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Modalverben und ihre Bedeutung

Modalverben gehören zu den ersten Wörtern, die kleine Kinder lernen (Will nicht! Kann alleine!). Diese Wörter verändern die Modalität eines Satzes. Das heißt, sie spiegeln den Redehintergrund der Sprechenden wider. Mit einem Modalsatz trifft man nicht unmittelbar eine Aussage über einen realen Sachverhalt, sondern vielmehr darüber, ob dieser Sachverhalt möglich, notwendig oder erwünscht ist. Nicht zu verwechseln ist die Modalität mit der grammatischen Kategorie des Modus.
Zu den Modalverben zählen die folgenden Wörter:
  • dürfen
  • können
  • mögen
  • müssen
  • sollen
  • wollen
  • brauchen
Je nach Verwendung drücken Modalverben ein Verbot oder Gebot, einen Zwang, eine Weigerung oder Erlaubnis aus. Auch unterscheiden sie Mögliches von Unmöglichem oder kennzeichnen Schlussfolgerungen, Vermutungen etc. Schließlich dienen Modalverben auch der Formulierung von Wünschen, Gefallen oder Unlust. Ihre modale Stärke kann also variieren.
Bei den Modalverben handelt es sich um eine besondere Klasse von Verben, die infinite Formen anderer Verben fordern. Zu diesen infiniten Formen zählen sowohl der Infinitiv im engeren Sinn als auch Partizipien. Zum Beispiel:
  • Du sollst (Modalverb) nicht stehlen (Infinitiv).
  • Ich möchte (Modalverb) nicht gestört (Partizip II) werden.
Die Modalverben sind nicht zu verwechseln mit den Hilfsverben haben, sein und werden, die ebenfalls infinite Verbformen fordern. Hilfsverben dienen allein der Passivierung und der Bildung zusammengesetzter Zeitformen. Die Begriffe „modales Hilfsverb“ oder sogar „Hilfsverb des Modus“ sind daher zu vermeiden. Außerdem unterscheiden sich die Modalverben von den Kopulaverben, die ein Subjekt mit einem Prädikativ verbinden.

Modalverben im Deutschen

Modalverben gibt es nicht nur in der deutschen Sprache. Wie die englischen oder französischen sind aber auch die deutschen Modalverben grammatisch auffällig. Zum Beispiel bilden sie im Gegensatz zu vielen anderen Verben keine Imperative (Befehlsformen).
Einfache Modalsätze werden in der Regel mit einem Modalverb und dem Infinitiv eines Vollverbs gebildet. Dabei wird das Modalverb selbst konjugiert und das infinite Vollverb steht am Ende des Satzes. Zum Beispiel:
  • Das Mädchen darf heute ins Kino gehen. (Sie hat die Erlaubnis dazu.)
  • Im Zug darf man nicht laut telefonieren. (Es ist verboten).
  • Wir müssen heute einkaufen gehen. (Es ist notwendig.)
  • Du kannst mich jederzeit besuchen. (Es ist möglich bzw. ich wünsche es mir.)
  • Sie wollen mit uns zusammenarbeiten. (Sie wünschen es sich.)
  • Ihr sollt das Wohnzimmer aufräumen! (Ich fordere es von euch.)
Das Wort brauchen im Sinne von „nicht müssen“ bildet eine Ausnahme. Es zählt in funktionaler Sicht zwar zu den Modalverben, fordert jedoch in der Standardsprache einen Infinitiv mit zu. Zum Beispiel:
  • Du brauchst nicht einzukaufen. (Es ist nicht notwendig.)
Ergibt sich der Sinn des Satzes aus dem Kontext, wird das Vollverb in der gesprochenen Sprache manchmal ausgelassen. Dabei übernimmt das Modalverb die Rolle des Vollverbs. Zum Beispiel:
  • Kannst du Englisch (sprechen)? (Beherrschst du die Sprache?)

Passiv mit Modalverben

Einen Passivsatz mit Modalverb zu bilden, klingt zunächst schwierig. Tatsächlich bilden wir solche Sätze aber täglich – etwa dann, wenn mit dem Handelnden eines Satzes etwas geschehen kann, soll oder muss, ohne dass dieser Handelnde darauf Einfluss nehmen kann. Das Vollverb wird dabei ins Partizip II gesetzt. Zum Beispiel:
  • Das Auto muss repariert werden. (Präsens)
  • Das Auto musste repariert werden. (Präteritum)
  • Das Auto hat repariert werden müssen. (Perfekt)
  • Das Auto hatte repariert werden müssen. (Plusquamperfekt)
  • Das Auto wird repariert werden müssen. (Futur I)
  • *Das Auto wird repariert worden sein müssen. (Futur II)
Wie die Beispiele zeigen, lassen sich Passivsätze mit Modalverben in allen sechs Tempora des Deutschen bilden. Zusammengesetzte Zeiten werden dabei mit den Hilfsverben haben und werden gebildet. Das Sternchen vor dem letzten Beispiel zeigt an, dass die Konstruktion mit Futur II zwar grammatisch korrekt ist, aber von Muttersprachlern eigentlich nie verwendet wird.
Modalverben werden übrigens auch in den Konjunktiv gesetzt. Auch dann beschreiben sie mögliche und unmögliche Sachverhalte, erwünschte und unerwünschte etc. Zum Beispiel:
  • Er sagte, er habe das Auto schon gestern reparieren wollen. (Er hat es aber nicht getan.)
  • Das Auto hätte gestern repariert werden sollen. (Wurde es aber nicht.)
  • Eigentlich könnte das Auto morgen repariert werden. (Oder spricht etwas dagegen?)

Modalverben im Detail

Modalverben haben viele weitere Besonderheiten, und es gibt zahlreiche grammatische Ausnahmen. Mehr über die Konjugation, Bedeutung und den Gebrauch dieser Verben lesen Sie in Die Grammatik (Band 4 der Duden-Standardreihe). Darin erfahren Sie auch, was eine epistemische Verwendung von Modalverben bedeutet, was sie zu präteritopräsentischen Verben macht und was sie von den Modalitätsverben haben und sein unterscheidet.