Vorvergangenheit in der in­direkten Rede

Gelegentlich – zum Beispiel, wenn man ein Protokoll verfasst – verwendet man statt der direkten Rede gern die indirekte. Dabei macht es regelmäßig Probleme, Vorvergangenheit von der direkten in die indirekte Rede umzuformulieren. Was daran problematisch ist, erklären wir hier.

In der indirekten Rede ist das Figuren-Jetzt, also der Sprechzeitpunkt der wiedergegebenen Rede, der Bezugspunkt für die Tempora (Zeitformen). Es können verschiedene Zeitenfolgen zwischen indirekter Rede und Figuren-Jetzt ausgedrückt werden, und zwar
  • Gleichzeitigkeit (in der Regel mit dem Konjunktiv I im Präsens): Der Biathlet erklärte, er überhole gerade den Norweger.
  • Vorzeitigkeit (in der Regel mit dem Konjunktiv I im Perfekt): Der Biathlet erklärte, er habe den Norweger soeben überholt.
  • Nachzeitigkeit (in der Regel mit dem Konjunktiv I im Futur I): Der Biathlet erklärte, er werde den Norweger sogleich überholen.
Auch innerhalb der indirekten Rede kann man verschiedene Zeitenfolgen ausdrücken, so zum Beispiel
  • Vorzeitigkeit: Während des Laufes keuchte der Biathlet ins Mikrofon, soeben überhole er den Norweger, nachdem er ihn erreicht habe. Oder sogar auch: Der Biathlet erklärte, er werde den Norweger sogleich überholen, nachdem er ihn erreicht haben werde.

Allerdings fehlt in der Standardsprache eine Vorvergangenheit für die konjunktivische indirekte Rede (das heißt, es fehlt die Möglichkeit, innerhalb der konjunktivischen indirekten Rede eine Vorzeitigkeit für das Perfekt auszudrücken): Der Biathlet erklärte, er habe den Norweger sogleich überholt, nachdem er ihn erreicht [...]. 

Man könnte hier ein zweites Perfekt einsetzen und die Vorzeitigkeit anderweitig, zum Beispiel durch ein Adverb, klären, etwa: Der Biathlet erklärte, er habe den Norweger sogleich überholt, nachdem er ihn zuvor erreicht habe. Deutlicher dürfte es aber sein, ganz umzuformulieren, zum Beispiel: Der Biathlet erklärte, er habe den Norweger schließlich doch noch erreicht und dann sogleich überholt.

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