, [und zwar] mit der Hand kolorierte Holzschnitte.

 

Regel 102:

Mehrere vorangestellte Namen und Titel werden nicht durch Komma getrennt.

  • Hans Albert Schulze

(aber: Schulze, Hans Albert)

  • Direktor Professor Dr. Max Müller
  • Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II.

Angaben mit „geb.", „verh.", „verw." usw. können ohne Komma stehen oder als Zusätze angesehen und mit Kommas abgetrennt werden <§ 77 E2>.

  • Martha Schneider[,] geb. Kühn
  • Frau Tanja Schuster-Lehmann[,] geb. Lehmann[,] und ihr Ehemann Peter[,] geb. Schuster[,] verpflichten sich hiermit ...

 

Bei nachgestellten Zusätzen

 

Regel 103:

Das Komma trennt den nachgestellten Beisatz (die Apposition) ab; eingeschobene Beisätze werden von Kommas eingeschlossen <§ 77 (2)>.

  • Das ist Michael, mein Bruder.
  • Das Auto, Massenverkehrsmittel und Statussymbol zugleich, hat das Gesicht unserer Städte nachhaltig geprägt.
  • Johannes Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, wurde in Mainz geboren. (Vgl. auch Regel 104 und Regel 107.)

Gelegentlich zeigt allein das Komma, ob eine Aufzählung oder ein Beisatz vorliegt. In diesen Fällen kann also das Komma den Sinn des Satzes verändern.

  • Sabine, meine Schwester, und ich wohnen in demselben Haus (Beisatz; Sabine ist meine Schwester; es ist von zwei Personen die Rede).
  • Sabine, meine Schwester und ich wohnen in demselben Haus (Aufzählung; Sabine und meine Schwester und ich; es ist von drei Personen die Rede).

 

Regel 104:

Wenn der Beisatz Teil des Namens ist, steht kein Komma <§ 77 E2>.

  • Heinrich der Löwe wurde im Dom zu Braunschweig begraben.
  • Das ist ein Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren.

 

Regel 105:

1. Das Komma trennt nachgestellte Erläuterungen ab. (Solche Erläuterungen werden häufig durch „und zwar", „nämlich", „z. B.", „insbesondere" oder ähnliche Wörter und Fügungen eingeleitet.)

  • Sie liest viel, vor allem Krimis.
  • Das Schiff verkehrt wöchentlich einmal, und zwar sonntags.
  • Wir müssen etwas unternehmen, und das bald.
  • Es gibt vier Jahreszeiten, nämlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

2. Eingeschobene Nachträge werden von Kommas eingeschlossen; stehen sie jedoch zwischen Adjektiv und Substantiv oder zwischen Verb und Hilfsverb, entfällt das schließende Komma <§ 77 (4)>.

  • Bei unserer nächsten Sitzung, also am Donnerstag, werde ich diese Angelegenheit zur Sprache bringen.
  • Das Buch enthält viele farbige, und zwar mit der Hand kolorierte Holzschnitte.
  • Er wurde erst ruhiger, als er sein Herz ausgeschüttet, d. h. alles erzählt hatte.

 

Regel 106:

1. Das Komma trennt einem Substantiv oder Pronomen nachgestellte Adjektive und Partizipien sowie entsprechende Wortgruppen ab. Sind sie in den Satz eingeschoben, werden sie von Kommas eingeschlossen <§ 77 (7)>. (Vgl. auch Regel 114.)

  • Sie erzählte allerlei Geschichten, erlebte und erfundene.
  • Dein Wintermantel, der blaue, muss in die Reinigung.
  • Er, das leere Glas in der Hand [haltend], ging zur Theke.
  • Kabeljau, gedünstet

2. Das Komma steht aber nicht, wenn in bestimmten festen Fügungen (oder in poetischen Texten) ein allein stehendes Adjektiv nachgestellt ist <§ 77 E3>.

  • Aal blau
  • Karl Meyer junior
  • Bei einem Wirte wundermild ...
  • Ich arme Jungfer zart, ach, hätt ich genommen den König Drosselbart!

