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Duden-Newsletter vom 30.10.09

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Duden-Newsletter vom 30.10.09

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der Konjunktion weil scheint in letzter Zeit manch einer ein wenig auf dem Kriegsfuß zu stehen. Mehr dazu im ersten Teil des heutigen Newsletters!

Was bei der Kommasetzung zu beachten ist, wenn die den Nebensatz einleitende Konjunktion durch weitere Wörter ergänzt wird, zeigen wir Ihnen in der zweiten Rubrik.

Und schließlich haben wir - unter anderem - für Sie nachgeschlagen, was es mit dem berühmten Kriegsfuß auf sich hat.


Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung


Was Sie schon immer wissen wollten

Satzbau nach weil

Ich kann morgen nicht zum Stammtisch kommen, weil mein Schwager feiert Geburtstag. Sie hat das Buch umgetauscht, weil sie hatte es schon. Derartige Satzkonstruktionen hört und liest man in der Umgangssprache in letzter Zeit immer häufiger. Bei der Konjunktion weil handelt es sich um eine unterordnende Konjunktion, mit der Nebensätze eingeleitet werden. Wie bei allen Bindewörtern dieser Art steht also standardsprachlich das Verb grundsätzlich am Ende: Ich werde heute Abend sehr früh schlafen gehen, weil ich morgen einen anstrengenden Tag vor mir habe. In der gesprochenen Sprache wird weil oft wie eine nebenordnende Konjunktion gebraucht, der Satzbau folgt dem Hauptsatzschema Subjekt - Prädikat - Objekt. Standardsprachlich gelten diese Satzkonstruktionen allerdings als nicht korrekt, also nicht: Sie hat das Buch umgetauscht, weil sie hatte es schon, sondern: Sie hat das Buch umgetauscht, weil sie es schon hatte.

Hätten Sie’s gewusst?

Komma bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen

Besteht die Einleitung eines Nebensatzes aus einer Konjunktion und weiteren Wörtern wie z. B. gerade weil, nicht weil oder sondern dass, dann wird diese Wortgruppe in der Regel nicht durch Komma geteilt; solche Fügungen werden im Allgemeinen als zusammengehörige Einheit betrachtet:
Ich ziehe wieder nach München, erstens weil es meine Traumstadt ist und bleibt und zweitens weil ich wieder in der Nähe meiner Familie sein will. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber weil ich mal wieder krank war, klappte es nicht. Nicht was du anziehst, ist entscheidend, sondern dass du freundlich und offen bist.

Allerdings darf zwischen den einzelnen Bestandteilen solcher Wortgruppen ein Komma gesetzt werden, wenn der erste Teil sehr stark betont werden soll und vor der eigentlichen Konjunktion eine Sprechpause gemacht wird - die Frage, ob Komma oder nicht, liegt also letztendlich im Ermessen des Schreibenden. Wir haben morgen ideales Grillwetter, immer vorausgesetzt(,) dass der Wetterbericht stimmt. Ein Passant hatte bereits Risse in den Pfeilern der Brücke bemerkt, zehn Tage(,) bevor sie zusammenbrach. Ich würde vorschlagen, wir erfüllen ihr diese Bitte, vor allem(,) weil sie sich immer hilfsbereit gezeigt hat.

Bei mehr als zwei Einleitewörtern vor der Konjunktion sollte man jedoch ein Komma setzen, dann wird die Fügung meist nicht mehr als Einheit empfunden, z. B. es sei denn, dass, gesetzt den Fall / für den Fall, dass.

Für Sie nachgeschlagen

Mit jemandem (oder: etwas) auf dem Kriegsfuß stehen (oder: leben)

Das Wort „Kriegsfuߔ geht auf den gleichbedeutenden französischen Ausdruck sur le pied de guerre zurück und ist nur in der umgangssprachlich-scherzhaften Wendung „mit jemandem (oder: etwas) auf dem Kriegsfuß stehen” gebräuchlich. Auf Personen bezogen bedeutet die Wendung, dass man mit jemandem [über längere Zeit] Streit hat: Mit den Kindern aus dem Nachbardorf lebten wir damals noch auf dem Kriegsfuß. […]
„Mit etwas auf dem Kriegsfuß stehen” bedeutet „eine bestimmte Fertigkeit nur unzureichend beherrschen”: Mit der Rechtschreibung stehen viele auf dem Kriegsfuß.

Das Kriegsbeil ausgraben (oder: begraben)

Die Wendungen sind umgangssprachlich-scherzhaft gebräuchlich im Sinne von „einen Streit beginnen bzw. beenden”: Wegen so einer lächerlichen Kleinigkeit werdet ihr doch nicht das Kriegsbeil ausgraben. […]
Die Wendungen beziehen sich darauf, dass bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen die Streitaxt als Symbol des Krieges gilt. Solange Frieden herrscht, bleibt die Streitaxt in der Erde vergraben, wird sie ausgegraben, so bedeutet das Krieg. Durch J. F. Coopers „Lederstrumpf”-Erzählung wurde dieser Brauch in Europa bekannt.

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