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Duden-Newsletter (26.06.09)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn mal wieder ruchbar geworden ist, dass jemand einst quellfrisches Bachwasser mit Pestiziden kontaminiert hat, fragt man sich nicht selten: Versehen oder Absicht? Diese Frage stellt sich auch, wenn wir Kontamination sprachwissenschaftlich verstehen: „Seien Sie mir nicht übel!“ Ein Versehen natürlich, ein Versprecher. Aber kann es nicht manchmal auch Absicht sein? Das beantworten wir gleich zu Beginn.

Mit Sicherheit Absicht, böse Absicht, ist dem Kritiker zu unterstellen, der über einen Text urteilt: „Der Stil der Darstellung ist durchaus lässig-elegant. Auch an deren Verständlichkeit lässt sich kaum etwas aussetzen. Sogar die eine oder andere gefällige Redefigur findet sich - leider kein nennenswerter Gehalt.” Mehr über diese rhetorische Figur, die sogenannte Anesis, erfahren Sie im zweiten Teil unseres Newsletters.

Ebenfalls mit Absicht, wenn auch nicht mit böser, werden hin und wieder ungewöhnliche Vornamen vergeben. Abschließend haben wir einige kuriose Beispiele aus der Namenwelt für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Kontamination

Eine Kontamination, auch Portmanteau oder Kofferwort genannt, ist eine Zusammenziehung von (meist zwei) Wörtern, die formal und/oder inhaltlich verwandt sind. Wortkontaminationen sind etwa: Katzenjammertal aus „Katzenjammer” und „Jammertal” oder jaguartig aus „Jaguar” und „artig” oder die gentechnologisch hergestellte Schiege aus „Schaf” und „Ziege”.

Normalerweise ist die Kontamination ein verbreiteter Typ von Versprechern. Zu diesen zählen auch Kontaminationen von Wendungen: Seien Sie mir nicht übel! aus „Seien Sie mir nicht böse!” und „Nehmen Sie’s mir nicht übel!” oder Den Professor solltest du nur mit rohen Handschuhen anfassen aus „Den Professor solltest du nur mit Samthandschuhen anfassen” und „Den Professor solltest du wie ein rohes Ei behandeln”.
Man kann sie aber auch bewusst als - nicht gerade dezentes - Stilmittel einsetzen, etwa in eher bissigen politik- oder gesellschaftskritischen Kommentaren: akadämlich, Ehrgeizhals, Kompromissgeburt, Kompromissgeschick, Medizyniker, Phrasendreschflegel, Repräsentativstapler, Pubertätlichkeiten. Tja, „wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung” (Heinz Erhardt).

Kontaminationen sind auf dem Vormarsch, gern tauchen sie als Markennamen oder in der Werbung auf: Osram aus „Osmium” und „Wolfram”, Tesa aus „Tesmer” und „Elsa” oder Slimnastik aus „slim” und „Gymnastik”. Etliche Kontaminationen sind mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, sind teilweise sogar lexikalisiert: jein, Teuro, Smog, Brunch, denglisch, Infotainment, Kurlaub, tragikomisch und viele, viele mehr.

Hätten Sie’s gewusst?

Anesis

Unter der rhetorischen Sinnfigur der Anesis (aus dem Altgriechischen, eigtl. „Nachlassen, Lockerung, Entspannung”) versteht man einen (meist kurzen) Nachtrag, der die Aussage des Vorangegangenen abschwächt, gern auch ins Gegenteil verkehrt. In einer negativen Kritik zum Beispiel werden dann einige positiv bewertete Nebensächlichkeiten aufgezählt, um die Hauptsache extrem negativ zu beurteilen. Das erhöht quasi die „Fallhöhe” - wie auch in unserem Beispiel:
„Der Stil der Darstellung ist durchaus lässig-elegant. Auch an deren Verständlichkeit lässt sich kaum etwas aussetzen. Sogar die eine oder andere gefällige Redefigur findet sich - leider kein nennenswerter Gehalt.”
Ein schönes Beispiel, ein ganz schön gemeines, für solch eine vernichtende Kritik stammt von Gotthold Ephraim Lessing: „Dieses Buch enthält viel Gutes und viel Neues - aber das Gute ist nicht neu und das Neue ist nicht gut.”

Für Sie nachgeschlagen

Millennia und Lufthansa : Ereignisnamen

Außergewöhnliche Umstände sowie besondere Ereignisse zum Zeitpunkt der Geburt sind immer wieder in den Vornamen von Kindern festgehalten worden.
Ein junges Beispiel aus Deutschland, genauer aus Berlin, ist Millennia, die pünktlich zum Jahrtausendwechsel zur Welt kam.
Fast zwei Jahrhunderte früher - während der Napoleonischen Kriege - erfand Goethes Schwager, der Schriftsteller Christian August Vulpius, den Namen Bellonata, also „Die im Krieg Geborene” (zu lateinisch bellum „Krieg” und natus, -a „geboren”), für ein Mädchen, das am Vorabend der Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt geboren wurde.
Manche Kinder haben es anscheinend besonders eilig, das Licht der Welt zu erblicken. Sie möchten eben nicht darauf warten, bis ihre Mütter ihr Reiseziel oder das nächstgelegene Krankenhaus erreicht haben. Dies hat Anlass zu mehreren Vornamen gegeben. Zum Beispiel Oceanus Hopkins, geboren 1620 auf der Mayflower während der Überfahrt der Pilgrim Fathers nach Amerika.
Etwas angenehmer war vielleicht die Niederkunft in einem Flugzeug. Jedenfalls weist der Vorname Barbara Lufthansa darauf hin, dass die Namensträgerin 1965 auf einem Lufthansaflug geboren wurde.

Aus: Duden, Die wunderbare Welt der Namen. Mannheim 2009.

Freitag, 26 Juni, 2009