 

Regel 107:

Oft können die Schreibenden durch die Kommasetzung selbst entscheiden, ob sie Wörter oder Satzteile als Zusatz kennzeichnen wollen oder nicht.

  • Du hast mir leider nicht alles gesagt.

Oder mit besonderer Hervorhebung:

  • Du hast mir, leider, nicht alles gesagt.

Das gilt besonders

1. bei mit „wie" oder mit einer Präposition (einem Verhältniswort) eingeleiteten Wortgruppen (vgl. auch Regel 112) und

  • Öffentliche Verkehrsmittel[,] wie Busse und Bahnen[,] sollen stärker gefördert werden.
  • Alle[,] bis auf Robert[,] wollen mitfahren.

2. bei Namen, die auf eine vorausgehende Bezeichnung zu beziehen sind <§ 78 (1 und 4)>. (Vgl. auch Regel 103.)

  • Der Angeklagte[,] Max Müller[,] erschien nicht zur Verhandlung.

  Dies gilt auch, wenn die einem Namen vorangestellte Bezeichnung durch Beifügungen umfänglicher ist.

  • Der Erfinder der Buchdruckerkunst[,] Johannes Gutenberg[,] wurde in Mainz geboren.

 

Bei Datums-, Wohnungs-, Literaturangaben

 

Regel 108:

Mehrteilige Datums- und Zeitangaben gliedert man durch Kommas. Man kann diese Angaben als Aufzählungen oder als Fügungen mit Beisatz auffassen; deshalb ist das letzte (schließende) Komma vor der Weiterführung des Satzes freigestellt <§ 77 (3)>. (Vgl. auch Regel 32.)

  • Sie kommt Mittwoch, den 13. März.
  • Wir treffen uns am Freitag, dem 12. August, [um] 20 Uhr.
  • Sie kommt Montag, [den] 5. April[,] wieder zurück.
  • Sie kommt am Montag, dem 5. April[,] wieder zurück.
  • Mittwoch, den 25. Juli[,] um 14 Uhr[,] findet eine Sitzung statt.
  • Die Sitzung findet Mittwoch, den 25. Juli, 14 Uhr[,] im großen Besprechungszimmer statt.

  Im Briefkopf steht zwischen Orts- und Datumsangabe im Allgemeinen ein Komma.

  • Mannheim, [den] 31. 8. 2009

 

Regel 109:

Mehrteilige Wohnungsangaben gliedert man durch Kommas. Man kann diese Angaben als Aufzählungen oder als Fügungen mit Beisatz auffassen; deshalb ist das letzte (schließende) Komma vor der Weiterführung des Satzes freigestellt <§ 77 (3)>.

  • Sie wohnt in Berlin, Kurfürstendamm 37.
  • Herr Meier aus Bonn, Lindenstraße 12[,] hat zwei Freikarten gewonnen.
  • Frau Schmitt ist von Bonn, Königstraße 20[,] nach Mannheim, Eberbacher Platz 14[,] umgezogen.

(Aber: Frau Anke Meyer wohnt in Heidelberg in der Hauptstraße 15.)

 

Regel 110:

Mehrteilige Literaturangaben gliedert man durch Kommas. Man kann diese Angaben als Aufzählungen oder als Fügungen mit Beisatz auffassen; deshalb ist das letzte (schließende) Komma vor der Weiterführung des Satzes freigestellt.

  • Ich zitiere aus dem Brockhaus, 21. Auflage, Band 12.
  • Es ist ein Zitat aus Goethes „Tasso", 2. Akt, 1. Szene.
  • Der Artikel ist im „Spiegel", Heft 48, 2008, S. 25[,] erschienen.

Bei Hinweisen auf Gesetze, Verordnungen usw. setzt man jedoch kein Komma <§ 77 (3)>.

  • Wir beziehen uns auf § 6 Abs. 2 Satz 2 der Personalverordnung.

