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Duden-Newsletter (14.10.11)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer etwas „missgedeutet“ hat und es daher auch „zu missverstehen“ droht, dem scheint da etwas ganz schön „missgeraten“ zu sein. Die Verben mit der Vorsilbe miss- können einen aber auch ins Grübeln bringen. Denn grammatisch einheitlich verhalten sie sich nicht. Davon gleich mehr zu Beginn.

Da haben wir ja dieses Mal unseren Newsletter gleich mit einigen ganz schön „missgestalten“ Verbformen begonnen - oder doch eher mit „missgestalteten“? Das klären wir im Anschluss.

Passend zur Pilzsaison haben wir dann noch einen sprachlich besonders interessanten Vertreter der Gattung für Sie nachgeschlagen - den Hallimasch.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Feine Unterschiede bei der Vorsilbe miss-

In der Regel bilden Verben mit der Vorsilbe miss- das Partizip II und den Infinitiv mit „zu“ wie andere Verben auch, die eine unbetonte Vorsilbe aufweisen:
missachtet - zu missachten; missbraucht - zu missbrauchen; missfallen - zu missfallen; misstrauen - zu misstrauen; missleitet - zu missleiten.

Wenn miss- jedoch ausnahmsweise (nach dem Muster von „maßregeln“) den Hauptton trägt, dann werden das Partizip II und der Infinitiv mit „zu“ wie folgt gebildet:
missgeleitet - misszuleiten; missverstanden - misszuverstehen.

So hätte es zu Beginn unseres Newsletters auch besser heißen sollen: „Wer etwas missdeutet hat und es daher auch misszuverstehen droht, dem scheint da etwas ganz schön missraten zu sein.“

Hätten Sie's gewusst?

missgestalt/missgestaltet

Dass „zu missverstehen“ eher eine miss- als wohlgestalte Form ist, haben wir ja erklärt. Aber ist ein Ausdruck wie „eine missgestalte Form“ oder „eine wohlgestalte Form“ überhaupt korrekt? Muss es nicht eher „eine missgestaltete Form“ bzw. „eine wohlgestaltete Form“ heißen? Nun: Üblicher ist Letzteres schon, falsch das Erstere deshalb aber nicht, nur seltener verwendet.

Das Wort gestalt gehört als altes adjektivisch gebrauchtes Partizip II zu stellen in der Bedeutung „beschaffen“. Heute finden wir es nur noch in Zusammensetzungen wie wohlgestalt, missgestalt, ungestalt, schöngestalt.
Daneben gibt es aber auch das zweite Partizip gestaltet von gestalten in Zusammensetzungen und Fügungen wie wohlgestaltet, missgestaltet, ungestaltet, recht hübsch gestaltet, planvoll gestaltet.

Beide Formen werden oft bedeutungsgleich verwendet, gelegentlich aber auch so unterschieden, dass die Zusammensetzungen mit -gestalt in der Bedeutung „von Natur aus in bestimmter Weise beschaffen und gewachsen“ verwendet werden und die Zusammensetzungen und Fügungen mit gestaltet in der Bedeutung „von Menschenhand geschaffen“.

Für Sie nachgeschlagen

Hallimasch

Ein bemerkenswert undeutlicher Name für einen Pilz, wo Pilze doch sonst so treffend heißen wie „Stinkmorchel“ oder „Ungiftiger Schleimkopf“. In „Hallimasch“ findet sich wohl das alte Wort hæl = „schlüpfrig“, weil er im Herbst einen schleimigen Kopf hat oder - wie bei vielen Pilzen - in Mengen genossen abführend wirkt. Im Bayrischen gibt es noch eine deftigere Erklärung, die auf der gleichen Annahme fußt: Hall im Arsch.

Aus: Heringers Reizwörterbuch. Unwiderstehlicher deutscher Wortschatz. Mannheim 2011.

Freitag, 14 Oktober, 2011