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Über den Rechtschreibduden

„Sprachliche Eintagsfliegen kommen nicht in den Duden“

Zur 26. Auflage des Rechtschreibdudens – Interview mit dem Leiter der Dudenredaktion, Dr. Werner Scholze-Stubenrecht

Was 1880 als recht schmales Bändchen mit einem Umfang von nicht viel mehr als 200 Seiten und 27 000 Stichwörtern erstmals erschien, liegt mittlerweile in der 26. Auflage vor: das millionenfach bewährte Standardwerk „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“.

Mit rund 140 000 Stichwörtern präsentiert die neuste Ausgabe den aktuellen Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache so umfassend wie nie zuvor. Nimmt der Wortschatz ständig zu?

Dr. Werner Scholze-Stubenrecht leitet die Wörterbucharbeit der Dudenredaktion und ist Chefredakteur des Dudens

Das ist in der Tat so. Je komplexer die Lebensumstände auf allen Ebenen werden, desto stärker muss die Sprache reagieren. Das betrifft in erster Linie den Wortschatz. Als 2009 die 25. Auflage erschien, waren Shitstorm und Liebesschloss noch kein öffentliches Thema. Mittlerweile sind sie es.

Aber es ist noch etwas anderes entscheidend: In den letzten Jahren haben sich die technischen Hilfsmittel für unsere Sprachbeobachtung erheblich verbessert. Eine Datenbank wie das ständig aktualisierte Dudenkorpus mit seinen heute rund 3 Milliarden Wörtern und Wortformen liefert uns in Sekundenschnelle eine breite Palette von Informationen und gibt uns die Möglichkeit, viel sicherer und schneller als früher Veränderungen im Wortschatz und im Wortgebrauch zu erkennen und zu dokumentieren.

Vorständin, Energiewende, Schuldenbremse, Körperscanner und E-Book-Reader zählen zu den mehr als 5 000 Wörtern, die neu in den Duden aufgenommen worden sind. Wann und wie kommt ein Wort in den Duden?

Wesentliches Kriterium ist, dass die in den Duden aufzunehmenden Wörter sich als fester Bestandteil der deutschen Allgemeinsprache etabliert haben. Das haben sie in unseren Augen genau dann, wenn sie in Texten unterschiedlichster Art, die vom Zeitungstext bis hin zum literarischen Text reichen, in großer Zahl nachweisbar sind. Sprachliche Eintagsfliegen haben im Duden keinen Platz.

In allen Fällen, in denen für ein Wort mehrere Schreibweisen zulässig sind, führt der neue Duden – wie schon seine Vorgängerauflage – alle zulässigen Varianten auf und empfiehlt eine davon. Haben sich die gelb unterlegten Dudenempfehlungen seit ihrer Einführung bewährt?

Eindeutig ja. Dass der Duden Schreibempfehlungen gibt, ist nicht nur von professionell Schreibenden, von Lehrerinnen und Lehrern und vielen anderen positiv gewürdigt worden. Sogar aus den Reihen der Kultusminister wurden sie ausdrücklich begrüßt.

Wie viele Anglizismen wurden neu aufgenommen?

Der Gesamtanteil der Fremdwörter aus dem Englischen liegt in der 26. Auflage des Rechtschreibdudens bei ca. 3,7 %. Das ist annähernd derselbe Wert wie schon in der 23. Auflage von 2004. Nach wie vor sind die beiden wichtigsten Gebersprachen Latein (5,6 %) und Griechisch (4,2 %). Gleichauf mit dem Englischen liegt das Französische mit ebenfalls rund 3,7 %. Auch 2015 machen die Fremdwörter insgesamt gegenüber den einheimischen Wörtern nur etwa ein Fünftel (21,3 %) der Gesamtmenge aus.

Welche Wörter wurden aus dieser Auflage gestrichen und warum?

Es wurden nicht viele Wörter gestrichen, da wir eine bewahrende Grundhaltung haben. Ein Wort wie Buschklepper (für einen sich in einem Gebüsch versteckt haltenden Dieb) ist aber nicht mehr gängig und taucht in unseren Quellen kaum noch auf. Ebenso gestrichen wurden unter anderem adremieren, beziehentlich, Schnatz oder Telekrat. In „Duden online“ bleiben diese Wörter dagegen erhalten – dort gibt es kein Platzproblem – und werden als „veraltet“ gekennzeichnet.

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