 

Bei Konjunktionen (Bindewörtern)

 

Regel 111:

Werden gleichrangige Wörter und Wortgruppen durch eine der folgenden Konjunktionen verbunden, so setzt man kein Komma <§ 72 (2)>:

1. und

  • Er stand auf und ging.
  • Sie grübelte und grübelte und grübelte.
  • Sie hört gern Musik und liebt besonders die Oper.

2. oder

  • Gib mir einen Stock, einen Schirm oder etwas Ähnliches.

3. beziehungsweise (bzw.)

  • Das Geld haben mir meine Verwandten geschenkt beziehungsweise geliehen.

4. entweder – oder

  • Du musst dich entweder für uns oder gegen uns entscheiden.

5. nicht – noch

  • Wir werden nicht rasten noch ruhen ...

6. sowie

  • Die Präsidentin sowie ihre Stellvertreterin sind berechtigt ...

7. sowohl – als [auch]

  • Der Vorfall war sowohl ihm als auch seiner Frau sehr peinlich.

8. sowohl – wie [auch]

  • Wir können das Modell sowohl mit Benzinmotor wie auch mit Dieselmotor liefern.

9. weder – noch

  • Ich weiß weder seinen Vornamen noch seinen Nachnamen.

10. wie

  • Der Becher war innen wie außen vergoldet.

11. Das schließende Komma eines vorangehenden Einschubs oder Nebensatzes o. Ä. bleibt jedoch erhalten <§ 72 E1>. (Vgl. auch Regel 116.)

  • Mein Onkel, ein großer Tierfreund, sowie seine vierzehn Katzen leben jetzt in einer alten Mühle.
  • Wir hoffen, dass wir Ihre Bedenken hiermit zerstreut haben, und grüßen Sie ...
  • Wir hoffen, Ihre Bedenken hiermit zerstreut zu haben, und grüßen Sie ...

  Auch die Konjunktion „respektive" ist (als Synonym zu „beziehungsweise") zu den oben genannten zu zählen.

  • Das Geld haben mir meine Verwandten geschenkt respektive geliehen.

 

Regel 112:

1. Wenn die vergleichenden Konjunktionen „als" oder „wie" nur Wörter oder Wortgruppen verbinden (also keine Nebensätze einleiten), setzt man kein Komma <§ 74 E3>. (Vgl. auch Regel 116.)

  • Die Wunde heilte besser als erwartet.

(Aber: Die Wunde heilte besser, als wir erwartet hatten.)

  • Wir haben mehr Stühle als nötig.

(Aber: Wir haben mehr Stühle, als nötig sind.)

  • Die neuen Geräte gingen weg wie warme Semmeln.
  • Wie schon bei den ersten Verhandlungen konnte auch diesmal keine Einigung erzielt werden.

2. Bei nachgestellten Zusätzen, die mit „wie" eingeleitet werden, können Kommas gesetzt werden <§ 78 (2)>.

  • Ihre Auslagen[,] wie Post- und Fernsprechgebühren, Eintrittsgelder, Fahrtkosten und dergleichen[,] werden wir Ihnen ersetzen.

 

Regel 113:

Bei den in Regel 111 und Regel 112 nicht genannten nebenordnenden, entgegensetzenden und einschränkenden Konjunktionen gilt die Grundregel der Kommasetzung zwischen gleichrangigen Wörtern und Wortgruppen (vgl. Regel 100) <§ 71>.

  • Wir waren arm, aber gesund.
  • Das war kein Pkw, sondern ein Lastwagen.
  • Die Investition ist einerseits mit hohen Gewinnchancen, andererseits mit hohem Risiko verbunden.
  • Sie hat ihn nicht nur abgewiesen, sondern auch ausgelacht.

 

Bei Partizip- und Infinitivgruppen

 

Regel 114:

1. Partizipgruppen kann man durch Komma[s] abtrennen, um die Gliederung des Satzes deutlich zu machen oder um Missverständnisse auszuschließen. (Vgl. aber Regel 115.)

