Adjektive auf „-ig, -isch, -lich“

Die unterschiedliche Wortbildung eines Adjektivs bringt gelegentlich auch Bedeutungsunterschiede mit sich. So bedeutet „kindlich“ nicht das Gleiche wie „kindisch“ und „launig“ nicht das Gleiche wie „launisch“. Wir erklären, warum.

Mithilfe dieser drei Ableitungssilben werden aus Substantiven Adjektive abgeleitet. Dabei heißt -ig so viel wie „das vom Wortstamm Bezeichnete ist vorhanden“ (nebelig = „Nebel ist vorhanden“). Mit -isch werden oft Adjektive aus Substantiven für Lebewesen gebildet (diebisch, künstlerisch), -isch meint dann so viel wie „in der Art einer/eines bzw. wie ein/eine“ (betrügerisch = „in der Art eines Betrügers bzw. wie ein Betrüger“). Aber auch aus anderen Substantivstämmen bildet man mit -isch Adjektive (grammatisch, karolingisch) und hat dann in etwa die Bedeutung „gehört zu“. Am neutralsten ist -lich, das ganz allgemein nur aussagt „hat irgendetwas zu tun mit“ (ärztlich, ärgerlich, rühmlich). Auch Ableitungen von Stämmen anderer Kategorie sind möglich (begreiflich, verletzlich). In einigen Bereichen kann man die Bedeutungen von Doppelbildungen systematisch unterscheiden.

Die Doppelbildungen mit -ig und -lich bedeuten vor allem bei Zeitangaben jeweils Unterschiedliches. Mit Zeitangaben auf -ig ist die Dauer gemeint, mit denen auf -lich die fristgemäße Wiederholung: vierzehntägig = „vierzehn Tage lang“, aber: vierzehntäglich = „alle vierzehn Tage“. Allgemein drücken die Bildungen auf -ig das Vorhandensein von etwas aus: ein verständiger Mensch = „ein Mensch, bei dem Verstand vorhanden ist, der etwas versteht“, während die Bildungen auf -lich lediglich ausdrücken, dass irgendein Bezug zu dem besteht, was das Substantiv bezeichnet: ein verständlicher Text = „ein Text, der verstanden werden kann“.

Bei Doppelformen auf -lich und -isch drücken die Adjektive auf -lich in der Regel die bloße Zugehörigkeit aus: bäuerlich, kindlich, dörflich, die Adjektive auf -isch dagegen eine Abwertung: bäurisch, kindisch, dörfisch. Doch bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, etwa das gar nicht abwertende heimisch und das völlig anders verwendete heimlich.

Bei der Doppelform launisch/launig meint launisch abwertend so etwas wie: „wechselnden Stimmungen unterworfen und ihnen nachgebend“: Ist „launische Diva“ nicht ein Pleonasmus?; während launig bedeutet: „gut gelaunt, witzig, humorvoll“: Das war ja mal ein launiges Gedicht.

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