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Intonation des Deutschen

1 Einleitung

141

Die Intonationskonturen des Deutschen lassen sich in einfache und modifizierte Konturen unterteilen. Modifizierte Konturen weisen gegenüber den einfachen Konturen zusätzliche Formmerkmale auf, die mit zusätzlichen Bedeutungsmerkmalen verbunden sind. Modifizierte Konturen unterscheiden sich somit von den einfachen Konturen durch eine größere Komplexität ihrer Form und Bedeutung. Die tonalen Elemente, aus denen die einfachen Konturen aufgebaut sind, werden im Folgenden im Rahmen einer Basisgrammatik beschrieben, ihre Modifikationen im Rahmen einer erweiterten Grammatik.

2 Basisgrammatik der Intonation

2.1 Tonzuweisung

142

Die Domäne für die Tonzuweisung im Deutschen ist die Intonationsphrase (? 128). Hierbei fungieren Silben als tontragende Einheiten. Akzenttöne werden den Akzentsilben innerhalb einer Intonationsphrase zugewiesen, Grenztöne den Grenzen dieser Intonationsphrase.

2.2 Tonhöhenakzente und Grenztöne

143

Für das Deutsche wird ein Kerninventar von vier Tonhöhenakzenten angenommen:

Alle vier Tonhöhenakzente treten in nuklearer und in pränuklearer Position auf (? 129). Neben diesen Tonhöhenakzenten weist das Deutsche zwei Grenztöne auf, L? und H?. Beide Grenztöne können sowohl am Ende als auch am Anfang einer Intonationsphrase auftreten.

2.3 Phonologische und phonetische Regeln

144

Für das Deutsche gelten folgende Regeln:

Ausbreitungsregel: Folgen zwei Töne aufeinander, die nicht an die gleiche oder zwei unmittelbar benachbarte tontragende Einheiten gebunden sind, so legt der erste Ton einen zusätzlichen Zielpunkt vor dem zweiten Ton fest.

Die folgenden Beispiele illustrieren die Anwendung der Ausbreitungsregel auf Begleittöne (a) und initiale Grenztöne (b) (»s« bezeichnet Silben):

Für die Töne pränuklearer Tonhöhenakzente ist die Anwendung der Ausbreitungsregel fakultativ.

145

Die Ausbreitungsregel wird durch folgende phonetische Realisierungsregel ergänzt:

Dissimilierungsregel: Folgen zwei hohe oder tiefe Töne aufeinander, werden ihre phonetischen Zielpunkte unterschiedlich hoch realisiert: Sind beide Zielpunkte hoch, wird der Zielpunkt des zweiten Tones zusätzlich angehoben; sind beide tief, wird dieser Zielpunkt zusätzlich abgesenkt.

In den folgenden Beispielen kommt zunächst die Ausbreitungsregel und dann die Dissimilierungsregel zur Anwendung. Die Dissimilierungsregel führt in (a) zur Hochstufung des Zielpunkts von H?, in (b) zur Herabstufung des Zielpunkts von L?.

2.4 Einfache Konturen

146

Für das Deutsche wird ein Kerninventar von fünf nuklearen Konturen (? 129) angenommen. Die Konturen beruhen auf der Kombination der vier erwähnten Tonhöhenakzente H*L, H*, L*H und L* mit den finalen Grenztönen L? und H?. Je nachdem, ob die nukleare Silbe in größerem oder geringerem Abstand zum Ende der Intonationsphrase auftritt (nichtfinal oder final), werden die Konturen unterschiedlich realisiert. Die folgende Übersicht stellt beide Realisierungsformen einander gegenüber:

nukleare Silbe in nicht finaler Position nukleare Silbe in finaler Position
fallende Kontur

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fallend- steigende Kontur

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hoch- steigende Kontur

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zweifach steigende Kontur

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tief- steigende Kontur

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147

Die abweichende Realisierung der Konturen bei finaler Position der Akzentsilbe (rechte Spalte) beruht darauf, dass für die Realisierung der Töne nur eine Silbe zur Verfügung steht und diese überdies nur einen kurzen stimmhaften Abschnitt aufweist. Dies kann zur Trunkierung (? 135) des Tonhöhenverlaufs führen ? wie bei der fallenden Kontur ? oder zur Wahl einer anderen Konturvariante wie bei der fallendsteigenden Kontur (Variante H*H?, wobei H? nach H* erhöht realisiert wird; ? 145).
Die vollständige Realisierung der fallend-steigenden Bewegung (Variante H*LH?) ist unter anderem in Hamburg anzutreffen (Gilles 2001) und kann als regional markiert gelten.

148

Die vier Tonhöhenakzente H*L, H*, L*H und L* treten auch in pränuklearer Position (? 129) auf. Die folgenden Beispiele demonstrieren dies anhand pränuklearer Erweiterungen der fallenden Kontur (die pränuklearen Akzente sind durch Fettdruck hervorgehoben):

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2.5 Bedeutungsmerkmale

149

Die Tonhöhenakzente H*L, H*, L*H und L* sowie die Grenztöne L? und H? sind im Deutschen Träger abstrakter Bedeutungsmerkmale. Die Wahl des Akzenttons (H*, L*) ist relevant für die Beziehung zwischen der Information, die die akzentuierte Einheit liefert, und dem (aus der Sicht des Sprechers) geteilten Wissen zwischen Sprecher und Hörer. H* signalisiert im Unterschied zu L*, dass die gelieferte Information zum geteilten Wissen von Sprecher und Hörer hinzugefügt werden soll und somit als Ressource für das weitere Gespräch zur Verfügung steht (Pierrehumbert & Hirschberg 1990). Die Präsenz eines Begleittons (H oder L) signalisiert die Abgeschlossenheit der Information, die mit der akzentuierten Einheit vermittelt wird. Das Fehlen des Begleittons signalisiert ihre Unabgeschlossenheit. Dabei richtet sich die Tonqualität des Begleittons jeweils nach der Tonqualität des Akzenttons: Auf H* folgt L, und auf L* folgt H. Die folgende Abbildung fasst diese Merkmalbeschreibung zusammen (vgl. Peters 2006):

150

Die Wahl des finalen Grenztons (H?, L?) ist relevant für den Status der Information, die mit einer Intonationsphrase vermittelt wird. Ein hoher finaler Grenzton signalisiert, dass die Intonationsphrase unter Bezug auf etwas, was noch folgt, zu interpretieren ist. Im Unterschied dazu signalisiert ein tiefer finaler Grenzton ihre potenzielle Abgeschlossenheit (zu initialen Grenztönen ? 195).