  • Das ist[,] grob gerechnet[,] die Hälfte.
  • Er fiel[,] von einer Kugel getroffen[,] vom Pferd.
  • Die Renovierung Ihrer Wohnung betreffend[,] möchte ich Ihnen den folgenden Vorschlag machen.
  • Sie stand[,] ein Glas in der Hand haltend[,] an der Theke.

2. Das gilt auch für Adjektivgruppen und entsprechende andere Wortgruppen <§ 78 (3)>.

  • Seit mehreren Jahren kränklich[,] hatte er sich in ein Sanatorium zurückgezogen.
  • Sie stand[,] ein Glas in der Hand[,] an der Theke.

 

Regel 115:

1. Partizipgruppen werden durch Komma[s] abgetrennt, wenn sie

a) mit einem hinweisenden Wort oder einer Wortgruppe angekündigt oder wieder aufgenommen werden,

  • Genau so, mit viel Salami belegt, hat er die Pizza am liebsten.
  • Aus vollem Halse lachend, so kam sie auf uns zu.
  • Auf diese Weise, jeden Stein einzeln umdrehend, hatten wir schließlich Erfolg mit unserer Suche.

b) als einem Substantiv oder Pronomen nachgestellte Zusätze oder Erläuterungen anzusehen sind.

  • Er, tödlich getroffen, fiel vom Pferd.
  • Das ist falsch, logisch betrachtet.

2. Das gilt auch für Adjektivgruppen und entsprechende andere Wortgruppen <§ 77 (5 und 7)>. (Vgl. Regel 106.)

  • Nur so, bleich und ganz in Schwarz, ist mir mein Großvater in Erinnerung geblieben.
  • Sie, ihr Glas in der Hand [haltend], stand an der Theke.

 

Regel 116:

Infinitivgruppen kann man durch Komma[s] abtrennen, um die Gliederung des Satzes deutlich zu machen oder um Missverständnisse auszuschließen (vgl. aber Regel 117) <§ 75 E1 u. E2>.

  • Sie weigerte sich[,] zu helfen.
  • Sie weigerte sich[,] uns zu helfen.
  • Wir versuchten[,] die Torte mit Sahne zu verzieren.
  • Sich selbst zu besiegen[,] ist der schönste Sieg.
  • Wir empfehlen[,] ihm zu folgen.
  • Wir empfehlen ihm[,] zu folgen.

 

Regel 117:

Infinitivgruppen werden durch Komma abgetrennt, wenn sie

1. mit „als", „anstatt", „außer", „ohne", „statt" oder „um" eingeleitet werden <§ 75 (1)>,

  • Ich kenne nichts Schöneres, als mit einem guten Buch am Kamin zu sitzen.
  • Anstatt einen Brief zu schreiben, könntest du auch einfach anrufen.
  • Ihr könnt nichts tun, außer abzuwarten.
  • Er antwortete, ohne gefragt worden zu sein.
  • Wir wollen helfen, statt nur zu reden.
  • Sie ging nach Hause, um sich umzuziehen.

2. von einem Substantiv abhängen <§ 75 (2)>,

  • Mein Vorschlag, ins Kino zu gehen, wurde verworfen.
  • Er gab uns den Rat, erst einmal in Ruhe zu überlegen.

3. mit einem hinweisenden Wort angekündigt oder wieder aufgenommen werden <§ 75 (3)>.

  • Zu tanzen, das ist ihre größte Freude.
  • Erinnere mich daran, den Mülleimer auszuleeren.
  • Ihre Absicht ist es, im nächsten Jahr nach Mallorca zu fahren.

4. Man kann bei einem einfachen Infinitiv (nur Verb + „zu") die Kommas auch weglassen, sofern keine Missverständnisse entstehen können <§ 75 E>.

  • Seine Angst[,] zu versagen[,] war unbegründet.
  • Wir zweifeln nicht daran[,] zu gewinnen.

