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Plurale mit und ohne Umlaut

Auch der Plural hat so seine Tücken. Es gibt immer wieder Fälle, in denen wir im Zweifel sind, ob die Mehrzahl mit oder ohne Umlaut daherkommt. Heißt es ein Zug mit zwanzig Wagen oder mit zwanzig Wägen? Solche Zweifel sind nicht verwunderlich, kennen doch einige Substantive zwei unterschiedliche Pluralformen. Im süddeutschen und österreichischen Sprachraum hat ein Zug vorzugsweise mehrere Wägen, ansonsten allerdings mehrere Wagen. Im südlichen deutschen Sprachgebiet sind auch die Plurale die Bögen, die Erlässe, die Krägen anzutreffen; im übrigen Sprachgebiet sind hingegen die Pluralformen Bogen, Erlasse und Kragen üblich.
Eine Reihe von Substantiven mit gleichlautenden Singularformen, die aber unterschiedliche Bedeutungen haben, bilden den Plural in der einen Bedeutung mit, in der anderen ohne Umlaut. Beispielsweise gibt es einerseits die Bünde als Plural zu der Bund mit der Bedeutung „enge Verbindung gleich gesinnter Personen, organisierter Zusammenschluss, Bündnis“ oder „Bindestück, besonders oberer, fester Rand an Röcken und Hosen“.
Auf der anderen Seite steht die Pluralform die Bunde zu das Bund als Bezeichnung für „etwas, was zu einem Bündel zusammengebunden ist“, z. B. zwei Bunde Radieschen.
Auch beim Wasser gibt es eine solche Unterscheidung: Im Sinne von „Wassermassen, Fluten, Gewässer“ heißt die Pluralform die Wasser. So sagen wir auch im übertragenen Sinn: mit allen Wassern gewaschen sein. Die umgelautete Pluralform die Wässer wird dagegen verwendet, wenn es sich um Wassersorten handelt. Das gilt für präparierte, für den Menschen bestimmte Flüssigkeiten (wohlriechende, duftende Wässer) ebenso wie für weniger wohlriechende Abwässer.