151

In den folgenden Abschnitten wird angedeutet, wie diese abstrakten Bedeutungsmerkmale im Zusammenspiel mit weiterer Information, die durch die sprachliche Form der Äußerungen und ihre Einbettung ins Gespräch geliefert wird, zu unterschiedlichen Interpretationen führen können. Auch wenn bei Aussagen und Fragen die gleichen Konturen verwendet werden können, erscheint es sinnvoll, den Einfluss der Konturwahl auf die Äußerungsinterpretation für Aussagen und Fragen getrennt zu betrachten. Ferner ist zu beachten, dass mit den abstrakten Bedeutungsmerkmalen nur die sprachlichen Bedeutungen der Intonation erfasst werden. Nichtsprachliche und parasprachliche Bedeutungen der Intonation müssen an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben.

3 Intonation von Aussagen

3.1 Aussagen mit fallendem Akzent

152

Der fallende Akzent (H*L) tritt nuklear bei der fallenden und bei der fallend-steigenden Kontur auf (? 146). Pränuklear tritt er in Kombination mit allen anderen Akzenten auf. Fallende Akzente signalisieren zweierlei: Die Information, die durch die akzentuierte Einheit vermittelt wird, ist dem gemeinsamen Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen, und diese Information wird als abgeschlossen präsentiert (? 149).

153

Die Neuheit der Information ist dafür verantwortlich, dass ein fallender Akzent gewöhnlich nicht auf der thematischen Konstituente einer Äußerung auftritt (zur Thema-Rhema-Gliederung ? 1858-1888). Im folgenden Beispiel bildet sie ist das Thema, zu Hause das Rhema:

Wo ist Maria?

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Die Wahl der Kontur in (b) würde allerdings akzeptabler, wenn der Kontext eine rhematische Interpretation von sie zuließe, etwa im Sinne von ?Was Maria betrifft, sie ist zu Hause, aber das gilt nicht für ihre Schwester?.

154

Wegen der informatorischen Abgeschlossenheit kann der fallende Akzent als Mittel zur Stückelung der gelieferten Information verwendet werden.

Beim Durchblättern eines Fotoalbums:
Wer ist das denn?

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Im vorangegangenen Beispiel unterscheidet sich (a) von (b) darin, dass die vermittelte Information in zwei Portionen statt in einer geliefert wird. Beide Konturen erscheinen hier gleichermaßen akzeptabel. Dies ändert sich jedoch, wenn die beiden Konturen mit einer syntaktischen Konstruktion kombiniert werden, die eine Stückelung der Information nahelegt (? 1386, 1409, 2027):

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Alternativ kann die Äußerung in (a) auch auf zwei Intonationsphrasen verteilt werden:

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155

Pränukleare Konstituenten erhalten auch dann bevorzugt einen fallenden Akzent, wenn auf die Information, die sie vermitteln, später separat Bezug genommen wird:

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(b) erscheint weniger akzeptabel als (a), weil die intonatorische Gestaltung in (b) nahelegt, dass die beiden Aussagen nur global einander gegenübergestellt werden. Auf der lexikalischen Ebene hingegen werden sowohl Maria und ihr Bruder als auch Rosen und Wein gegenübergestellt.

156

Pränukleare Konstituenten erhalten häufig auch dann einen fallenden Akzent, wenn in einer Aussage mehrere Informationen geliefert werden, von denen jede für sich kommunikative Relevanz besitzt:

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Die kommunikative Relevanz der pränuklearen Konstituenten, die einen fallenden Akzent tragen, besteht hier darin, dass mit jeder von ihnen eine Auswahl aus mehreren Möglichkeiten getroffen wird, die sich beim Käsekauf ergeben.

157

Die Signalisierung informatorischer Abgeschlossenheit durch den fallenden Akzent erklärt auch, warum die Vergabe von mehr als einem fallenden Akzent an eine Konstituente problematisch sein kann, wenn diese nicht mehr in einzelne Informationseinheiten zergliedert werden kann. Im folgenden Beispiel ist Anastasia eine solche Konstituente. Eine Realisierung mit zweifacher Akzentuierung wie in (b) ist allenfalls bei erhöhter Emphase zu erwarten.

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158

Fallend-steigende Konturen unterscheiden sich von fallenden Konturen nur durch einen finalen Anstieg, der auf den hohen finalen Grenzton Hi zurückgeht. Der finale Anstieg signalisiert, dass die Intonationsphrase unter Bezug auf etwas, was noch folgt, zu interpretieren ist (? 150). Bei Aussagen kann die fallend-steigende Kontur aufgrund dieses Merkmals anzeigen, dass der Gesprächsbeitrag (? 2039) noch nicht beendet ist. Deshalb erscheint die fallend-steigende Kontur bei Aussagen am Ende eines Gesprächs oder eines größeren thematischen Abschnitts in der Regel wenig akzeptabel:

Abschluss eines Interviews:

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Typisch ist die Verwendung der fallend-steigenden Kontur hingegen bei nichtfinalen Gliedern komplexer Sätze, wenn diese auf mehr als eine Intonationsphrase verteilt werden:

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159

Eine zweite, möglicherweise regional beschränkte Funktion der fallend-steigenden Kontur ist die Signalisierung einer implizit einschränkenden Lesart (im folgenden Beispiel wäre hinzuzudenken ?... aber nicht in ihrer Wohnung?):

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In diesem Fall signalisiert der finale Anstieg, dass mehr gemeint ist, als gesagt wird. Dieses Mehr besteht in einer Einschränkung der gemachten Aussage. Worin diese Einschränkung besteht, wird nicht explizit gesagt, ist aber meist aus dem Kontext erschließbar.