  In den folgenden Fällen (in denen der Infinitiv mit einem übergeordneten Verb ein mehrteiliges Prädikat bildet) werden Infinitivgruppen im Allgemeinen nicht durch Komma abgetrennt:

1. Wenn die Infinitivgruppe von einem Hilfsverb oder von „brauchen", „pflegen", „scheinen"abhängig ist.

  • Die Spur war ganz deutlich zu sehen.
  • Sie haben uns gar nichts zu befehlen!
  • Du brauchst dich wegen dieser Sache nicht zu schämen.
  • Sie pflegt abends ein Glas Wein zu trinken.
  • Er scheint heute schlecht gelaunt zu sein.

2. Wenn die Infinitivgruppe

a) mit dem übergeordneten Satz verschränkt ist,

  • Diesen Vorgang wollen wir zu erklären versuchen. (Übergeordneter Satz: „wir wollen versuchen"; Infinitivgruppe: „diesen Vorgang zu erklären".)

b) den übergeordneten Satz einschließt,

  • Den genannten Betrag bitten wir auf unser Konto zu überweisen. (Übergeordneter Satz: „wir bitten".)

c) in der verbalen Klammer steht.

  • Wir hatten den Betrag zu überweisen beschlossen. (Verbale Klammer: „hatten ... beschlossen"; Infinitivgruppe: „den Betrag zu überweisen".)

 

Bei Teilsätzen (selbstständigen Teilsätzen und Nebensätzen)

 

Zu den Teilsätzen rechnet man alle zu einem Ganzsatz zusammengefassten Sätze, also auch diejenigen, die nicht von einem übergeordneten Satz abhängig sind.

Wir gehen voraus, die Älteren kommen später nach. (Beide Teilsätze könnten auch unverbunden stehen: Wir gehen voraus. Die Älteren kommen später nach.)

 

Regel 118:

Das Komma steht zwischen gleichrangigen selbstständigen Teilsätzen, wenn diese nicht durch Wörter wie „und" oder „oder" (vgl. aber Regel 119) verbunden sind <§ 71 (1) und 72>.

  • Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
  • Die Sonne versank hinter dem Horizont, die Schatten der Nacht senkten sich über das Land.
  • Die Zeiten ändern sich, sie ändern sich sogar sehr schnell.
  • Wo hört die Toleranz auf, wo beginnt die Gleichgültigkeit?

 

Regel 119:

1. Werden gleichrangige selbstständige Teilsätze durch Konjunktionen wie „und" oder „oder" verbunden, so setzt man in der Regel kein Komma <§ 72 (1)>.

  • Nimm das Geld oder lass es bleiben.
  • Wir können zu Fuß gehen oder wir können die Straßenbahn nehmen.
  • Seien Sie bitte so nett und geben Sie mir das Buch.
  • Sie machten es sich bequem, die Kerzen wurden angezündet und der Gastgeber versorgte sie mit Getränken.

2. Ein Komma kann jedoch auch in diesen Fällen gesetzt werden, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen (besonders, um Missverständnisse zu vermeiden) <§ 73>.

  • Entweder ich sage es ihm[,] oder du sagst es ihm selbst.
  • Er schimpfte auf die Regierung[,] und sein Publikum applaudierte.

3. Das schließende Komma eines vorangehenden Einschubs oder Nebensatzes o. Ä. bleibt generell erhalten <§ 72 E1>. (Vgl. auch Regel 121.)

  • Entweder ich sage es ihm, und zwar heute noch, oder du sagst es ihm morgen selbst.
  • Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten, und verbleiben mit freundlichen Grüßen ...

 

Regel 120:

Eingeschobene selbstständige Teilsätze werden von Kommas eingeschlossen <§ 77 (1)>. (Im Allgemeinen könnten an den entsprechenden Stellen auch Gedankenstriche oder Klammern stehen.)

  • Sie hat, das weiß ich genau, ihr Examen mit Auszeichnung bestanden.
  • Das Tier, es wird wohl ein Wiesel gewesen sein, war plötzlich verschwunden.

