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Duden-Newsletter (16.06.06)

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist gar nicht einmal so unüblich, Übliches anzuzeigen, indem man auf das Nichtvorhandensein von Unüblichem verweist. Litotes heißt diese rhetorische Figur. Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, um was es bei dieser eher indirekten Redeweise geht und was man damit erreicht, dann sind Sie hier nicht falsch.

Die Fußball-WM ist bereits in vollem Gange und gibt offensichtlich auch das eine oder andere sprachliche Rätsel auf. Anfragen nach den korrekten Einwohnerbezeichnungen zu Togo, Elfenbeinküste, Ghana, Trinidad und Tobago oder Serbien und Montenegro werden in der Sprachberatung jetzt häufig gestellt. Mehr dazu erfahren Sie in der zweiten Rubrik.

Abschließend widmen wir uns noch einer Leistung, die nicht nur bei der WM besondere Achtung verdient: dem Hattrick. Wo dieser Ausdruck seinen Ursprung hat, haben wir für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Die Litotes

Die rhetorische Figur der Litotes (griech. litotes = Sparsamkeit, Zurückhaltung, zu: litos = schlicht, einfach) umschreibt einen Sachverhalt mit einer doppelten Verneinung: nicht unüblich, nicht ohne Charme, kein Unmensch etc. Auch die Verneinung des Gegenteils eines eigentlich gemeinten Ausdrucks zählt als Litotes: nicht schlecht, nicht selten, kein Anfänger.

Die Litotesvariante der doppelten Verneinung bewirkt gerade durch die vorgebliche Vorsicht im Ausdruck eine (oft ironisierende) Hervorhebung des Gesagten und verleiht dem Autor eine distanzierte Überlegenheit: „Mir scheint, es war nicht ganz ohne Witz, dass Caligula sein Pferd zum Konsul gemacht hat.”
Auch die Variante der Verneinung des Gegenteils kann die gleichen Effekte erzielen: „Mir scheint, nachdem Caligula sein Pferd zum Konsul gemacht hatte, war damit nicht die schlechteste aller Regierungen ins Amt gesetzt.” Häufig aber wird diese Variante der Litotes - vor allem im politischen Diskurs - eingesetzt, um allzu klare Stellungnahmen zu vermeiden. Denn die Verneinung des Gegenteils hat einen größeren Begriffsumfang als der ursprüngliche Begriff - „nicht schlecht” trifft auf mehr zu als „gut”: „Die Mehrwertsteuer zu erhöhen ist nicht ideal.” Wer sich so ausdrückt, ist vielleicht weniger angreifbar, wirkt aber nicht unbedingt prägnant

Hätten Sie’s gewusst?

Einwohnerbezeichnungen zu Togo, Elfenbeinküste etc.

Während uns Einwohnerbezeichnungen wie Italiener, Argentinier oder Tschechen problemlos über die Lippen gehen, bereiten uns andere Länder in dieser Hinsicht mitunter erhebliches Kopfzerbrechen.
Bei Costa Rica, Paraguay und Ghana ist der Fall noch relativ klar. Für diese Länder stehen Costa-Ricaner, Paraguayer und Ghanaer (nicht: ›Ghanesen‹) auf dem Platz. Schwieriger wird es schon bei Togo: Im Deutschen stehen hier sowohl die Form Togoer als auch Togolese (und nicht etwa ›Toganer‹) zur Auswahl, wobei Togoer/Togoerin als amtliche Bezeichnung gilt.

Die Elfenbeinküste verführt mitunter zu gewagten Konstruktionen wie ›Elfenbeinküstler‹ oder ›Elfenbeiner‹. Hierbei muss man zunächst einmal wissen, dass der amtliche Staatenname im Deutschen mittlerweile Cote d’Ivoire lautet - „Elfenbeinküste” ist die frühere, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Bezeichnung.
Die einzig korrekte Einwohnerbezeichnung lautet dementsprechend dann Ivorer/Ivorerin (eingedeutschte Form von franz. Ivoirien/Ivoirienne).
Ganz ohne amtliche Bezeichnung im Deutschen müssen Spieler und Staatsangehörige von
Trinidad und Tobago und Serbien und Montenegro auskommen. Hier darf man offiziell nur umschreiben: „Spieler/Einwohner von Trinidad und Tobago bzw. Serbien und Montenegro”.
Mit Formen wie ›Trinidader (und Tobagoer)‹ oder ›Serben und Montenegriner‹ kann man sich zwar behelfen, jedoch sind diese Formen nicht amtlich

Für Sie nachgeschlagen

Hattrick

der; -s, -s [engl. hat trick, eigtl. = Huttrick; nach einem früher beim Kricket geübten Brauch, den Vollbringer dieser Leistung mit einem Hut zu beschenken]:
a) (bes. Fußball, Handball) drei in unmittelbarer Folge vom gleichen Spieler im gleichen Spielabschnitt erzielte Tore [...];
b) (Sport) dreimaliger Erfolg (in einer Meisterschaft o. Ä.) [...]

Aus: Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. Mannheim 2002.

Freitag, 16 Juni, 2006