160

Ob die fallend-steigende Kontur eine implizit einschränkende Lesart signalisiert oder ob sie anzeigt, dass der Gesprächsbeitrag fortgeführt werden soll, hängt von der Äußerung selbst und ihrer Einbettung in den Kontext ab. Eine implizit einschränkende Lesart kann aber auch ausgeschlossen werden, etwa durch den Gebrauch der Partikel zwar:

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(b) erscheint ohne eine Fortsetzung kaum akzeptabel, da diese durch zwar angekündigt wird. Eine implizit einschränkende Lesart ist ferner bei Äußerungen ausgeschlossen, die keinen propositionalen Gehalt aufweisen, etwa bei Anreden:

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In diesem Fall kann eine fallend-steigende Kontur auf Maria nur signalisieren, dass der Gesprächsbeitrag fortgeführt werden soll.

3.2 Aussagen mit Hochakzent

161

Der Hochakzent (H*) tritt als nuklearer Akzent bei der hoch-steigenden Kontur auf (? 146). Pränuklear tritt er in Kombination mit allen anderen Akzenten auf. Der Hochakzent signalisiert wie der fallende Akzent, dass die Information, die durch die akzentuierte Einheit vermittelt wird, dem geteilten Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen ist. Anders als beim fallenden Akzent (H*L) wird diese Information aber nicht als abgeschlossen präsentiert (? 149). Während die Wahl von H*L für aufeinanderfolgende Glieder eine distributive Interpretation nahelegt (jede Einheit wird für sich präsentiert), legt die Wahl von H* eine nichtdistributive Interpretation nahe (mehrere Einheiten werden als Teile eines Ganzen präsentiert). Dies zeigt sich insbesondere bei Aufzählungen:

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(b) erscheint hier weniger akzeptabel als (a), da in (b) die intonatorische Gestaltung weniger gut zum Charakter der Aufzählung passt. In (b) wird mithilfe der fallenden Akzente jedes Aufzählungsglied als eine abgeschlossene Informationseinheit präsentiert, während die Einleitung Sie lebt in drei Städten und die elliptischen Konstruktionen in den drei Aufzählungsgliedern nahelegen, dass die erwähnten Städte nur als Glieder einer Liste von Orten relevant sind.

162

Auch Unterschiede im pränuklearen Gebrauch von H* und H*L lassen sich unter Bezug auf informatorische Abgeschlossenheit erklären. Dies wird besonders bei der Verbindung mit Konjunktionen wie und, oder deutlich:

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In (a) werden die Alternativen Heidelberg und Tübingen auf zwei Informationseinheiten verteilt, mit der Hutkontur (? 148) in (b) werden sie als Teile einer Informationseinheit präsentiert. Dies führt zu unterschiedlicher Akzeptabilität, wenn der Wortlaut der Äußerung selbst eine Stückelung der Information nahelegt:

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(b) erscheint hier weniger akzeptabel als (a), da die Ausklammerung (? 1386) der Konstituente in Tübingen eine distributive Lesart von in Heidelberg oder in Tübingen nahelegt, während die Hutkontur eine nichtdistributive Lesart nahelegt.

163

Schließlich gibt es sprachliche Wendungen, die von vornherein eine nichtdistributive Lesart nahelegen. Hier erscheint die Hutkontur fast immer akzeptabler als eine Kontur mit zwei fallenden Akzenten:

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3.3 Aussagen mit steigendem Akzent

164

Der steigende Akzent (L*H) tritt als nuklearer Akzent bei der zweifach steigenden Kontur auf (? 146). Pränuklear tritt er in Kombination mit allen anderen Akzenten auf. Der steigende Akzent signalisiert im Unterschied zum fallenden Akzent und zum Hochakzent nicht, dass die Information, die durch die akzentuierte Einheit vermittelt wird, zum gemeinsamen Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen ist (? 149). Dies belegt die Verwendung von L*H auf thematischen Konstituenten von Äußerungen (im folgenden Beispiel auf Maria):

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Auch nuklear tritt der steigende Akzent auf thematischen Gliedern auf, wenn diese eine eigene Intonationsphrase bilden. Dies ist bei Phrasen im Vorvorfeld (? 1384) möglich:

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165

Am häufigsten treten nuklear steigende Akzente bei Aussagen und Aufforderungen auf, die im Rahmen komplexer Konstruktionen anderen Aussagen in ihrer kommunikativen Funktion untergeordnet sind:

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Durch die Wahl eines steigenden Akzents in der ersten Intonationsphrase wird signalisiert, dass die Aussage, die sich über zwei Intonationsphrasen erstreckt, nicht unter dem zweifachen Aspekt relevant ist, ob Maria eine Heidelbergerin ist und ob sie in Heidelberg geboren ist, sondern nur unter dem einzigen Aspekt, ob Maria in Heidelberg geboren ist.

166

Steigende Akzente treten auch häufig bei Aussagen auf, die nichtfinale Glieder einer Aufzählung bilden. Wenn diese Aussagen dem letzten Glied der Aufzählung in ihrer kommunikativen Funktion untergeordnet sind, erscheinen sie mit steigenden Akzenten akzeptabler als mit fallenden:

Einweisung beim Einparken:

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3.4 Aussagen mit Tiefakzent

167

Der Tiefakzent (L*) tritt als nuklearer Akzent bei der tief-steigenden Kontur auf (? 146). Pränuklear ist auch dieser Akzent mit allen anderen Akzenten kombinierbar. Der tiefe Akzent signalisiert aufgrund des tiefen Akzenttons ebenso wenig wie der steigende Akzent, dass die Information, die durch die akzentuierte Einheit vermittelt wird, dem gemeinsamen Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen ist. Anders als beim steigenden Akzent wird die vermittelte Information aber wegen des fehlenden Begleittons auch nicht als abgeschlossene Informationseinheit präsentiert (? 149). Der Tiefakzent verhält sich in dieser Hinsicht zum steigenden Akzent wie der Hochakzent zum fallenden Akzent.

