Nebensätze mit „wie“

Wenn man gar nicht bemerkt, wie der Oberarzt seinen Patienten wie einen bzw. ein Klippschüler behandelt, ist einem nicht nur ein sozialpsychologisches Phänomen entgangen, sondern auch ein sprachliches.

Das Wörtchen wie tritt nicht nur als nebenordnendes Bindewort auf, sondern auch als unterordnendes, das einen Nebensatz einleitet, als Subjunktion. Gelegentlich wird die Subjunktion wie verwendet, wo sie durchaus nicht angebracht ist, zum Beispiel, wenn nach Verben des Erkennens, Bemerkens usw. und des Mitteilens nur ein schlichter Sachverhalt dargestellt wird. Daher also nicht: Das Kaninchen muss maßlos enttäuscht erkennen, *wie aller Löwenzahn schon weggefressen ist. Ich bemerkte gar nicht, *wie der Oberarzt seinen Patienten wie einen bzw. ein Klippschüler behandelte.

Sondern: Das Kaninchen muss maßlos enttäuscht erkennen, dass aller Löwenzahn schon weggefressen ist. Ich bemerkte gar nicht, dass der Oberarzt seinen Patienten wie einen bzw. ein Klippschüler behandelte.

Steht aber nicht der Sachverhalt im Vordergrund, sondern die Art und Weise des Handelns oder Geschehens, ist die Verwendung von wie korrekt: Ich beobachtete, wie der Oberarzt seinen Patienten behandelte.

In vielen Fällen, wie auch im gerade erwähnten, kann man sowohl wie als auch dass verwenden – allerdings nicht mit dem gleichen Sinn. Ersetzte man im letzten Beispiel wie durch dass, zöge man die Aufmerksamkeit von der Art und Weise des Handelns oder Geschehens ab und konstatierte nur noch den bloßen Sachverhalt: Ich beobachtete, dass der Oberarzt seinen Patienten behandelte.

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