Dudenverlag Duden Located at Mecklenburgische Str. 53, Berlin, 14171, Berlin , . Phone: +49 30 897 85 82-81. .

Duden-Newsletter (21.01.11)

Liebe Leserin, lieber Leser,

im heutigen Newsletter beschäftigen wir uns zunächst einmal mit dem Wort Pleite - wo es herkommt und in welchen Verbindungen es auftaucht.

Anschließend machen wir einen Sprung in die Wortbildung und klären dabei, auf welche Weise Bildungen wie Sprungentstanden sind und weshalb wir nicht der Spring sagen.

Wenn sich viele Menschen spontan versammeln, weil sie sich mithilfe moderner Medien wie Mobiltelefone kurzfristig verabredet haben, dann nennt man das … tja, wie? Den passenden Begriff haben wir im Wörterbuch der Szenesprachen nachgeschlagen.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung


Was Sie schon immer wissen wollten

Pleite … ohne Pech und Pannen

Mit einer Pleite, insbesondere der eigenen, beschäftigt sich niemand gern. Lassen Sie es uns dennoch kurz tun, zumindest aus sprachlicher Sicht.
Wie etliche andere Wörter aus dem monetären Bereich stammt auch Pleite aus dem Rotwelsch, der sogenannten Gaunersprache. Seit dem 18. Jahrhundert ist Blede machen belegt, das so viel wie durchgehen, entfliehen bedeutet. Ursprung dafür war das hebräische Wort peleta, welches sich mit Flucht, Rettung wiedergeben lässt. Eigentlich ist die Pleite also das Davonlaufen nach dem finanziellen Desaster, später bezeichnete sie in der Umgangssprache auch die Tatsache, dass das Geld verloren ist.

Damit Sie keine orthografische Pleite erleben, sollten Sie beachten, dass das Wort nicht nur als (großgeschriebenes) Substantiv, sondern auch als (kleingeschriebenes) Adjektiv auftreten kann. Deshalb schreibt man: Die Firma machte Pleite, aber: Die Firma ist pleite. In Verbindung mit gehen wird klein- und zusammengeschrieben: Die Firma wird bald pleitegehen; ... geht bald pleite.

Hätten Sie’s gewusst?

Ableitungen (springen - der Sprung)

Wenn man im Deutschen per Ableitung ein neues Wort bilden möchte, hängt man normalerweise eine Nachsilbe an eine Basis an, beispielsweise wird gelb + -lich zu gelblich. Daneben gibt es noch ein anderes Muster, das allerdings auf starke Verben beschränkt ist. Dabei wird an die Basis, also das Verb, nichts angehängt, sondern die Infinitivendung -en entfällt und in der Regel wechselt auch noch der Vokal. Beispiele hierfür sind:
schreien - der Schrei, trinken - der Trank, ziehen - der Zug.
Grundlage für diese Art der Ableitung ist der Vokalwechsel, den die starken Verben zur Bildung ihrer Vergangenheit nutzen (binden - band - gebunden). Wie die Beispiele der Bund und der/das Band zeigen, ist aber nicht festgelegt, welcher Vokal für die Ableitung verwendet wird.

Die überwiegende Mehrheit dieser neu gebildeten Substantive ist maskulin und bezeichnet einen einmaligen, begrenzten Vorgang. Dies lässt sich gut erkennen, wenn man diese Bildungen mit dem substantivierten Infinitiv vergleicht. Ein Sprung ist das Ergebnis einer in sich abgeschlossenen Handlung mit einem klar definierten Anfang und Ende. Das Springen hingegen kann zum einen die Handlung selbst bezeichnen, zum anderen auch mehrere Sprünge hintereinander, es ist also nicht so eindeutig festgelegt.

Wer noch größere Ziellosigkeit ausdrücken möchte, ist übrigens mit der Kombination Ge- + -e gut beraten: Bildungen wie Gerenne, Gehopse etc. bezeichnen jeweils eine Menge mehr oder weniger unkoordinierter Handlungen. Da machen wir doch lieber an dieser Stelle einen Schnitt und kommen zum Schluss.

Für Sie nachgeschlagen

Flashmob
(zu englisch flash = Blitz und englisch umgangssprachlich mob = Bande, Menge)

Stell dir vor, du stehst nichts ahnend am Rathausplatz und wartest auf den Bus. Plötzlich kommen 30 Leute aus verschiedenen Richtungen, alle in Weiß gekleidet, lesen laut aus Büchern vor und wedeln dabei mit Regenschirmen. Wahrscheinlich eine Kunstperformance, sicherlich aber ein Flashmob. Ein Flashmob ist ein kurzer, spontaner, themenbezogener Menschenauflauf auf öffentlichen Plätzen. Die Mobs können einen politischen Hintergrund haben (Spontandemos) oder auch eine künstlerische Performance sein. Flashmobs werden über Blogs, E-Mails oder SMS organisiert. Das Wort entstand in Anlehnung an den Begriff Smart Mob, der vom amerikanischen Psychologen Howard Rheingold im Jahr 2003 geprägt wurde und das Phänomen der Schwarmintelligenz beschreibt.

Aus: Duden, Das neue Wörterbuch der Szenesprachen. Mannheim 2009.

Freitag, 21 Januar, 2011