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Duden-Newsletter (03.11.06)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dabeisein ist alles. Oder doch nicht? Ist es nicht vielmehr „dabei sein”? Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, wie es mit der Getrennt- oder Zusammenschreibung von Verbindungen mit sein steht, werden Sie in unserer ersten Rubrik fündig.

Lieber nicht dabei sein möchte man wohl bei nervenzerrenden Konferenzen. Muss man vielleicht auch nicht - zum Beispiel dann nicht, wenn es solche grundsätzlich gar nicht gibt. Denn spricht man nicht eher von „nervenzehrend”? Hätten Sie’s gewusst?

Gute Nerven müssen am 11.11. um 11:11 Uhr auch wieder die rheinischen Stadtoberhäupter beweisen, wenn die Weiber symbolisch die Regentschaft übernehmen und damit die Karnevalssaison einläuten. Manche(r) soll in dieser Zeit ja der Klarheit des Verstandes verlustig gehen. Kein Wunder: Schon die Herkunft des Wortes Karneval ist letztlich unklar, wie wir für Sie nachgeschlagen haben.

Übrigens: Der Duden-Newsletter hat die magische Zahl von 100 000 Abonnenten geknackt - lesen Sie dazu auch unsere aktuelle Pressemeldung. Wir danken Ihnen daher an dieser Stelle nochmal ganz herzlich für das große Interesse, das Sie unserem Newsletter nach wie vor entgegenbringen, und hoffen, dass Ihnen auch diese Ausgabe wieder gefallen wird!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Verbindungen mit „sein”

Im Grunde ist die Regelung ganz einfach und zudem auch noch eindeutig: Verbindungen mit sein werden getrennt geschrieben: „Euer Charlottchen soll ja scharf hinterher sein, dass ihr niemand den Dramaturgenposten vor der Nase wegschnappt. Und wer ist wieder nicht da gewesen ...?”

Zweifel über die Schreibung kommen jedoch auf, wenn nicht klar ist, ob die Verbindungen als Substantivierungen aufzufassen sind oder nicht. Als Substantivierungen wären sie nämlich groß- und zusammenzuschreiben. Zuweilen gibt die Umgebung der Fügung aber gerade keinerlei Indiz dafür her, ob es sich um Substantivierungen handelt oder nicht. Also sind jeweils beide Schreibungen möglich: „Dabeisein ist alles” oder „dabei sein ist alles”.
Dagegen wäre bei „Ständig dabei sein ist alles” nur getrennt zu schreiben, bei „Ständiges Dabeisein ist alles” nur groß und zusammen. Denn das endungslose, adverbial verwendete „ständig” weist „dabei sein” als Verb aus, während die gebeugte Form „ständiges” wiederum „Dabeisein” als Substantivierung entlarvt.

Des seligen Shakespeares „to be or not to be” wird in den deutschen Übersetzungen interessanterweise in der Regel als Substantivierung wiedergegeben („Sein oder Nichtsein”), ließe sich aber auch mit „sein oder nicht sein” wiedergeben.

Und noch etwas: Außer auf „noch nie da gewesene Einsichten” darf man auch auf „noch nie dagewesene Einsichten” hoffen. Denn bei attributiven Fügungen aus Adverb und Partizip kann sowohl getrennt als auch zusammengeschrieben werden. Das gilt auch für entsprechende Substantivierungen, z. B. „noch nie da Gewesenes/Dagewesenes”.

Hätten Sie's gewusst?

Zusammensetzungen aus „Nerv” und Partizip I

Um nicht „nervtötend” lange auszuholen, sei gleich verraten: Sowohl „nervenzehrend” als auch „nervenzerrend” kann man in Analogie zu „nervenaufpeitschend”, „nervenaufreibend”, „nervenleidend”, „nervenzerreißend” u. a. bilden. Beide Wortbildungen können durchaus sinnvolle Verwendungen haben. Denn zum einen könnte die Wendung „an den Nerven zehren” zugrunde liegen: „Die ständigen Aufregungen zehrten an seinen Nerven”, zum anderen die Wendung „an den Nerven zerren”: „Der Lärm zerrt an meinen Nerven”.

Für Sie nachgeschlagen

Karneval

Die seit dem 17. Jh. bezeugte Bezeichnung der Fastnacht und des während der Fastnachtszeit üblichen närrischen Treibens stammt wie gleichbed. frz. carnaval aus it. carnevale. Dessen genaue Herkunft ist bis heute ungeklärt. Am ehesten handelt es sich um eine volksetymologische Umdeutung von mittellateinisch carnelevale „Fleischwegnahme” (während der Fastenzeit) oder von lat. carrusnavalis „Schiffskarren” (wie er bei festlichen Umzügen zur Wiedereröffnung der Schifffahrt im Frühjahr begegnete), und zwar nach (lat.) carnevale „Fleisch, lebe wohl!”.

Aus: Duden - Das Herkunftswörterbuch , Mannheim 2006.

Freitag, 3 November, 2006
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