Exonyme

Wenn Frau Krings am Wochenende den Familienwagen für eine Städtetour nach Liège braucht, weil sie dort so gern über die Boulevards schlendert, Herr Krings allerdings das Auto schon für eine Fahrt nach Lüttich eingeplant hatte, um sich ein Spiel von Standard anzuschauen, muss das den Familienfrieden nicht sonderlich beeinträchtigen. Warum nicht? Das erfahren Sie gleich, wenn Sie weiterlesen.

Lüttich ist die deutsche Bezeichnung der belgischen Stadt an der Meuse bzw. Maas, die im Französischen den Namen Liège trägt. Solche von amtlichen Namen abweichenden Formen geografischer Namen nennt man Exonyme.

In einer Region wie etwa der um Aachen, Luxemburg, Lüttich und Maastricht, in der mindestens drei verschiedene Sprachen in einem sehr begrenzten Raum gesprochen werden, kann das schon verwirren. Je nachdem, aus welcher Richtung man sich seinem Reiseziel nähert, zeigen die Wegweiser unterschiedliche Namen an: Lüttich, Liège oder Luik. Ist man auf dem Weg nach Aachen, ist das Angebot ebenso reichhaltig: Aachen, Aix-la-Chapelle, Aken (zu römischer Zeit übrigens Aquae Gran[n]i, später Aquisgranum, auf Luxemburgisch Oochen).

Exonyme haben wir für viele geografische Objekte – vor allem für solche aus europäischen Nachbarländern. Hier nur einige Städtebezeichnungen: Dünkirchen (Dunkerque), Diedenhofen (Thionville), Löwen (Leuven/Louvain), Florenz (Firenze), Neapel (Napoli), Venedig (Venezia), Brünn (Brno), Prag (Praha), Danzig (Gdańsk), Warschau (Warszawa) etc. Häufig unterscheiden sich die deutschen Bezeichnungen von den heimischen allerdings nur in der Aussprache, nicht aber im Schriftbild: Paris, London u. a.

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