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Duden-Newsletter (15.06.12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu Beginn unserer heutigen Ausgabe klären wir den grammatischen Begriff des Nomens, der öfter zu Unsicherheiten führt.
 
Davon ausgehend werfen wir einen Blick auf die Wortarten des Deutschen und haben schließlich noch nachgeschlagen, wo die Wendung ein geflügeltes Wort herstammt.
 
Gute Unterhaltung wünscht Ihnen 

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Nomen und nominale Wortarten

Nomen est omen – gerade für das Nomen trifft dieser Spruch leider nicht zu. Denn er besagt, dass man bereits vom Namen auf das bezeichnete Ding schließen könne, und daran hapert es beim Nomen.
 
Innerhalb der Sprachwissenschaft hat Nomen zwei Bedeutungen, die einander überlappen und daher zu Verwirrung führen können. Zum einen kann der Begriff synonym zu Substantiv verwendet werden. Das ist die Definition, die wohl auch den meisten Sprechern geläufig ist. Daneben wird Nomen gelegentlich auch als zusammenfassende Bezeichnung für alle Wortarten verwendet, die Kasusformen bilden. Das wären zusätzlich zu den Substantiven auch noch die Adjektive, die Pronomen, die Zahlwörter und die Artikel. Aufgrund dieser Schwankung sollten Sie das Wort Nomen besser nur in homöopathischen Dosen verwenden. Klarer sind, je nach Situation, die Begriffe Substantiv oder nominale Wortarten.

Hätten Sie's gewusst?

Wortarten

Der Mensch an sich und der Wissenschaftler im Besonderen hat einen Hang zur Katalogisierung. Es ist einfach praktisch, Dinge mit ähnlichen Eigenschaften in eine Schublade zu stecken und damit eine gewisse Ordnung herzustellen. So auch im Bereich der Wörter, und zwar schon seit dem 5./6. Jahrhundert v. Chr. Die aus jener Zeit überlieferte Grammatik bezog sich aufs Sanskrit, aber wir bleiben lieber bei der deutschen Sprache.
 
Eine genau festgelegte Zahl von Wortarten gibt es nicht – das schwankt von Grammatikmodell zu Grammatikmodell. Bewährt hat sich die Aufteilung des deutschen Wortschatzes in neun Wortarten, wobei unter Wortart eine Klasse von Wörtern mit gleichen grammatischen Eigenschaften zu verstehen ist. Zunächst lassen sich die flektierenden, also ihre Form verändernden Wörter von den nicht flektierenden abgrenzen. Die Flexion kann als Konjugation oder als Deklination auftreten.
 
Die einzige Wortart, die konjugiert wird, sind die Verben (1). Die deklinierbaren Wörter können entweder ein festes Genus aufweisen, wie es die Substantive (2) tun, oder sie können ihr Genus anpassen. Wenn Wörter mit veränderbarem Genus gesteigert werden können, zählen sie zu den Adjektiven (3). Übrig bleiben dann die Artikel (4) und die Pronomen (5), wobei Artikel als Begleiter von Substantiven (bzw. Nominalgruppen) auftreten und Pronomen Substantive (bzw. Nominalgruppen) ersetzen können. Bleiben noch die Wörter, die ihre Form nicht verändern können. Wenn eins dieser Wörter die Stelle eines Satzglieds einnehmen kann, spricht man von einem Adverb (6). Das nächste Kriterium ist die Fähigkeit, Sätze oder Wortgruppen miteinander zu verbinden. Diese Fähigkeit besitzen Präpositionen (7) und Konjunktionen (8). Als letzte Gruppe bleiben die Partikeln (9) übrig, kleine Wörtchen, die für alles Mögliche zu gebrauchen sind, z. B. um die Einstellung des Sprechers auszudrücken („Dann komm halt nicht!“) oder als Interjektion (igitt).
 
Da die Sprache jedoch ein lebendiges Gebilde ist, passt nicht jedes Wort in genau eine Schublade hinein; manche tauchen in mehreren Wortarten auf (z. B. gibt es seit als Konjunktion und als Präposition), andere zeigen nicht alle Merkmale ihrer Klasse (so gibt es von manchen Substantiven keinen Plural). Im Großen und Ganzen aber funktioniert diese Einteilung recht gut und bietet eine gute Grundlage, um sich über Wörter und ihre Eigenschaften zu verständigen.

Für Sie nachgeschlagen

Ein geflügeltes Wort

oft zitierter Ausspruch eines Dichters, Schriftstellers, Publizisten u. a.: Georg Büchmanns berühmte Sammlung „Geflügelte Worte“ erschien zuerst 1864.
 
Die Wendung ist eine Lehnübersetzung des homerischen „epea pteroenta“ = mit Flügeln versehene Worte. Man stellte sich Worte und Sprüche wie Vögel mit Flügeln vor, die aus dem Mund des Sprechers entweichen. Büchmann deutete die griechischen Worte in seinem Sinne um: „Geflügelte Worte nenne ich Worte, die, von nachweisbaren Verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden sind und wie Sprichwörter angewandt werden.“
 
Aus: Duden, Redensarten. Woher sie kommen, was sie bedeuten. Mannheim 2012.

Mittwoch, 1 August, 2012