168

Die Wahl zwischen dem Tiefakzent und dem steigenden Akzent in nuklearer Position kann Akzeptabilitätsunterschiede mit sich bringen, wenn der Wortlaut der Äußerung eher für oder gegen die Abgeschlossenheit der vermittelten Information spricht:

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Hier erscheint (a) etwas akzeptabler als (b), da die Aussagen in den zwei ersten Intonationsphrasen einander präzisieren und in diesem Sinne informatorisch unabgeschlossen sind.

169

Häufig treten Tiefakzente auch in pränuklearer Position auf. Hier dienen sie meist der Akzentuierung einer thematischen Konstituente innerhalb einer Intonationsphrase:

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Im Unterschied zum steigenden Akzent legt der Tiefakzent hier keine Umschreibung mit ?was Maria betrifft? nahe. Die Wahl des Tiefakzents kann andererseits zu Akzeptabilitätsproblemen führen, wenn der Kontext eine solche Interpretation nahelegt:

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4 Intonation von Fragen

4.1 Fragen mit fallendem Akzent

170

Konturen mit fallendem Akzent lassen sich bei Fragen unter Bezug auf die gleichen Bedeutungsmerkmale beschreiben wie die entsprechenden Konturen bei Aussagen. Die Information, die durch die akzentuierte Einheit vermittelt wird, ist dem gemeinsamen Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen, und diese Information wird als abgeschlossen präsentiert. Daher sind Fragen mit einem nuklear fallenden Akzent primär unter dem Aspekt relevant, zu welchen der Alternativen, die mit der Frage zur Wahl gestellt werden, sich der Adressat bekennt. Anders als bei Fragen mit steigendem Akzent oder Tiefakzent sind daher bei Fragen mit fallendem Akzent in der Regel Antworten ausreichend, die sich auf das direkt Erfragte beschränken. Dabei spielt der syntaktische Fragetyp keine Rolle.

Abb. Sind Sie eine Heidelbergerin? - Ja. Seit wann leben Sie in Heidelberg? - Seit letztem Jahr

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Der Verberstfragesatz (Entscheidungsfrage; ? 1394) in (a) impliziert, dass die Adressatin entweder eine Heidelbergerin ist oder nicht, und als Antwort genügt ein einfaches Ja oder Nein. Der w-Fragesatz (Ergänzungsfrage; ? 1393) in (b) impliziert, dass die Adressatin in Heidelberg lebt; offen ist nur, wie lange sie dies schon tut. Eine einfache Zeitangabe reicht als Antwort aus.

171

Im Unterschied zu Fragen mit einem nuklear steigenden Akzent oder Tiefakzent sind Fragen mit fallendem Akzent weniger gut geeignet, um ein Gespräch einzuleiten. Dies gilt für die fallend-steigende Kontur in gleicher Weise wie für die fallende Kontur.

Abb. Nun erzählen Sie doch mal ein bisschen! Sind Sie eine Heidelbergerin?

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Hier wird durch die Einleitung Nun erzählen Sie doch mal ein bisschen signalisiert, dass die nachfolgende Frage nicht primär unter dem Aspekt relevant ist, zu welchen der möglichen Alternativen sich die Adressatin bekennt (?die Adressatin ist eine Heidelbergerin oder nicht?), sondern als Anknüpfungspunkt für einen längeren Redebeitrag. Am Beginn eines Interviews wären hingegen beide Äußerungen akzeptabel.

172

Das zweite Merkmal des fallenden Akzents, die informatorische Abgeschlossenheit, ist dafür verantwortlich, dass Fragen mit fallendem Akzent als Fragen präsentiert werden, die nicht ergänzungsbedürftig sind. Dies kann zu Akzeptabilitätsproblemen führen, wenn die Frage doch ergänzt wird:

Frage an die werdende Mutter:
Abb. Was wird es? Ein Junge? Oder ein Mädchen?

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Hier legt die Wahl des fallenden Akzents bei der ersten Frage die Lesart ?Wird es ein Junge oder nicht?? nahe. Da es nur ein Junge oder ein Mädchen werden kann, könnte die zweite Frage redundant erscheinen. Dies ist nicht der Fall, wenn die hoch-steigende Kontur gewählt wird wie in (b).

173

Der Unterschied zwischen der fallenden Kontur und der fallend-steigenden Kontur lässt sich bei Fragen in gleicher Weise wie bei Aussagen charakterisieren. Auch bei Fragen signalisiert der finale Anstieg, dass die Intonationsphrase im Hinblick auf etwas, was noch folgt, zu interpretieren ist. Diese Unabgeschlossenheit bezieht sich aber nicht auf den Umstand, dass eine Frage gewöhnlich nach einer Antwort verlangt, denn sonst müsste jede Frage mit einem finalen Anstieg enden. Sie bezieht sich vielmehr auf den Status der Frage innerhalb einer Frageaktivität, die mit der gestellten Frage als abgeschlossen oder unabgeschlossen betrachtet werden kann. Fragen mit finalem Anstieg sind deshalb z.B. weniger geeignet, das Ende eines Gesprächs einzuleiten:

Abb. Frau Meyer, noch eine letzte Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort: Wird es nach der Wahl einen Wechsel geben?

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Wie auch immer die Antwort auf Frage (b) lautet, die Wahl der fallend-steigenden Kontur kann hier zu dem Eindruck führen, dass mit einer Anschlussfrage zu rechnen ist, und dies passt nicht zur Einbettung der Frage in den Kontext.

4.2 Fragen mit Hochakzent

174

Bei Fragen mit einem Hochakzent (H*) wird im Unterschied zu Fragen mit einem fallenden Akzent (H*L) die erfragte Information nicht als abgeschlossen präsentiert. Fragen mit Hochakzent sind daher besser geeignet, um eine Serie von Alternativen zur Wahl zu stellen:

Beim Eisverkäufer
Abb. Was willst du? Schoko? Vanille? Heidelbeere?

