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Der sprachliche Umgang mit der Zeit

Zeit ist nicht nur naturwissenschaftlich eine interessante Größe, sie hat auch sprachlich viel zu bieten. Das zeigt schon ein kurzer Blick ins Wörterbuch: Mit zehn verschiedenen Bedeutungen ist das Substantiv beispielsweise im Duden-Universalwörterbuch vertreten – und mit einer großen Zahl von Redewendungen. Recht vertraut sind wir alle mittlerweile mit dem Umstellen der Zeit – auch wenn sich nicht jeder mit diesem Eingriff anfreunden kann. Manch einer würde sie am liebsten anhalten oder gar zurückdrehen. Das lässt sie jedoch nicht so einfach mit sich machen – es gelingt nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Manchmal begegnet uns die Zeit in etwas exotischer Begleitung, etwa mit den Attributen nachtschlafend oder bleiern. Gerne schmückt sie sich auch mit Superlativen. So begegnet uns sowohl die längste Zeit als auch die höchste Zeit, gelegentlich ist es sogar allerhöchste Zeit! Die Zeit wird im Allgemeinen als kostbares Gut angesehen. Deswegen sollte man sie nicht verlieren oder vergeuden. Noch sträflicher ist es, wenn man sie jemandem raubt oder stiehlt – das ist kein Kavaliersdelikt. In etwas verengter Sichtweise wird sie manchmal mit Geld gleichgesetzt – wogegen sie sich wahrscheinlich verwahren würde.
Die Zeit hat aber (wie das Geld) viel mit Geben und Nehmen zu tun. Man kann sie sich nehmen oder jemandem lassen, man kann sie gewinnen oder auch ganz einfach finden. Viele Menschen wollen sogar mit ihr gehen. Das kann man verstehen, denn die Zeit ist eine sehr hilfreiche Begleiterin: Unter bestimmten Voraussetzungen ist sie nämlich bereit, für uns zu arbeiten. An ihrer Seite finden wir zuweilen Rat. Manch einer behauptet sogar, sie heile alle Wunden. Umso erstaunlicher ist es, dass wir sie manchmal vertreiben, ja sogar totschlagen wollen. Ist das nicht etwas undankbar?