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Duden-Newsletter (14.12.12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie in der letzten Woche eine Nikolausdecke gesehen? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, selbst wenn der Nikolaus gar nicht persönlich bei Ihnen war.
 
Zudem geht es in dieser Ausgabe um einen Klassiker – den Bindestrich in Zusammensetzungen und Aneinanderreihungen. Was dabei zu beachten ist, klären wir im zweiten Teil.
 
Nachgeschlagen haben wir schließlich noch ein paar weihnachtliche Sprachtipps.
 
Gute Unterhaltung wünscht Ihnen
 
Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Nikolausdecke
 
Vermutlich ahnen Sie schon, dass damit nicht einfach eine Decke gemeint ist, die sich ein als Nikolaus verkleideter Mensch schwungvoll über die Schultern geworfen hat. Das Vertrackte an dieser sowie auch an vielen anderen Zusammensetzungen ist, dass man nicht einfach vom Inhalt der einzelnen Bestandteile auf den Inhalt der Bildung schließen kann. Hinzu kommt, dass in diesem Beispiel das Grundwort Decke polysem ist, also mehrere Bedeutungen hat (z. B. „Bettdecke, Zimmerdecke“ etc.).
 
Andererseits macht gerade das den Reiz der deutschen Sprache aus: Mithilfe von Zusammensetzungen lassen sich komplizierte Zusammenhänge rasch und bequem in einem Wort zusammenfassen. Statt von einer „Stelle, an der zu bestimmten festen Zeiten ein Bus hält“, zu reden, sagen wir einfach Bushaltestelle. Und auch unter der Nikolausdecke stecken mehr als nur zwei aneinandergeschobene Wörter.
 
Um die Bedeutungsfrage endlich aufzulösen: Mit der Decke ist eine Straßendecke bzw. der Fahrbahnbelag gemeint. In etlichen Gemeinden ist gegen Jahresende, also etwa zur Nikolauszeit, noch Geld übrig, das man nicht verfallen lassen will. Also werden noch schnell kleinere Ausbesserungsarbeiten an den Straßen vorgenommen. Der hierbei aufgebrachte Belag – das ist die gesuchte Nikolausdecke.

Hätten Sie's gewusst?

Bindestrich in Zusammensetzungen und Aneinanderreihungen
 
Wenn man die einzelnen Bestandteile einer Zusammensetzung deutlich voneinander trennen möchte (z. B. weil das Wort sonst unübersichtlich ist), kann man einen Bindestrich setzen: Umsatzsteuer-Tabelle, Assessment-Center. Enthält die Zusammensetzung ein Fugenelement, ist der Bindestrich nicht zu empfehlen, also besser Versicherungsvertreter als Versicherungs-Vertreter.
 
Der Bindestrich muss dagegen gesetzt werden, wenn das erste Glied eine Ziffer oder eine Abkürzung ist (km-Stand, 3-Tonner, US-amerikanisch) oder wenn es sich um eine Aneinanderreihung handelt.
Letzteres ist ein Sonderfall der Zusammensetzung, bei dem der erste Bestandteil aus mehreren Wörtern besteht, die alle gleichzeitig zum Grundwort hinzukommen: Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Rhein-Main-Donau-Kanal, Vitamin-A-Gehalt, 200-m-Lauf. Zu den Aneinanderreihungen zählt übrigens auch der substantivierte Infinitiv, sofern er aus mehr als zwei Wörtern besteht: das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben.

Für Sie nachgeschlagen

die Weihnacht / das Weihnachten / die Weihnachten
 
Das endungslose Substantiv die Weihnacht (Femininum Singular) wird gelegentlich neben der üblichen Form Weihnachten gebraucht: Ich wünsche dir eine frohe Weihnacht / frohe Weihnachten. Es ist vor allem in der religiösen Sprache zu finden, ebenso in der Wendung zu Weihnacht. Die Form Weihnachten ist aber standardsprachlich im Allgemeinen als ein Neutrum Singular anzusehen: Es war ein schönes Weihnachten. Es wird vorwiegend ohne Artikel gebraucht: Weihnachten ist längst vorbei. Weihnachten steht vor der Tür.
 
Im regionalen Sprachgebrauch wird Weihnachten aber häufig als Plural aufgefasst (so auch meist in Österreich und der Schweiz) und dann überwiegend mit einem Artikelwort oder Adjektiv gebraucht: Ich werde diese Weihnachten in Berlin verleben. Nächste Weihnachten werde ich nicht zu Hause bleiben (dafür üblicher: Nächstes Jahr Weihnachten oder zu Weihnachten ...).
 
In bestimmten formelhaften Wendungen, vor allem als Wunschformel zum Weihnachtsfest, ist der Plural allgemeinsprachlich und nicht auf den regionalen Sprachgebrauch begrenzt: Fröhliche Weihnachten! Weiße Weihnachten sind zu erwarten. [...]

Aus: Duden 9, Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim 2011.

Freitag, 21 Dezember, 2012
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