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Die Fragen in (b) erscheinen weniger akzeptabel als die Fragen in (a), da die fallenden Akzente in (b) die Lesart nahelegen: ?Willst du Schoko oder nicht? Willst du Vanille oder nicht? Willst du Heidelbeere oder nicht?? Aus der Situation ergibt sich aber, dass die einzelnen Fragen als Glieder einer einzigen Frageaktivität aufzufassen sind, im Sinne von ?Willst du Schoko oder Vanille oder Heidelbeere?? Genau diese Lesart legen die Hochakzente in (a) nahe.

175

Der Unterschied im Gebrauch von Hochakzenten und fallenden Akzenten zeigt sich auch bei Nachfragen. Der Hochakzent ist bei Nachfragen akzeptabler, die auf einem akustischen Verstehensproblem beruhen:

Abb. (undeutlich) Ich bin aus Hei d g - Sie sind aus Heidelberg?

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Der Grund für die größere Akzeptabilität von (a) liegt darin, dass hier nicht wie bei der Frage mit fallendem Akzent in (b) im Vordergrund steht, welche der implizierten Alternativen (?Der Gesprächspartner ist aus Heidelberg oder nicht?) gültig ist, sondern welchen Wortlaut die vorangegangene Äußerung hatte. Fragen mit fallendem Akzent sind eher bei Nachfragen zu erwarten, die auf einem inhaltlichen Verstehensproblem beruhen.

4.3 Fragen mit steigendem Akzent

176

Fragen mit einem steigenden Akzent (L*H) legen im Unterschied zu Fragen mit einem fallenden Akzent eine Antwort nahe, die nicht oder nicht primär unter dem Aspekt relevant ist, was sie zum geteilten Wissen von Sprecher und Hörer beiträgt. Aus diesem Grunde können Antworten, die sich auf das wörtlich Erfragte beschränken, nach Fragen mit einem steigenden Akzent unpassender wirken als nach Fragen mit einem fallenden Akzent oder einem Hochakzent:

Abb. Sind Sie eine Heidelbergerin? - Ja

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Wenn sich nach Fragen mit dem steigenden Akzent die Antwort auf das direkt Erfragte beschränkt, kann dies zu einer Störung des Gesprächsverlaufs führen. Oft wird aus solchen Antworten auf mangelnde Gesprächsbereitschaft des Gegenübers geschlossen.

177

Der Unterschied zwischen Fragen mit steigendem und fallendem Akzent spiegelt sich auch in der thematischen Einbettung dieser Fragen wider. Fallende Akzente treten bevorzugt bei Fragen auf, mit denen an Vorhergehendes angeknüpft wird, indem zusätzliche relevante Aspekte thematisiert oder zuvor erwähnte Aspekte erneut fokussiert werden (Selting 1995). Steigende Akzente treten eher bei Fragen auf, mit denen eine thematische Neuorientierung eingeleitet wird.

Abb. Kommen wir zu etwas anderem. Kennen Sie eigentlich Heidelberg?

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4.3 Fragen mit Tiefakzent

178

Fragen mit einem Tiefakzent (L*) legen wie Fragen mit einem steigenden Akzent (L*H) eine Antwort nahe, die nicht oder nicht primär unter dem Aspekt relevant ist, was sie zum geteilten Wissen von Sprecher und Hörer beiträgt. Im Unterschied zu Fragen mit einem steigenden Akzent wird aber mit ihnen die erfragte Information nicht als abgeschlossen präsentiert. Dieser Unterschied wird besonders bei Fragen deutlich, die durch eine Anschlussfrage erweitert werden:

Abb. Kennen Sie Rathenow? Im Havelland

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(a) erscheint akzeptabler als (b), da der Gebrauch des Tiefakzents in (a) besser mit der Interpretation vereinbar ist, dass die Anschlussfrage die vorangehende Frage präzisiert. Durch den Gebrauch des steigenden Akzents in (b) wird die zweite Frage wie eine Zusatzfrage präsentiert.

5 Erweiterte Grammatik der Intonation

5.1 Herabgestufte Akzente

179

Akzente mit einem hohen Akzentton (H*) können herabgestuft werden, d. h., ihre Gipfel werden tiefer realisiert, als dies normalerweise zu erwarten wäre. Die Herabstufung erfolgt in der Regel relativ zu vorangehenden fallenden Akzenten (H*L), Hochakzenten (H*) oder steigenden Akzenten (L*H) innerhalb der gleichen Intonationsphrase. Die Herabstufung kann als Folge einer Verringerung des Tonhöhenbereichs aufgefasst werden, in dem die Töne einer Intonationsphrase skaliert (? 134) werden. In den folgenden Beispielen werden die herabgestuften Akzente durch ein vorangesetztes »!« gekennzeichnet, die gestrichelten Linien deuten die obere und die untere Grenze des genutzten Tonhöhenumfangs an:

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Abb. Maria ist eine Heidelbergerin » Abb. Maria ist eine Heidelbergerin

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180

Die Herabstufung von Akzentgipfeln beeinflusst die Interpretation der Beziehung zwischen der Information, die zum gemeinsamen Wissen von Sprecher und Hörer hinzuzufügen ist, und ihrer Rolle für die weitere Gesprächsentwicklung. Bei Aussagen wird durch die Herabstufung von Akzentgipfeln signalisiert, dass die übermittelte Information zwar zum gemeinsamen Wissen hinzuzufügen ist, aber nicht als Anknüpfungspunkt für den weiteren Gesprächsverlauf dienen soll.

Auf dem Klassentreffen:
Abb. Maria hat geheiratet. Und rate mal wen!

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(b) erscheint weniger akzeptabel als (a), da hier die Äußerung Maria hat geheiratet durch die Äußerung Und rate mal wen! als Ausgangspunkt für eine neue Gesprächssequenz qualifiziert wird, ihre Kontur aber das Gegenteil signalisiert. Aus dem gleichen Grund wirken Äußerungen mit herabgestuften Akzenten in vielen Situationen unhöflicher oder reservierter, z.B. als einleitende Grußformeln:

Abb. Hallo Frau Seidelmann!

