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Modalverben und wissen

Sie gehören zu den ersten Wörtern, die ein Kind beherrscht (Will nicht!, Kann alleine!), und wir verwenden sie täglich, ohne uns darüber Gedanken zu machen – die Modalverben. Dabei haben sie es faustdick hinter den Ohren und können mit einigen Besonderheiten aufwarten. Zu den Modalverben rechnet man können, müssen, dürfen, sollen, mögen und wollen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Satzaussagen modifizieren, indem sie eine Erlaubnis, ein Verbot o. Ä. ins Spiel bringen.

Die gebeugten Formen der Modalverben weisen jedoch, genau wie auch das Verb wissen, eine wichtige Besonderheit auf, nämlich die fehlende Endung in den Formen ich weiß, sie kann, er mag usw. Dies ist auch für eine andere Gruppe von Formen charakteristisch, nämlich für starke Verben im Präteritum (ich kam, ich schlief, ich fuhr). Und hier haben wir auch schon die Verbindung: Ursprünglich waren die Modalverben und wissen starke Verben, deren Vergangenheitsformen jedoch etwas Gegenwärtiges ausdrückten und folglich auch wie Präsensformen verwendet wurden.

Am besten lässt sich diese Entwicklung bei wissen nachvollziehen, das mit lateinisch videre (= sehen) verwandt ist. Wenn ich etwas früher gesehen habe, dann weiß ich es jetzt.
Aus der Vergangenheitsform (ich habe gesehen) entsteht eine neue Bedeutung im Präsens (ich weiß). Entsprechend: Wenn ich etwas gelernt habe, dann kann ich es.
Ursprünglich handelt es sich also z. B. bei ich kann um eine Vergangenheitsform – deshalb fehlt, wie bei anderen starken Verben, die Endung.