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Duden-Newsletter (24.02.06)

Liebe Leserin, lieber Leser,

als im letzten Jahr erstmalig in der bundesdeutschen Geschichte eine Kanzlerkandidatin gekürt wurde, um gegen den Amtsinhaber anzutreten, blieb so mancher beim Zeitunglesen an dem Wort Herausforderin hängen und kam ins Grübeln. Ob diese Form so richtig ist, lesen Sie im ersten Teil unseres heutigen Newsletters.

In der häufig babylonisch anmutenden Sprachverwirrung unserer globalisierten Welt gewinnt man hin und wieder den Eindruck, dass mancher mehr oder weniger radebrechend durchs Leben geht. Näheres zu Herkunft und Charakter dieses ungewöhnlichen Verbs erfahren Sie in der zweiten Rubrik.

Spätestens seit dem gleichnamigen Film von Loriot weiß in Deutschland jeder, dass es sich um eine äußerst bedrohliche Situation handelt, wenn „Pappa ante portas” steht. Wer wann wirklich vor welchen Toren stand, haben wir in unserem letzten Beitrag für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen und eine fröhliche Fastnachts-, Karnevals- oder Faschingszeit wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Herausforderin

Im Allgemeinen lassen sich feminine Personen- oder Berufsbezeichnungen im Deutschen problemlos durch Anhängen der Endung -in an das maskuline Wort bilden. So wird aus dem Minister eine Ministerin, aus dem Professor eine Professorin, aus dem Redakteur eine Redakteurin, aus dem Anwärter eine Anwärterin.
Anders verhält es sich jedoch mit maskulinen Personenbezeichnungen auf -erer: Hier wird - ursprünglich wohl aus klanglichen Gründen - die Endung -in an die Stelle des zweiten -er gesetzt. So wird also aus dem Zauberer keine Zaubererin, sondern eine Zauberin, aus dem Eroberer wird eine Eroberin und auch unsere eingangs erwähnte Herausforderin ist sprachlich auf der richtigen Seite. Vorsicht ist allerdings geboten bei Substantiven auf -rer: Hier wird die Endung -in grundsätzlich an die volle maskuline Form angehängt. Es wird demnach aus dem Lehrer eine Lehrerin, dem Verehrer eine Verehrerin und aus dem Verführer eine Verführerin.

Hätten Sie’s gewusst?

radebrechen

Im Mittelalter diente oft ein Gerät in Form eines großen Rades der Vollstreckung von Todesurteilen. Der Verurteilte wurde aufs Rad gebunden oder gespannt, er wurde gerädert. In diesem Umfeld entstand auch das Verb radebrechen - es hatte ursprünglich die Bedeutung „jmd. auf dem Rad die Glieder brechen”. Erst später wurde es dann auch in übertragener Bedeutung gebraucht im Sinne von „eine Sprache schinden und grausam zurichten”. Diese Bedeutung hat es im Grunde bis heute behalten: Wer radebrecht, spricht eine fremde Sprache nur mühsam und unvollkommen. Interessant bei diesem Verb ist auch das Konjugationsmuster. Obwohl es vom unregelmäßig gebeugten Verb brechen abgeleitet ist, wird es dennoch regelmäßig gebeugt, also du radebrechst,er radebrechte (nicht: „du radebrichst, er radebrach”).

Für Sie nachgeschlagen

Hannibal ante portas

Als Warnung vor einer drohenden Gefahr, vor einer Person oder Sache, von der Unangenehmes zu erwarten ist, hat sich dieser lateinische Ausspruch bis heute gehalten. Die Übersetzung lautet „Hannibal vor den Toren”. Der lateinische Ausspruch geht auf eine Äußerung des römischen Politikers und Schriftstellers Cicero (106-43 v. Chr.) in einer seiner philippischen Reden zurück, wo die Formulierung „Hannibal ad portas” vorkommt. Auch bei dem römischen Geschichtsschreiber Livius (49 v. Chr. bis 17 n. Chr.) findet sich diese Formulierung. Sie bezieht sich auf eine bedrohliche Situation im 2. Punischen Krieg (218-201 v. Chr.), als der karthagische Feldherr Hannibal bis nach Rom vorgedrungen war, nachdem er fast ganz Unteritalien erobert hatte.Auch Abwandlungen dieses Zitats werden heute recht häufig gebraucht. Bekannt ist unter anderem „Pappa ante portas”, der Titel eines Spielfilms, den der Cartoonist und Autor Loriot (Vicco von Bülow) gedreht hat.

Aus: Duden - Zitate und Aussprüche. Mannheim 2006.

Freitag, 24 Februar, 2006