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Die Begrüßung in (b) wirkt reservierter, da sie hier aufgrund des herabgestuften Akzents kaum als Ausgangspunkt für eine neue Gesprächssequenz verstanden werden kann.

181

Bei Konstruktionen mit Konjunktionen wie und und oder signalisiert die Verwendung herabgestufter Akzente, dass alle Alternativen genannt sind. Bei oder- Konstruktionen wird damit eine ausschließende Lesart (?entweder ... oder?) nahegelegt (? 1762).

Abb. Wo wohnt sie? Keine Ahnung! In München oder om Rosenheim. Sie wohnt in München, oder sie wohnt in Rosenheim

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Die Antworten in (a) und (b) unterscheiden sich bezüglich der Art des Nichtwissens. In (a) werden München und Rosenheim als zwei mögliche Wohnorte genannt, ohne einen dritten auszuschließen. In (b) ist für den Sprecher lediglich unklar, in welcher der beiden Städte die betreffende Person wohnt.

182

Bei Fragen signalisiert die Herabstufung, dass eine Antwort eingefordert wird, mit der sich der Adressat zu einer Möglichkeit aus einer vorgegebenen Menge von Alternativen bekennt. Bei Ja/nein-Fragen (? 1394) wird eine einzige Alternative benannt, und es wird gefragt, ob diese Alternative gilt. Die zweite Alternative (die Verneinung der ersten) ist hier erschließbar. Die Wahl eines nuklearen H*-Akzents signalisiert, dass die beiden Alternativen nicht als einander ausschließend zu verstehen sind, während ein nuklearer !H*-Akzent eine ausschließende Interpretation (?entweder ... oder?) nahelegt. Aus diesem Grunde können Ja/nein-Fragen mit nuklearem H*-Akzent besser als solche mit nuklearem !H*-Akzent mit einer Frage kombiniert werden, die eine dritte Möglichkeit benennt:

Abb. Sind Sie verheiratet? Oder sind Sie geschieden? x ist verheiratet oder nicht und x ist geschieden oder nicht

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In (a) lässt die erste Frage eine Antwort zu wie Ich bin geschieden. Darum ist sie mit der Anschlussfrage, die diese Möglichkeit thematisiert, kombinierbar. In (b) wird mit der ersten Frage hingegen nahegelegt, dass nur Antworten relevant sind, die besagen, dass der Adressat verheiratet oder nicht verheiratet ist. Deshalb wirkt in diesem Fall die Anschlussfrage, ob der Adressat geschieden ist, weniger passend. Die Anschlussfrage in (b) wäre allerdings akzeptabel, wenn sie erst gestellt würde, nachdem eine Antwort auf die erste Frage ausgeblieben ist.

183

Bei Alternativfragen (? 1394) wird von vornherein mehr als eine Alternative angegeben. Auch hier legt die Wahl eines herabgestuften Akzents nahe, dass die Konjunktion oder als ausschließend zu verstehen ist. Dies zeigt sich daran, dass der Akzent nur bei finalen Gliedern herabstufbar ist:

Abb. Sind Sie verheiratet oder geschieden? x ist verheiratet oder geschieden (oder keins von beidem)

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Der Effekt der Herabstufung von H* zeigt sich ferner daran, dass Frage (a) eher als Frage (b) ein einfaches Nein (im Sinne von ?keines von beidem?) als Antwort zulässt. Mit Frage (a) werden zwei Alternativen aus einer unbegrenzten Alternativenmenge benannt. Die Kontur in Frage (b) signalisiert hingegen, dass alle Alternativen, mit denen der Sprecher rechnet, vollständig aufgezählt sind.

184

Die Restriktivität von !H*-Konturen bezüglich möglicher Alternativen erklärt auch, warum Fragen mit H* in bestimmten Situationen höflicher klingen können als solche mit !H*.

Abb. Möchten Sie ne Tasse Kaffee? x möchte Kaffee oder nicht (oder etwas anderes)

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An einen Besucher gerichtet wirkt Frage (a) höflicher als Frage (b), da sie weniger restriktiv mit Bezug auf mögliche Antworten des Adressaten ist. Im Unterschied zu Frage (b) lässt Frage (a) z.B. eher Raum für eine Antwort wie Nein, lieber Tee.

185

Da die Herabstufung eines Akzents relativ zu einem vorhergehenden Akzent erfolgt, betrifft sie in der Regel nicht den ersten Akzent einer Intonationsphrase. Es kann aber auch eine ganze Intonationsphrase gegenüber einer vorhergehenden Intonationsphrase herabgestuft werden. Dies ist z.B. bei Begrüßungen der Fall (die Herabstufung der Intonationsphrase wird durch »![...]« angezeigt):

Abb. Morgen - Morgen

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Die Herabstufung der zweiten Intonationsphrase in (b) führt eine Asymmetrie in das Begrüßungsritual ein, die häufig auf eine geringere Gesprächsbereitschaft beim zweiten Sprecher schließen lässt. Es ist auch möglich, mit einer herabgestuften Begrüßungsformel wie der zweiten Äußerung in (b) zu beginnen. In diesem Fall wird die Äußerung mit Bezug auf eine imaginäre Vorgängeräußerung herabgestuft. Ein solches Verhalten kann den Eindruck erwecken, dass keine Erwiderung des Grußes gewünscht oder erwartet wird.

