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Duden-Newsletter (27.07.12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Anrede in unserem Newsletter ist Ihnen bestimmt wohlvertraut. Aber wurden Sie auch schon mal irgendwo mit „Liebe Mitgliederinnen und liebe Mitglieder“ betitelt? Wenn Sie dann das vage Gefühl hatten, dass da etwas nicht stimmt, dann stimmt zumindest mit Ihrem Gefühl alles.
 
Weiteres Thema sind die Verbindungen mit dem Adjektiv klar und nachgeschlagen haben wir diesmal sechs mausetote Wörter aus unserem neuen Band Unnützes Sprachwissen".
 

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen 

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Personenbezeichnungen mit festem Genus
 
Heutzutage ist es üblich, Männer und Frauen jeweils einzeln zu bezeichnen, wenn es um gemischtgeschlechtliche Gruppen geht. Dabei schießen jedoch einige übers Ziel hinaus. Die oben erwähnten „Mitgliederinnen und Mitglieder“ passen auf den ersten Blick ins gewohnte Schema, aber irgendetwas wirkt komisch daran. Das Wort Mitglied ist nämlich gar keine typische Personenbezeichnung auf -er, an die ein -in für die weibliche Form angehängt werden könnte – es ist ein Neutrum (das Mitglied) und bezeichnet sowohl Frauen als auch Männer. „Liebe Mitglieder“ reicht demnach völlig aus.
 
Auch bei ein paar anderen Personenbezeichnungen sollten Sie auf der Hut sein. So werden Kinder, die beide Elternteile verloren haben, als Waisen bezeichnet. Im Singular ist dieses Wort jedoch feminin (die Waise) und bezeichnet dann Mädchen und Jungen gleichermaßen. Korrekt wäre also: „Karl ist eine Waise.“ Nicht korrekt wäre: „Julia ist eine ‚Waisin’.“
Nur männliche Formen gibt es z. B. von Gast oder (Pop-)Star. Somit heißt es: „Sie war unser Gast.“ Oder: „Sie träumt davon, ein Star zu sein.“ Weibliche Formen haben sich hier noch nicht durchgesetzt, obwohl man ab und zu in Texten eine „Gästin“ trifft.
 
Und schließlich gibt es noch den Sonderfall eines maskulinen Substantivs, das ausschließlich Frauen bezeichnet, nämlich das aus dem Englischen übernommene Vamp: „Eva hat sich zu einem richtigen Vamp entwickelt.“ Der „Vamper“ für den Mann muss hier erst noch erfunden werden.

Hätten Sie's gewusst?

Verbindungen mit klar
 
Klarheit über etwas zu haben ist eine schöne Sache. Doch um dorthin zu gelangen, muss man manche Hürde überwinden – unter anderem die Frage nach der Getrennt- oder Zusammenschreibung.
 
Klar ist, dass klar sein getrennt geschrieben wird, weil Verbindungen mit sein stets getrennt sind. Ansonsten hängt alles davon ab, ob klar wörtlich zu verstehen ist, im Sinne von „deutlich, durchsichtig“, oder ob es eher übertragen gebraucht wird bzw. zusammen mit dem Verb eine neue Bedeutung erlangt. Deshalb schreiben wir etwas klar sehen im Sinne von „deutlich erkennen können“ getrennt, ebenso klar denken. Zusammenschreibung gilt dagegen für ein Schiff klarmachen ebenso wie für jemandem etwas klarmachen, einen Sachverhalt klarstellen, miteinander klarkommen und klargehen im Sinne von „klappen, funktionieren“.
 
Ein kleiner Tipp, wie man das überprüfen kann: Versuchen Sie, ob Sie das Verb auch allein verwenden könnten. Wenn „ich sehe dich, und zwar klar“ funktioniert, dann wird getrennt geschrieben. Dagegen wäre „Ich möchte das stellen, und zwar klar“ eindeutig nicht korrekt. Die Verbindung von Verb und klar ergibt demnach ein neues Wort, welches zusammengeschrieben werden muss. Trifft klar in der Bedeutung „bewusst“ auf werden, dann ist sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung richtig: Das ist mir erst jetzt so richtig klar geworden / klargeworden. Die Duden-Empfehlung ist die Getrenntschreibung.

Für Sie nachgeschlagen

Sechs mausetote Wörter
 
Abgängsel [Späne, Schnipsel als Abfälle bei der Bearbeitung von etwas]: 1880 bis 1961 im Rechtschreibduden
 
Abbreviator [bis 1908 päpstlicher Beamter für das Entwerfen von Schriftstücken]: 1880 bis 1926 im Rechtschreibduden
 
beleibzüchtigen [mit einer Leibzucht – einem lebenslangen Unterhalt – versehen]: 1880 bis 1926 im Rechtschreibduden
 
Bdellometer [„künstlicher Blutegel“, Schröpfapparat als Ersatz für Blutegel]: 1880 bis 1926 im Rechtschreibduden
 
Pomadenhengst [Mann mit stark pomadisierter Frisur]: 1915 bis 2000 im Rechtschreibduden
 
Selbstwählferndienst [Telefonieren ins Ausland ohne „Fräulein vom Amt“]: 1961 bis 2000 im Rechtschreibduden
 
Aus: Duden, Unnützes Sprachwissen. Mannheim 2012.

Donnerstag, 16 August, 2012
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