Höfliche Auf­forderun­gen

„Es gibt ein Minimum von Unaufrichtigkeit, das von jedem verlangt werden kann: Höflichkeit“, schrieb der deutsche Aphoristiker Hans Krailsheimer. Welche sprachlichen Mittel uns im Deutschen für eine höfliche Aufforderung oder Bitte zur Verfügung stehen, zeigen wir Ihnen in diesem Abschnitt.

Ein einfacher Aufforderungssatz wie Gib mir die Marmelade! lässt sich gewiss etwas höflicher formulieren. Um die wenig zimperliche Befehlsform (Imperativ) zu vermeiden, ist die Umwandlung in eine Frage ein guter Weg: Gibst du mir die Marmelade? klingt schon bedeutend weniger ruppig als der Ausgangssatz. Natürlich lässt er sich in puncto Höflichkeit noch verbessern, z. B. mit dem Türen öffnenden Wörtchen bitte: Gibst du mir bitte die Marmelade? Auch eine Anweisung wie Bitte die Rückseite beachten kommt nur schwer ohne die fast immer einsetzbare Höflichkeit des Wörtchens bitte aus.

Höfliche Zurückhaltung bei einem Anliegen lässt sich auch durch die Verwendung von Modalverben zum Ausdruck bringen. Kannst du mir [bitte] die Marmelade geben? wirkt auch ohne bitte noch akzeptabel, wenn auch nicht übermäßig höflich. Wiederum eine kleine Steigerung bewirkt hier der Konjunktiv II: Könntest du mir [bitte] die Marmelade geben? Auch die Verwendung von würde in Verbindung mit einem Infinitiv bewegt sich ungefähr auf dem gleichen Niveau: Würdest du mir [bitte] die Marmelade geben? In Anbetracht der Tatsache, dass die angesprochene Person geduzt wird, ist das schon ausgesprochen höflich. Mit einem höflichen Sie als Anrede klingt diese Form der Aufforderung hingegen geläufiger: Würden Sie mir bitte die Marmelade geben?

An die Stelle einer Frage kann auch ein im Konjunktiv I formulierter Wunschsatz treten: Seien Sie [bitte] vorsichtig! Ausnehmend höflich gibt sich auch folgende Wendung: [Bitte] seien Sie so nett/gut und reichen Sie mir die Konfitüre. Nicht korrekt ist in diesem Fall allerdings die Verwendung des Indikativs (Sind Sie so ...) anstelle des Konjunktivs (Seien Sie so ...).

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