5.2 Tonale Präfigierung

186

Der fallende Akzent (H*L) und der Hochakzent (H*) können um einen tiefen Leitton (? 126) erweitert werden. Die Hinzufügung des tiefen Leittons führt zu einer steileren Anstiegsbewegung. Eine stärkere Betonung der Akzentsilbe verstärkt diesen Effekt noch, indem der Gipfel zusätzlich erhöht und das Niveau vor dem Gipfel zusätzlich abgesenkt wird (der hinzugefügte Ton ist durch Fettdruck hervorgehoben):

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Abb. Sie ist eine Heidelbergerin » Abb. Sie ist eine Heidelbergerin

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Durch die Hinzufügung des tiefen Leittons erhält ein Tonhöhenakzent ein zusätzliches Bedeutungsmerkmal. Diese Modifikation kann als ein Mittel betrachtet werden, um im Deutschen kontrastiven Fokus zu signalisieren. Ein typischer Kontext für die zweite Äußerung in (a) wäre:

Abb. Ist Maria eine MAnnheimerin? - Nein. Sie ist eine Heidelbergerin

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187

Herabgestufte (? 179) fallende Akzente und Hochakzente können auch um einen hohen Leitton ergänzt werden. Wenn ein weiterer hoher Ton vorangeht, wird der hohe Leitton entsprechend der Dissimilierungsregel (? 145) extra-hoch realisiert wie im folgenden Beispiel:

Abb. Sie ist eine Heidelbergerin

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Mit der Hinzufügung des hohen Leittons wird das Gesagte als für den Hörer erwartbar präsentiert. Diese Akzentmodifikation wird auch als »früher Gipfel« bezeichnet (vgl. Kohler 1995).

5.3 Tonale Suffigierung

188

Der Akzentton des fallenden Akzents kann um einen hohen Folgeton (? 126) erweitert werden, der aufgrund der Dissimilierungsregel (? 145) höher realisiert wird als der vorangehende Akzentton. So entsteht der Eindruck, dass der Akzentgipfel erst nach der Akzentsilbe, nämlich im Bereich des phonetischen Zielpunkts des Folgetons, erreicht wird (der hinzugefügte Ton ist durch Fettdruck hervorgehoben):

Abb. Sie ist eine Heidelbergerin

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Die hier vorliegende Akzentmodifikation wird auch als »später Gipfel« bezeichnet und kann alternativ mithilfe des Diakritikums ? angezeigt werden (?H*LL?).

189

Bei Aussagen wird mit der Hinzufügung des Folgetons signalisiert, dass aus Sicht des Sprechers eine Diskrepanz zwischen dem, was geäußert oder impliziert wird, und möglichen Annahmen des Hörers besteht: Das Gesagte wird als für den Hörer überraschend oder unerwartet präsentiert (vgl. Kohler 1995). Bei Fragen signalisiert die Hinzufügung des Folgetons eine Diskrepanz zwischen dem, worauf sich die Frage bezieht, und bisherigen Annahmen des Sprechers. Der Folgeton tritt vor allem bei Fragen auf, bei denen sich ein Erwartungsproblem des Sprechers manifestiert (Selting 1995). Der Eindruck des Unerwarteten kann zusätzlich durch Hinzufügung von wirklich, tatsächlich oder etwa verstärkt werden. Besonders häufig tritt der Folgeton auch bei Ja/nein-Fragen mit Verbzweitstellung (? 1396) auf. In diesen Fällen kann die Kontur dazu beitragen, dass das Geäußerte als überraschende Einsicht des Sprechers aufgefasst wird, die nach Bestätigung verlangt:

Abb. Was? Sie ist eine Heidelbergerin?

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5.4 Stilisierte Konturen

190

Als stilisierte Konturen werden Intonationskonturen bezeichnet, deren Tonhöhenverlauf plateauförmig endet (Ladd 1978). Stilisierte Konturen lassen sich als Varianten gewöhnlicher nuklearer Konturen auffassen, bei denen eine zusätzliche Tonhöhenbewegung am Ende der Intonationsphrase ausbleibt. Dieser Unterschied lässt sich auf das Fehlen eines finalen Grenztons zurückführen (vgl. Gussenhoven 1984, Grabe 1998). Die folgenden Beispiele illustrieren diese Modifikation anhand (a) der fallenden Kontur, (b) der hoch-steigenden Kontur, (c) der zweifach steigenden Kontur und (d) der tief-steigenden Kontur:

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Abb. Sie ist eine Heidelbergerin » Abb. Sie ist eine Heidelbergerin

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191

Die Stilisierung signalisiert eine Diskrepanz zwischen der kommunikativen Funktion, die eine Äußerung aufgrund ihrer sprachlichen Form nahelegt, und der kommunikativen Funktion, die ihr aus Sicht des Sprechers tatsächlich zukommt. Ein Beispiel stellt die hoch-steigende Kontur dar, deren stilisierte Variante mit einem Hochplateau endet. Diese Kontur tritt bevorzugt bei listenförmigen Aufzählungen auf, die beliebig erweiterbar sind:

Abb. Ich war in Jena, in Leipzig, in Heidelberg. Ich war schon überall!

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Die Aussagen, die in den drei ersten Aufzählungsgliedern getroffen werden, dienen hier lediglich zur Veranschaulichung, wo überall der Sprecher schon gewesen ist, nicht als Anknüpfungspunkte für das folgende Gespräch. Eine Nachfrage wie Und wie lange warst du in Leipzig? würde hier eher unpassend wirken.

192

In ähnlicher Weise entspringen Fragen mit einer stilisierten Kontur nicht primär dem Interesse des Sprechers an einer Antwort auf das Erfragte. Fragen, die mit einem Hochplateau enden, treten gewöhnlich weder in Situationen auf, in denen ein Sprecher ein echtes Interesse an der Klärung eines Sachverhalts hat, noch etwa als aufrichtige Einladung, ein Gespräch zu beginnen oder fortzusetzen. Fragen dieser Art wirken vielmehr häufig stereotyp, routinehaft oder desinteressiert:

Abb. Sind Sie verheiratet? Und was machen die Kinder?

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In beiden Fällen lässt die Wahl der stilisierten Kontur darauf schließen, dass die Frage gestellt wird, um den Anforderungen der Situation zu entsprechen, aber nicht aus einem echten Interesse der Sprecherin zu wissen, ob die Adressatin verheiratet ist oder nicht bzw. aus einem ernsthaften Interesse am Befinden ihrer Kinder. Wegen des Anscheins von Routine oder Desinteresse wirken Fragen mit stilisierten Konturen oft auch weniger höflich, wie der Vergleich der Äußerungen in (a) und (b) zeigt:

Abb. Möchten Sie ne Tasse Kaffee?

