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Duden-Newsletter (10.08.12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Kommasetzung kann eine ganz schön komplizierte Angelegenheit sein. Wie sieht es z. B. mit Sätzen aus, in denen am Anfang oder am Ende ein Satzglied und ein Nebensatz miteinander verbunden sind? Z. B.: Weil Alkohol keine Lösung ist und wegen seiner Ambitionen, muss Bruno nach einer anderen Lösung suchen. Das klären wir gleich zu Beginn.
 
Denkbar wären auch Sätze, in denen diese Kombination aus Satzglied und Nebensatz in der Mitte steht: Bruno muss, weil Alkohol keine Lösung ist und wegen seiner Ambitionen eine andere Lösung suchen. Setzt man da überhaupt Kommas? Und wenn ja, wie viele und wohin?
 
Schließlich haben wir für Sie noch allerlei Interessantes zur Präposition wegen nachgeschlagen.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Kommasetzung bei Verbindungen aus Satzglied und Nebensatz am Satzanfang oder -ende
 

Die Kommasetzung ist im Grunde das Einfachste der gesamten Rechtschreibung. Das kann fast jeder. Die Schwierigkeiten beginnen ja erst mit der tiefer gehenden Frage „Wohin?“.
Geläufig ist die Regel, dass zwischen Neben- und Hauptsatz ein Komma steht: Weil Alkohol keine Lösung ist, muss Bruno eine andere suchen. Bruno muss eine andere Lösung suchen, weil Alkohol keine ist. Ebenfalls ziemlich bekannt ist, dass zwischen einem schlichten Satzglied und dem Rest des Satzes kein Komma steht: Wegen seiner Ambitionen muss Bruno eine andere Lösung suchen. Bruno muss eine andere Lösung suchen wegen seiner Ambitionen.
 
Wie aber sieht es aus, wenn man beides mit einer nebenordnenden Konjunktion wie „und“ oder „oder“ verbindet? Hier gilt die Regel: Nur, wenn der Nebensatz an den Hauptsatz anschließt, wird ein Komma gesetzt: Wegen seiner Ambitionen und weil Alkohol keine Lösung ist, muss Bruno eine andere Lösung suchen. Bruno muss eine andere Lösung suchen, weil Alkohol keine ist und wegen seiner Ambitionen.
Ein anderes Beispiel dafür: Der Schiedsrichter oder wer mir querkommt, kann was erleben. Was erleben kann, wer mir querkommt oder der Schiedsrichter.
 
Andernfalls wird dagegen kein Komma gesetzt: Weil Alkohol keine Lösung ist und wegen seiner Ambitionen muss Bruno eine andere Lösung suchen. Bruno muss eine andere Lösung suchen wegen seiner Ambitionen und weil Alkohol keine ist. Wer mir querkommt oder der Schiedsrichter kann was erleben. Was erleben kann der Schiedsrichter oder wer mir querkommt.

Hätten Sie's gewusst?

Kommasetzung bei Verbindungen aus Satzglied und Nebensatz in der Satzmitte
 
Sollte unsere Verbindung aus Satzglied und Nebensatz aber nicht am Anfang oder am Ende des Satzes stehen, sondern mittendrin, gilt folgende Lösung: Das Komma steht da, wo der Nebensatz an den Hauptsatz stößt.
 
Bruno muss, weil Alkohol keine Lösung ist und wegen seiner Ambitionen nach einer anderen Lösung suchen. Bruno muss wegen seiner Ambitionen und weil Alkohol keine Lösung ist, nach einer anderen Lösung suchen. Was Erstaunliches kann, wer mir querkommt oder der Schiedsrichter heute noch erleben. Was Erstaunliches kann der Schiedsrichter oder wer mir querkommt, heute noch erleben.
Ein kleiner Tipp, wie man das überprüfen kann: Versuchen Sie, ob Sie das Verb auch allein verwenden könnten. Wenn „ich sehe dich, und zwar klar“ funktioniert, dann wird getrennt geschrieben. Dagegen wäre „Ich möchte das stellen, und zwar klar“ eindeutig nicht korrekt. Die Verbindung von Verb und klar ergibt demnach ein neues Wort, welches zusammengeschrieben werden muss. Trifft klar in der Bedeutung „bewusst“ auf werden, dann ist sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung richtig: Das ist mir erst jetzt so richtig klar geworden / klargeworden. Die Duden-Empfehlung ist die Getrenntschreibung.

Für Sie nachgeschlagen

wegen
 
Nach der Präposition wegen steht standardsprachlich der Genitiv: wegen des schlechten Wetters, wegen der besonderen Umstände. Umgangssprachlich und regional wird wegen häufig mit dem Dativ verbunden: Wegen dem Hund fuhr sie nicht in Urlaub. Der Gebrauch von wegen mit dem Dativ hat sich im gesprochenen Standarddeutsch neben dem Gebrauch mit dem Genitiv weitgehend durchgesetzt – beide Formen sind hier als korrekt einzustufen.
 
Im geschriebenen Standarddeutsch ist dagegen nur der Gebrauch mit dem Genitiv korrekt; der Gebrauch mit dem Dativ ist im Schriftlichen also noch als umgangssprachlich einzuschätzen. Allerdings gibt es hier eine Ausnahme: Bei stark flektierten Substantiven wird wegen – auch in der geschriebenen Standardsprache – im Plural mit dem Dativ verbunden, wenn der Genitiv formal nicht zu erkennen ist: wegen Geschäften verreist sein, nicht: wegen Geschäfte verreist sein. Sonst aber: wegen dringender Geschäfte ... [...]
 
Steht nach wegen ein an sich stark flektierendes Substantiv im Singular ohne Artikel und ohne Attribut, dann wird im Allgemeinen die Genitivendung weggelassen: Wegen Karin sind wir zu Hause geblieben. Wegen Umbau (selten: Wegen Umbaus) gesperrt. Sie mussten wegen Motorschaden (selten: wegen Motorschadens) aufgeben. [...]
 
Aus: Duden 9, Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim 2011.

Donnerstag, 16 August, 2012