Auch möglich: Das Tier ‒es wird wohl ein Wiesel gewesen sein ‒war plötzlich verschwunden.

Oder: Das Tier (es wird wohl ein Wiesel gewesen sein) war plötzlich verschwunden.

 

Regel 121:

Das Komma steht zwischen Haupt- und Nebensatz; eingeschobene Nebensätze werden von Kommas eingeschlossen <§ 74>.

  • Ich freue mich, dass du wieder gesund bist.
  • Dass du wieder gesund bist, freut mich.
  • Über die Nachricht, dass du wieder gesund bist, habe ich mich gefreut.
  • Ich hoffe, dass du wieder gesund bist, und grüße dich herzlich.

 

Regel 122:

1. Zwischen gleichrangigen (nebengeordneten) Nebensätzen steht ein Komma <§ 71 (1)>.

  • Wenn das wahr ist, wenn du ihn wirklich nicht gesehen hast, dann brauchst du dir keine Vorwürfe zu machen.
  • Er kannte niemanden, der ihm geholfen hätte, an den er sich hätte wenden können.

2. Man setzt aber kein Komma, wenn sie durch eine Konjunktion wie „und" oder „oder" verbunden sind <§ 72 (1)>.

  • Sie wird schon wissen, wem sie vertrauen kann und wem sie besser nichts erzählt.
  • Wir erwarten, dass er die Ware liefert oder dass er das Geld zurückzahlt.

 

Regel 123:

1. Zwischen aneinandergereihten Satzgliedern und Nebensätzen steht vor Konjunktionen wie „und" oder „oder" kein Komma.

  • Sie kaufte ihrer Tochter einen Koffer, einen Mantel, ein Kleid und was sonst noch für die Reise gebraucht wurde.
  • Was du für die Reise brauchst sowie die Geschenke für deine Gastgeber besorgst du dir am besten selbst.

2. Ein Komma zwischen Nebensatz und übergeordnetem Satz wird gesetzt, wenn beide unmittelbar aneinandergrenzen <§ 74 E2>.

  • Sie hatte ihrer Tochter einen Koffer, einen Mantel, ein Kleid und was sonst noch für die Reise gebraucht wurde, gekauft.
  • Die Geschenke für deine Gastgeber und was du für die Reise brauchst, besorgst du dir am besten selbst.

 

Regel 124:

Das Komma trennt Nebensätze verschiedenen Grades <§ 74>.

  • Die Genehmigung kann nicht erteilt werden, wenn die Gefahr besteht, dass sie missbraucht wird.

 

Regel 125:

Bei formelhaft gebrauchten [verkürzten] Nebensätzen kann das Komma weggelassen werden <§ 76>.

  • Er ging[,] wie immer[,] nach dem Essen spazieren.
  • Wir wollen die Angelegenheit[,] wenn möglich[,] heute noch erledigen.

(Aber: Wir wollen die Angelegenheit, wenn es möglich ist, heute noch erledigen.)

  Sonst gelten für verkürzte Teilsätze dieselben Richtlinien wie bei vollständigen Sätzen.

  • Vielleicht, dass er noch eintrifft.
  • Ende gut, alles gut.

 

Bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen

 

Regel 126:

Wird ein Nebensatz von einer mehrteiligen Fügung eingeleitet, so steht zwischen den Teilen der Fügung im Allgemeinen kein Komma <§ 74 E1 (1)>.

  • Der Plan ist viel zu umständlich, als dass wir ihn ausführen könnten.
  • Er tut, wie wenn er von der ganzen Angelegenheit nichts wisse.
  • Anstatt dass der Direktor kam, erschien nur sein Stellvertreter.

 

Regel 127:

Bei einigen mehrteiligen Fügungen kann ein Komma zwischen die Teile der Fügung gesetzt werden <§ 74 E1 (2)>.