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193

Eine besondere Form der stilisierten Konturen stellen die sogenannten Rufkonturen dar. Bei Rufkonturen werden die phonetischen Zielpunkte in festen Intervallen zueinander realisiert. Im Deutschen weist die Rufkontur ein hohes und ein halbhohes Tonhöhenplateau auf. Das hohe Plateau beginnt auf der nuklearen Akzentsilbe, das halbhohe auf der letzten Wortakzentsilbe der Intonationsphrase. Dabei wird das halbhohe Plateau meist etwa um eine kleine Terz tiefer als das hohe Plateau realisiert. Dieser Abwärtsschritt lässt sich auf einen herabgestuften H-Ton zurückführen:

Abb. Maria ist angekommen

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Folgt nach der nuklearen Akzentsilbe keine Wortakzentsilbe, beginnt das halbhohe Plateau auf der letzten betonbaren Silbe der Intonationsphrase wie in Beispiel (a). Folgt nur noch eine Silbe, trägt diese den herabgestuften H-Ton, auch wenn sie normalerweise in unbetonter Stellung steht (b). Tritt die nukleare Silbe am Ende der Intonationsphrase auf, wird sie so stark gedehnt, dass beide Tonhöhenplateaus innerhalb dieser Silbe realisiert werden können (c):

Abb. Maria ist angekommen

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5.5 Klitische Intonationsphrasen

194

Das Deutsche kennt zwei Typen von Intonationsphrasen: unabhängige Intonationsphrasen und klitische Intonationsphrasen. Unabhängige Intonationsphrasen weisen mindestens einen Tonhöhenakzent auf und sind nicht an das Auftreten anderer Intonationsphrasen gebunden. Klitische Intonationsphrasen hingegen sind an das Auftreten unabhängiger Intonationsphrasen gebunden und weisen selbst keinen nuklearen Akzent auf. Wird eine unabhängige Phrase durch eine klitische Phrase erweitert, dann übernimmt die klitische Phrase die letzten zwei Töne der vorangehenden Phrase. In (a) und (b) ist jeweils die erste Intonationsphrase eine unabhängige Intonationsphrase, die zweite eine klitische (die wiederholten Töne sind durch Fettdruck hervorgehoben):

Abb. Bist du eine Heidelbergerin Maria?

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Noch häufiger treten klitische Phrasen allerdings nach stilisierten Konturen (? 190) auf. Hier übernimmt die klitische Phrase den letzten Ton der vorangehenden Phrase und fügt selbst einen finalen Grenzton hinzu:

Abb. Bist du eine Heidelbergerin Maria?

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Hiervon sind Fälle zu unterscheiden, in denen zwei unterschiedliche Intonationsphrasen kombiniert werden. Die zweite Phrase erfüllt dabei eine andere kommunikative Funktion.

Abb. Du bist eine Heidelbergerin nicht wahr?

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Im Unterschied zu klitischen Phrasen trägt die zweite Intonationsphrase in (a) und (b) einen nuklearen Akzent, der auch erhalten bleibt, wenn beide Konturen in eine Intonationsphrase integriert werden. Dies ist zumindest im Fall von (b) möglich:

Abb. Bist du eine Heidelbergerin oder nicht?

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6 Makrostrukturelle Organisation der Intonation

195

Die intonatorische Gestaltung einer Äußerung hängt auch von ihrer Einbettung in größere Äußerungsabschnitte ab. So sagt die Wahl des finalen Grenztons einer Intonationsphrase etwas über die Beziehung dieser Intonationsphrase zu nachfolgenden Intonationsphrasen aus (? 150). In ähnlicher Weise ist die Wahl des initialen Grenztons relevant für das Verhältnis einer Intonationsphrase zur vorhergehenden Intonationsphrase. Die Übereinstimmung zwischen dem initialen Grenzton einer Intonationsphrase und dem finalen Grenzton der vorhergehenden Intonationsphrase kann als Kohäsionsmittel (? 1720-1857) eingesetzt werden, d. h. als Mittel, um einen engen Bezug zu einer vorangehenden Intonationsphrase anzuzeigen. Ein Beispiel stellt die Hutkontur (? 148) dar, die sich über eine oder auch über zwei Intonationsphrasen erstrecken kann:

Abb. Maria und Josef

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196

Die Einbettung einer Intonationsphrase in größere Äußerungssequenzen kann sich ferner auf die Skalierung (? 134) ihrer Töne auswirken. Innerhalb kohärenter Textabschnitte zeigt sich häufig die Tendenz, das Tonhöhenniveau aufeinanderfolgender Intonationsphrasen zunehmend abzusenken und den Tonhöhenumfang zu verringern. Hier liegt eine Form der Deklination (? 134) vor, die sich über mehrere Intonationsphrasen erstreckt. Sie wird auch als Supradeklination bezeichnet (Wichmann 2000).

Abb. Wohaben Sie studiert? Erst war ich in Tübingen dann war ich in Konstanz und dann in Heidelberg

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Solche globalen Trends können unterbrochen werden, indem für die nachfolgende Intonationsphrase ein höheres Tonhöhenniveau und ein größerer Tonhöhenumfang gewählt werden.

Abb. Erst war ich in Tübingen dann war ich in Konstanz und dann in Heidelberg. Kennen Sie Heidelberg?

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Ein solcher Neueinsatz ist für Zuhörer meist ein Indiz für einen Einschnitt in der thematischen Entwicklung des Gesprächs. Diese Funktion erfüllt der Neueinsatz sowohl innerhalb eines Gesprächsbeitrags als auch beim Sprecherwechsel. Im letzteren Fall kann die Wahl des globalen Tonhöhenniveaus Aufschluss darüber geben, ob ein Gesprächsbeitrag den vorangehenden Gesprächsbeitrag des Gegenübers thematisch weiterführt oder ob er eine thematische Neuorientierung einleitet.