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Duden-Newsletter (03.02.2014)

Liebe Leserin, lieber Leser,

da/weil man oft da statt weil und weil statt da verwenden kann, scheint es fast so, als bedeuteten da und weil das Gleiche. Ganz so ist es aber nicht.
 
-er ist wirklich vielseitig einsetzbar – nein, nicht der neu verpflichtete Fußballspieler, sondern das Suffix, zum Beispiel dafür, aus geografischen Eigennamen oder Grundzahlen Adjektive abzuleiten.
 
Aber -er kann auch ganz anders, -er kann nämlich den Aktor, also den, der etwas tut, bezeichnen. Den Ursprung dieses Ableitungssuffixes haben wir diesmal für Sie nachgeschlagen.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
 
Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

da/weil

Die kausale Subjunktion da setzt man meist ein, wenn der Sachverhalt des Kausalsatzes als bekannt vorausgesetzt wird. Häufig steht dann der Nebensatz vor dem übergeordneten Satz: Da die Temperaturen schon seit über drei Wochen deutlich unter –15 °C lagen, trug das Eis des kleinen Sees auch die schweren Imbissstände. Die Bundesligasaison ist schon zu mehr als der Hälfte rum, und da der BVB schon einige Spiele verloren hat, ist die Meisterschaft in weite Ferne gerückt. Nicht selten weisen auch noch Wörter wie ja, doch, bekanntermaßen etc. und Wendungen wie wie schon gesagt oder wie bereits angemerkt besonders darauf hin, dass der im Kausalsatz geschilderte Sachverhalt bekannt ist: Da die Temperaturen ja schon seit über drei Wochen deutlich unter –15 °C lagen, trug das Eis des kleinen Sees auch die schweren Imbissstände. Die Bundesligasaison ist schon zu mehr als der Hälfte rum, und da der BVB, wie ja hinreichend bekannt, schon einige Spiele verloren hat, ist die Meisterschaft in weite Ferne gerückt.
 
In all diesen Fällen kann auch die Subjunktion weil verwendet werden. Darüber hinaus setzt man weil aber auch dann ein, wenn der im Nebensatz geschilderte Sachverhalt nicht als bekannt vorausgesetzt wird, wenn der Nebensatz also neue Information enthält. Dann steht der Nebensatz oft nach dem übergeordneten Satz: Alle Buden des Volksfestes mussten hastig vom Eis gebracht werden, weil eine Front mit extremer Warmluft heranzog. Die Fans feierten tagelang, weil der BVB dann doch noch Meister geworden war. Wenn im Hauptsatz Wörter wie darum, deshalb, deswegen, besonders, vor allem auf den Kausalsatz hinweisen, verwendet man ausschließlich weil: Valentin ging allein schon deshalb nicht aufs Eis, weil er Angst hatte. Willi gönnte dem BVB besonders darum die Meisterschaft, weil dann ja nicht der VfR Meister sein konnte.
 
Auch auf eine Frage mit warum antwortet man stets nur mit weil, nie mit da: Warum ist das Fest auf dem See schon beendet worden? Weil das Eis nicht mehr trägt. Warum ist der BVB Meister geworden? Weil der VfR in den letzten Spielen von den Schiedsrichtern benachteiligt worden ist.

Hätten Sie's gewusst?

-er

Ableitungen von geografischen Eigennamen auf -er, die als Attribut vor einem Substantiv stehen, werden zwar heute in der Standardsprache als Adjektive angesehen, aber sie werden nicht dekliniert und im Gegensatz zu anderen Adjektiven großgeschrieben: eine Aachener Printe, die Aachener Printen. Das liegt daran, dass diese undeklinierbaren Adjektive sprachgeschichtlich auf vorangestellte substantivische Einwohnerbezeichnungen zurückgehen: der Aachener Printe (im Sinne von eine/die Printe der Aachener). So auch: die Schweizer Banken (aber: die schweizerischen Banken), ein Tübinger Eigengewächs, der Chiemgauer Bursche etc.
 
Schwierig wird es bei diesen Ableitungen oft bei der Frage, ob a) ein -en-Ausgang wegfällt: Bremen → Bremer, Dresden → Dresdener/Dresdner, Oberhausen (Rhld.) → Oberhausener oder ob es b) einen Umlaut gibt: Wernigerode → Wernigeröder, Ebenrode → Ebenröder. Die Üblichkeiten variieren von Ort zu Ort.
 
Bei mehrteiligen getrennt geschriebenen Ortsnamen kann man die -er-Ableitungen getrennt schreiben oder mit Bindestrich: Sankt Pöltener / Sankt-Pöltener Urkunden, die Bad Breisiger / Bad-Breisiger Gegend etc. Duden empfiehlt die Getrenntschreibung. Die deklinierte Variante wird nur mit Bindestrich geschrieben: die sankt-gallischen Klosterschätze.
 
Ableitungen von Grundzahlen auf -er werden in der Regel mit dem folgenden Substantiv zusammengeschrieben: Zweierkiste, Sechserpack, 100er-Pack, Zehnerreihe etc. Vor allem aber in Verbindung mit dem Wort Jahr fasst man sie auch gern als undeklinierte Adjektive auf: die wilden zwanziger Jahre / Zwanzigerjahre, in den 90er Jahren / 90er-Jahren etc. Duden empfiehlt die Zusammenschreibung (bei Ziffernschreibweise mit Bindestrich).

Für Sie nachgeschlagen

-er, noch einmal, aber anders

Auch zur Wortbildung des Deutschen hat das Mittellateinische einiges beigetragen. So geht etwa unser Wortbildungssuffix -er für Nomina Agentis (Bezeichnungen für den Handelnden) wie „Lehrer, Besitzer, Träumer“ etc. auf das lateinische Adjektivsuffix -arius (gehörig zu) zurück. Bei substantivierten Adjektiven steht es nämlich auch im Lateinischen schon mal für Nomina Agentis, etwa: mercedarius (Lohngeber), molinarius. Im Germanischen und Althochdeutschen wird das Suffix zu -ari angepasst wie in mulinari (Müller) und auch an deutsche Stämme angefügt: buochhari (Buchschreiber, -händler), sangari (Sänger) etc. Schließlich schwächt sich -ari ab zu unserem heutigen -er.
 
Aus: Klaus Mackowiak, „Cäsars Vermächtnis – Wörter und Wendungen lateinischer Herkunft“, Duden, Mannheim 2012

Montag, 3 Februar, 2014