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Duden-Newsletter (21.09.07)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie verhält sich der schwarze Tee zum Schwarztee und das Hohelied zum Hohen Lied? Mehr über die Besonderheiten dieser und ähnlicher Fügungen erfahren Sie gleich zu Beginn unserer heutigen Ausgabe.

Wenn man niemand gesehen und mit niemandem gesprochen haben will, hat man sich vielleicht elegant aus der Affäre gezogen, aber man sollte dabei auch immer die Grammatik beachten. Niemand anders als wir erklärt Ihnen in der zweiten Rubrik, was in diesen Fällen richtig ist.

Schließlich zeigen wir Ihnen noch, wie abwechslungsreich man doch formulieren kann, wenn man eigentlich niemand meint. Nachgeschlagen haben wir dafür im Synonymwörterbuch.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Hohelied / Hohes Lied

Es gibt eine Reihe von Eigennamen und festen Fügungen aus einem Adjektiv und einem Substantiv, die einem Kompositum - also einem zusammengesetzten Substantiv - nahestehen. Dazu zählen beispielsweise das Rote Kreuz, der Stille Ozean, das Schwarze Meer, aber auch das Schwarze Brett, der italienische Salat oder der schwarze Tee. Beim schwarzen Tee wird diese Nähe am deutlichsten, gibt es doch auch die Zusammensetzung der Schwarztee. Beim Roten Kreuz lässt sich die Tendenz zum Kompositum in Ableitungen beobachten, z. B. der Rotkreuzwagen, die Rotkreuzschwester. All die genannten festen Fügungen zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Bedeutung des Gesamtgefüges nicht ohne Weiteres aus der Aneinanderreihung der Inhalte der Einzelwörter ergibt.
Im Unterschied zum Kompositum werden bei der festen Fügung jedoch beide Glieder dekliniert: im Schwarzen Meer oder im Stillen Ozean baden, eine Aktion des Roten Kreuzes, einen Anschlag am Schwarzen Brett machen; ebenso: den italienischen Salat, des schwarzen Tees.

Recht selten sind die Fälle, in denen man die Getrennt- und Zusammenschreibung in gleicher Form nebeneinander findet. Bekannte Vertreter sind das Hohe Lied oder eben das Hohelied und der Hohepriester bzw. der Hohe Priester. Aber Achtung: Bei flektierten Formen weichen die beiden Versionen schon wieder voneinander ab: des Hohepriesters oder des Hohen Priesters, im Hohelied bzw. im Hohen Lied.

Hätten Sie’s gewusst?

Deklination von niemand

Der Akkusativ und Dativ von niemand kann sowohl eine Flexionsendung haben als auch endungslos sein: Sie hat niemand[en] gesehen und mit niemand[em] gesprochen. Im Akkusativ wird die endungslose Form oft sogar bevorzugt: Ich kenne niemand (seltener: niemanden), der so etwas kann. Der Genitiv lautet niemandes oder niemands: Er hat niemandes/niemands Auto beschädigt.
In der Verbindung von niemand mit anders oder mit einem substantivierten Adjektiv wird heute die endungslose Form bevorzugt: Er wollte niemand anders um sich haben oder: Er wollte niemand anderen um sich haben; seltener: Er wollte niemanden anders um sich haben. Entsprechend mit einem substantivierten Adjektiv: Sie schenkte niemand Fremdes ihr Vertrauen oder Sie schenkte niemand Fremdem ihr Vertrauen; seltener: Sie schenkte niemandem Fremdes ihr Vertrauen.

Für Sie nachgeschlagen

niemand

keine einzige Person, kein Einziger, keine Einzige, keine [Menschen]seele, keiner, keine, kein Mensch
(gehoben): keine Macht der Erde/Welt, nicht einer, nicht eine, nicht ein Einziger, nicht eine Einzige
(umgangssprachlich): kein Aas
(salopp): kein Schwanz, kein Schwein, kein Teufel
(derb): keine Sau
(veraltend): keine lebendige Seele.

Aus: Duden 8, Das Synonymwörterbuch. Mannheim 2007.

Freitag, 21 September, 2007