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Duden-Newsletter (24.02.12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn wir unter jemandes Laune leiden, ist das ja etwas anderes, als wenn wir unter jemandes Launen zu leiden haben - ist das nicht seltsam? Launen sind offenbar nicht einfach nur die Mehrzahl von Laune, sondern auch noch irgendetwas anderes. Und darum wird es gleich zu Beginn gehen - um besondere Bedeutungen bzw. Bedeutungsnuancen bestimmter Pluralformen.

Bedeutungsunterschiede bringt gelegentlich auch die unterschiedliche Wortbildung eines Adjektivs mit sich. So bedeutet ja kindlich durchaus nicht das Gleiche wie kindisch und launig nicht das Gleiche wie launisch.

Und da schon so viel von Laune und Konsorten die Rede war, haben wir für Sie noch einen launigen Artikel zur Herkunft unserer Wörter Laune, launisch, launig, gelaunt nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Sortenplural

In den letzten Jahren sind seltene Erden in aller Munde. Dabei geht es allerdings nicht um seltene Planeten, sondern um wertvolle Rohstoffe - genauer: um Metalle aus seltenen Erden (Mineralstoffen). Hier wird also - wie in der Bezeichnung der einstigen Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden - Erden in der Bedeutung „Mineralstoffe, verschiedene Sorten von Erde“ verwendet. Bei Stoffbezeichnungen ist die Bedeutungsverschiebung von „Stoff“ im Singular auf „Sorten dieses Stoffes“ im Plural gar nicht selten. Der Sortenplural findet sich etwa auch bei: viele Sände, verschiedene Schrotte, nahrhafte Trockenfutter, tropische Hölzer, feine Mehle, herbere Biere usw.

Gelegentlich unterscheidet man sogar durch unterschiedliche Pluralformen den gewöhnlichen Plural vom Sortenplural, etwa bei Wasser. Dort steht die nicht umgelautete Form für den normalen Plural, also für „Wassermassen, Fluten, Gewässer“: „an den Wassern Babylons“, (auch in übertragener Bedeutung:) „Dieser Mittelstürmer, das Schlitzohr, ist wirklich mit allen Wassern gewaschen.“ Die umgelautete Form steht für den Sortenplural: Mineralwässer, Abwässer, Sauerwässer usw. Ein anderes Beispiel dafür sind die Pluralformen von Tuch - Tücher für den normalen Plural, Tuche für den Sortenplural.

Es kommt vor, dass solch ein Sortenplural auch auf Abstrakta übertragen wird: „All diese Gemütlichkeiten sind eher keine rheinische Gemütlichkeit.“
Das Abstraktum Laune hat dagegen keinen Sortenplural, man unterscheidet nicht etwa gute Launen von schlechten. Es ist aber auch kein Plural wie bei Stimmung. Denn bei Laune wächst im Plural die Wechselhaftigkeit in die Bedeutung hinein, es gibt eine leichte Bedeutungsverschiebung: Die Launen meinen dann in etwa so viel wie „wechselnde Gemütsverfassung, Launenhaftsein“ (Äußerungsplural).

Hätten Sie's gewusst?

Adjektive auf -ig, -isch, -lich

Mithilfe dieser drei Ableitungssilben werden aus Substantiven Adjektive abgeleitet. Dabei heißt -ig so viel wie „das vom Wortstamm Bezeichnete ist vorhanden“ (nebelig = „Nebel ist vorhanden“). Mit -isch werden oft Adjektive aus Substantiven für Lebewesen gebildet (diebisch, künstlerisch), -isch meint dann so viel wie „in der Art einer/eines bzw. wie ein/eine“ (betrügerisch = in der Art eines Betrügers bzw. wie ein Betrüger). Aber auch aus anderen Substantivstämmen bildet man mit -isch Adjektive (grammatisch, karolingisch) und hat dann in etwa die Bedeutung „gehört zu“. Am neutralsten ist -lich, das ganz allgemein nur aussagt „hat irgendetwas zu tun mit“ (ärztlich, ärgerlich, rühmlich). Auch Ableitungen von Stämmen anderer Kategorie sind möglich (begreiflich, verletzlich). In einigen Bereichen kann man die Bedeutungen von Doppelbildungen systematisch unterscheiden.

Die Doppelbildungen mit -ig und -lich bedeuten vor allem bei Zeitangaben etwas anderes. Mit Zeitangaben auf -ig ist die Dauer gemeint, mit denen auf -lich die fristgemäße Wiederholung: vierzehntägig = „vierzehn Tage lang“, aber: vierzehntäglich = „alle vierzehn Tage“. Allgemein drücken die Bildungen auf -ig das Vorhandensein von etwas aus: ein verständiger Mensch = „ein Mensch, bei dem Verstand vorhanden ist, der etwas versteht“, während die Bildungen auf -lich lediglich ausdrücken, dass irgendein Bezug zu dem besteht, was das Substantiv bezeichnet: ein verständlicher Text = „ein Text, der verstanden werden kann“.

Bei Doppelformen auf -lich und -isch drücken die Adjektive auf -lich in der Regel die bloße Zugehörigkeit aus: bäuerlich, kindlich, dörflich, die Adjektive auf -isch dagegen eine Abwertung: bäurisch, kindisch, dörfisch. Doch bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, etwa das gar nicht abwertende heimisch und das völlig anders verwendete heimlich.

Bei der Doppelform launisch/launig meint launisch abwertend so etwas wie: „wechselnden Stimmungen unterworfen und ihnen nachgebend“: „Ist ‚launische Diva’ nicht ein Pleonasmus?“; während launig bedeutet: „gut gelaunt, witzig, humorvoll“: „Das war ja mal ein launiges Gedicht.“

Für Sie nachgeschlagen

Laune

„Ob der Mond schon scheint oder seinen Mondschein schont“ (nach Heinz Erhardt), fragen sich ja vor allem Menschen, die sich als in gewisser Weise vom Mond geleitet sehen. Und das scheinen seit je nicht wenige gewesen zu sein. Schon die mittelalterlichen Astrologen gingen davon aus, dass der Mond die Stimmung beeinflusst. So hat sich der Mond bereits im 13. Jahrhundert bis ins Wort Laune durchgearbeitet. Das heißt: natürlich nicht der Mond, sondern seine lateinische Kollegin - Luna (Mond). Denn auf die geht unser Wort Laune in der Tat zurück. Sogar ein Verb gab es im Mittelhochdeutschen, das von Luna abgeleitet war: lunen. Daraus entstand launen (in wechselnder Stimmung sein). Dieses Verb ist mittlerweile verschwunden. Geblieben ist uns davon nur das zweite Partizip gelaunt.

Aus: Klaus Mackowiak, Cäsars Vermächtnis - Wörter und Wendungen lateinischer Herkunft. Mannheim 2012.

Freitag, 24 Februar, 2012