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Duden-Newsletter (24.03.06)

Liebe Leserin, lieber Leser,

neben vielen anderen Informationen kann ein Wörterbuch auch Hilfestellung bei der korrekten Aussprache der verzeichneten Stichwörter liefern. Wie dies geschieht, beleuchten wir zu Beginn des heutigen Newsletters.

Anschließend stellen wir Ihnen einige Aussprachebesonderheiten vor, die des Öfteren zu Zweifeln Anlass geben.

Lesen sie schließlich in einem Auszug aus dem Duden-Aussprachewörterbuch, was die deutsche Standardlautung ausmacht.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Lautschrift

Die Aussprache vieler Wörter der deutschen Sprache hält sich an bestimmte Regeln und bedarf deshalb im Wörterbuch keiner besonderen Darstellung. Lediglich die Silbe, welche die Hauptbetonung trägt, wird durchweg kenntlich gemacht - mit einem Strich unter dem Vokal, wenn dieser lang gesprochen wird, oder einem Punkt bei kurzer Aussprache.

Stichwörter, die nicht den üblichen Aussprachegepflogenheiten folgen, benötigen eine besondere Ausspracheangabe. Bewährt hat sich dafür seit vielen Jahren die internationale Lautschrift. Dabei handelt es sich um ein eigenständiges Alphabet, in dem einem Laut ein bestimmtes Zeichen zugeordnet ist. Ein x steht in der internationalen Lautschrift beispielsweise für den Reibelaut, der in dem Wort „acht” vorkommt. In Lautschrift sieht das Wort dann so aus: [axt].

Das Lesen der Lautschrift bedarf einiger Übung - oder aber des wiederholten Nachschlagens einzelner Laute in den Benutzerhinweisen. Ein einfacher Fall ist z. B. das Wort [klu:], hinter dem sich in geschriebener Sprache ein Wort aus dem Französischen verstreckt - der Clou.

Seit 2003 bieten viele Duden-Wörterbücher auf CD-ROM bei schwierig auszusprechenden Wörtern zusätzlich zur Lautschrift eine akustische Ausspracheangabe. So ist es möglich, auch ohne Kenntnis der internationalen Lautschrift die Aussprache eines Wortes bequem nachzuschlagen. Hier ein paar interessante Beispiele:
Caipirinha
Gnocchi
Worcestersoße

Hätten Sie’s gewusst?

Zweifelsfälle bei der Aussprache

In Namen wird die Schreibung oe in der Regel wie der Buchstabe ö ausgesprochen (Foerster, Schoeller, Spoerl, Moers, Goetheanum). Das gilt jedoch nicht für die auf -er gebildeten Ableitungen von geografischen Namen, die auf -o enden: Togoer, Chicagoer, Osloer, Kairoer. In bestimmten norddeutschen Namen wird oe abweichend von dieser Regel als langes, geschlossenes o [o:] gesprochen: Coesfeld, Itzehoe, Soest.

Eine weitere Aussprachebesonderheit gibt es auch in bestimmten, besonders rheinischen Ortsnamen, in denen oi als langes, geschlossenes o [o:] gesprochen wird: Grevenbroich, Korschenbroich, Roisdorf, Voigt.

Auslautendes -ng wird fälschlicherweise oft wie ein k [k] gesprochen. Doch weder bei der Zeitung noch beim Ring sollte in der Standardaussprache am Ende ein k [k] zu hören sein. Dasselbe gilt auch für die Buchstabenfolge -ig: Auch hier wird das auslautende -g standardsprachlich nicht wie ein k [k] gesprochen, sondern wie der Reibelaut in dem Wort „ich”. Das gilt für Wörter wie König, Honig, eilig, sperrig und viele andere Adjektive auf -ig. Sobald aber durch Deklination weitere Buchstaben hinzutreten, wird das g wieder wie g gesprochen: die Könige, eilige Nachrichten, in einer sperrigen Kiste. Folgt der Endung -ig die Ableitungssilbe -lich (königlich), so wird das g wie ein k [k] gesprochen.

Aus dem Französischen kommende Wörter, die auf einen Nasalvokal enden, werden in vielen Fällen heute eingedeutscht, d. h. ohne Nasal gesprochen. Vor allem häufig gebrauchte Wörter auf -on sind betroffen: Balkon, Ballon, Beton, Saison, Blouson. Sie werden mittlerweile wie -ong gesprochen.

Allerdings hat dieser Vorgang nicht alle Fremdwörter gleichmäßig und gleichzeitig ergriffen. Erhalten geblieben ist der Nasalvokal in der Standardaussprache der Wörter Chanson, Fasson, Flakon, Jargon, Jeton, Bidon. Das heißt nicht, dass nicht auch aus dem einen oder anderen dieser Wörter in der Umgangslautung der Nasal verschwunden ist.

Für Sie nachgeschlagen

Genormte Lautung

Die älteste bekannte, 1898 geschaffene genormte Lautung ist die so genannte „Bühnenaussprache” von Theodor Siebs, die in erster Linie eine einheitliche Aussprache auf der Bühne ermöglichen sollte, dann aber eine viel weiter gehende Geltung erlangte. Sie ist mehrmals überarbeitet worden. Die Bühnenaussprache ist in den letzten Jahrzehnten durch eine neue Norm abgelöst worden, […] nicht zuletzt deshalb, weil das (klassische) Theater seine Rolle als Träger einer Einheitsaussprache weitgehend an Rundfunk und Fernsehen abgeben musste. […] Die wesentlichen Züge dieser Standardlautung sind folgende:

1. Sie ist eine Gebrauchsnorm, die der Sprechwirklichkeit nahe kommt. Sie erhebt jedoch keinen Anspruch darauf, die vielfältigen Schattierungen der gesprochenen Sprache vollständig widerzuspiegeln.

2. Sie ist überregional. Sie enthält keine typisch landschaftlichen Ausspracheformen.

3. Sie ist einheitlich. Varianten […] werden ausgeschaltet oder auf ein Mindestmaß beschränkt.

4. Sie ist schriftnah, d. h., sie wird weitgehend durch das Schriftbild bestimmt.

5. Sie ist deutlich, unterscheidet die Laute einerseits stärker als die Umgangslautung, andererseits schwächer als die zu erhöhter Deutlichkeit neigende Bühne.

Aus: Duden 6, Das Aussprachewörterbuch. Mannheim 2005.

Freitag, 24 März, 2006