  • angenommen[,] dass
  • ausgenommen[,] wenn
  • besonders[,] wenn
  • geschweige[,] dass
  • geschweige denn[,] dass
  • gleichviel[,] ob
  • je nachdem[,] ob

 

  Das Komma entspricht hier einer deutlich wahrnehmbaren Pause im gesprochenen Text.

  • Angenommen[,] dass morgen gutes Wetter ist, wohin wollen wir fahren?
  • Er ist sehr umgänglich, ausgenommen[,] wenn er schlechte Laune hat.
  • Egal[,] welche Farbe sie sich aussucht ...

 

Regel 128:

Gelegentlich kann der Gebrauch des Kommas verdeutlichen, welche Wörter als Einleitung des Nebensatzes verstanden werden <§ 74 E1 (3)>.

  • Sie freut sich, auch wenn du ihr nur eine Postkarte schreibst.
  • Sie freut sich auch, wenn du ihr nur eine Postkarte schreibst.

 

Bei Hervorhebungen, Ausrufen, Anreden

 

Regel 129:

Mit einem hinweisenden Wort oder einer Wortgruppe angekündigte oder wieder aufgenommene Satzteile sind aus dem übrigen Satzzusammenhang hervorgehoben. Man grenzt sie durch Komma ab <§ 77 (5)>.

  • Deine Mutter, die habe ich gut gekannt.
  • Nur er, der Kommissar selbst, konnte der Täter gewesen sein.
  • In diesem Krankenhaus, da haben sie mir die Mandeln herausgenommen.
  • Genau so, mit viel Salami, hat er die Pizza am liebsten.
  • Mit viel Salami, genau so hat er die Pizza am liebsten.
  • Im engsten Familienkreis und ohne große Feierlichkeiten, so erlebte sie ihren Ehrentag.

 

Regel 130:

Das Wort „bitte" steht als bloße Höflichkeitsformel oft ohne Komma. Bei besonderer Hervorhebung wird es jedoch durch Komma abgetrennt <§ 79 (3)>.

  • Bitte nehmen Sie doch Platz.
  • Kann ich bitte mal dein Telefon benutzen?
  • Wenn Sie mir bitte nach nebenan folgen würden.
  • Aber bitte, so nehmen Sie doch Platz!
  • Bitte, lass mich dein Telefon benutzen!
  • Wenn Sie mir, bitte, nach nebenan folgen würden.

 

Regel 131:

Ausrufe, kommentierende Äußerungen, Bekräftigungen werden durch Komma abgetrennt. Das Komma entfällt jedoch, wenn keine Hervorhebung gewollt ist <§ 79 (2 und 3)>.

  • Ach, das ist aber schade!
  • Wie eklig, igitt!
  • Sie hatte, leider, keine Zeit für uns.
  • Ja, ein Gläschen nehme ich noch.
  • Es geht uns gut, danke.
  • Ach das ist aber schade.
  • Sie hatte leider keine Zeit für uns.
  • Der ach so liebe Kleine hatte mir vors Schienbein getreten.

 

Regel 132:

1. Das Komma trennt die Anrede vom übrigen Satz <§ 79 (1)>.

  • Harry, fahr bitte den Wagen vor.
  • Das, mein Lieber, kann ich dir nicht versprechen.
  • Danke für euer Verständnis, Freunde.

2. Bei der Briefanrede kann statt des Kommas auch ein Ausrufezeichen gesetzt werden; in der Schweiz endet die Anredezeile gewöhnlich ohne Satzzeichen. In diesen beiden Fällen beginnt der folgende Text mit Großschreibung <§ 69 E3>.

  • Sehr geehrter Herr Schneider, gestern erhielt ich ...
  • Sehr geehrter Herr Schneider! Gestern erhielt ich ...
  • Sehr geehrter Herr Schneider Gestern erhielt ich ...

In modernen und weniger förmlichen Briefanreden besteht die Neigung, das Komma vor dem Namen wegzulassen.

  • Guten Tag[,] Frau Schneider, gestern erhielt ich ...
  • Hallo[,] Sabine, wir sind jetzt umgezogen ...

 

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