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Duden-Newsletter (06.08.10)

Liebe Leserin, lieber Leser,

um in einem Text wichtige Stellen hervorzuheben, wird statt Anführungszeichen oft ein verändertes Druckbild gewählt, beispielsweise Fett- oder Kursivdruck. Im ersten Teil dieses Newsletters gehen wir der Frage nach, was mit den Zeichen geschieht, die direkt auf so eine hervorgehobene Form folgen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Entstehung der ie-Schreibung für ein langes „i”.

Inspiriert durch den Fettdruck vom Beginn, haben wir schließlich noch zwei beliebte Redewendungen mit „Fett” für Sie nachgeschlagen.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung


Was Sie schon immer wissen wollten

Schriftauszeichnung

Zur Hervorhebung bestimmter Wörter oder Begriffe in einem Text stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Üblich sind Fett- oder Kursivdruck, Sperrung (zwischen die einzelnen Buchstaben eines Wortes wird jeweils ein L e e r z e i c h e n gesetzt), Versalien (GROSSBUCHSTABEN) oder Kapitälchen (Großbuchstaben, die von der Größe her den KLEINBUCHSTABEN entsprechen). Die hier angeführten Beispiele waren alle unproblematisch, da sie mitten im Satz standen. Wenn jedoch direkt nach einem hervorgehobenen Wort ein Satzzeichen kommt, stellt sich die Frage, ob es in der Auszeichnungsschrift oder in der Grundschrift stehen soll. In der Regel sollte man sich für die Auszeichnungsschrift entscheiden, auch wenn Ausnahmen aus ästhetischen Gründen möglich sind. Etwas kompliziert ist die Angelegenheit bei Klammern, da diese oft längere Textteile einschließen, welche dann gemischt geschrieben sind. Hier wird meist die Grundschrift verwendet, es sei denn, in den Klammern steht nur die Auszeichnungsschrift.

Da Auszeichnungsschriften häufig auch für Eigennamen verwendet werden, wird es dann spannend, wenn der Eigenname mit einer Endung versehen wird. Infrage kommen hier das Genitiv-s und die Endung -sche. Die beiden werden unterschiedlich behandelt. Das Genitiv-s steht ebenfalls in der Auszeichnungsschrift: Goethes oder SCHILLERS Werke. Die Endung -sche hingegen, die aus Eigennamen Adjektive entstehen lässt, wird in der Grundschrift angehängt: die goetheschen oder s c h i l l e r schen Schriften.

Hätten Sie’s gewusst?

Die Entstehung der ie-Schreibung

Eine Besonderheit der deutschen Rechtschreibung ist es, das lange i nicht als ih zu schreiben (Ausnahmen sind die Pronomen ihm, ihr und ihn), sondern als ie. Wie kam es eigentlich dazu? Bei der Lösung dieses Rätsels hilft ein Blick ins Mittelhochdeutsche. Damals gab es ebenfalls Wörter, die mit ie geschrieben wurden, allerdings wurde es da auch so gesprochen, nämlich als Diphthong ( = Doppellaut) ? ähnlich wie im Bayrischen.
Zum Neuhochdeutschen hin erfolgte dann eine sogenannte Monophthongierung. Das bedeutet, dass die mittelhochdeutschen Diphthonge ie, uo, üe jeweils zu langem i, u und ü wurden. Ein schönes Beispiel ist liebe guote brüeder, was im Neuhochdeutschen zu liebe gute Brüder wird.
Bei uo und üe wurde die Schreibweise jeweils entsprechend der neuen Aussprache geändert ? nur beim „ie” blieb sie erhalten. Um lange i-Laute, die auf dem Weg zum Neuhochdeutschen zusätzlich entstanden waren, zu kennzeichnen, wurde diese Schreibung dann sogar auf Wörter ausgeweitet, in denen das e ursprünglich gar nicht stand. So wurde beispielsweise aus der mittelhochdeutschen zwibel (mit kurzem i) die neuhochdeutsche Zwiebel.

Für Sie nachgeschlagen

sein Fett [ab]bekommen/[ab]kriegen (umgangssprachlich): verdientermaßen für etw. getadelt, bestraft werden

sein Fett [weg]haben (umgangssprachlich): die verdiente Strafe bekommen haben

Der Ursprung beider Wendungen ist nicht sicher geklärt. Vermutlich liegt ein ironischer Vergleich mit dem früheren Brauch des gemeinsamen Schweineschlachtens zugrunde, wobei jeder eine bestimmte Menge Fett erhielt, jeder ? wie es hieß ? „geschmiert” wurde. (Durch ironischen Gebrauch von schmieren entwickelte sich später jmdm. eine schmieren im Sinne von „jmdn. ohrfeigen”.)

Aus: Duden 11, Redewendungen. Mannheim 2008.

Freitag, 6 August, 2010