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Duden-Newsletter (04.09.09)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Frage nach der Schreibung von Infinitiven ist in der Duden-Sprachberatung ein wahrer Dauerbrenner: Wann ist die Grundform des Verbs als Substantivierung zu sehen und muss großgeschrieben werden? In welchen Fällen wird ein mit zu erweiterter Infinitiv getrennt geschrieben und in welchen zusammen? Im ersten und zweiten Teil unseres Newsletters greifen wir diese Themen heute noch einmal auf.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Nächte sind schon merklich kühler - die Zeit der Affenhitze ist vorüber. Zwei Redewendungen, in denen es ebenfalls um unsere nächsten Verwandten geht, haben wir heute für Sie nachgeschlagen.

Viel Vergnügen beim Schmökern wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Substantivierter Infinitiv

Als substantiviert gilt ein Infinitiv immer dann, wenn er klassische Merkmale eines Substantivs aufweist, also beispielsweise mit einem Artikel oder Adjektiv verbunden ist, mit einer Präposition verknüpft ist oder durch ein Genitivattribut ergänzt wird; in all diesen Fällen muss grundsätzlich großgeschrieben werden: Das Rauchen ist verboten. Zu schnelles Fahren ist gefährlich. Dein Verhalten ist zum Davonlaufen. Das gedankenlose Quälen eines Tieres sollte strenger bestraft werden.
Solche Substantivierungen können recht komplex sein, d. h., der Form des Infinitivs als letztem Bestandteil können andere Bestandteile vorausgehen - Großschreibung gilt aber auch dann: Verrat mir doch dein Rezept zum Schlankwerden! Wir haben kaum noch an das Zustandekommen des Vertrages geglaubt.

Knifflig wird es, wenn bei einem Infinitiv ohne Artikel oder nähere Bestimmung nicht klar ist, ob es sich nun um einen verbalen oder einen substantivierten Infinitiv handelt. In diesen Fällen kann man allerdings gar nichts falsch machen, denn nun sind Groß- und Kleinschreibung gerechtfertigt: Radfahren / Rad fahren ist ein Beitrag zum Umweltschutz. In den Ferien übte Tante Erna mit uns Kindern schwimmen / [das] Schwimmen.

Hätten Sie’s gewusst?

Infinitiv mit zu

Werden Infinitive mit zu erweitert, stellt sich oft die Frage nach der Getrennt- oder Zusammenschreibung. Hierzu gibt es eine ganz klare Regel: Wird die Grundform eines trennbaren Verbs (also etwa: weglaufen, zusammenarbeiten, aufblühen etc.) zusammengeschrieben, muss grundsätzlich auch die Erweiterung mit zu so behandelt werden. Es hat keinen Sinn, vor allem und jedem wegzulaufen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als stumm zuzuhören. Das Beste wäre es, jetzt erst mal zusammenzuarbeiten.
Vorsicht ist geboten bei Verben, die nicht trennbar sind; hier steht zu für sich, die Verbform wird ohnehin immer zusammengeschrieben: Sie entschlossen sich, jeglichen Kontakt zu unterbinden.
Wird die zugrunde liegende Verbverbindung getrennt geschrieben, so ist die Erweiterung mit zu in drei Wörtern zu schreiben: Pünktlich da zu sein[,] ist oberstes Gebot. Es stünde dir gut an, ausnahmsweise mal Rücksicht zu nehmen.

Für Sie nachgeschlagen

Einen Affen an jemandem gefressen haben

Umgangssprachlich wird diese Redewendung gebraucht, wenn man jemanden über die Maßen gern hat: Sie hat an ihren Kindern einen Affen gefressen. An dem Münchner Libero hat der neue Trainer einen Affen gefressen. - Die Wendung bezieht sich vermutlich auf die Vorstellung von einem kleinen Kobold, der wie ein ausgelassenes Äffchen im Kopf eines Menschen herumspukt, wenn dieser z. B. Alkohol getrunken oder sich rettungslos verliebt hat. Auch die Beobachtung, dass eine Affenmutter ihr Junges vor Zärtlichkeit fast erdrückt und geradezu aufzufressen scheint, kann der Wendung „an jemandem einen Affen gefressen haben” zugrunde liegen.

Dem (auch: seinem) Affen Zucker geben

Die umgangssprachliche Wendung in der Bedeutung „immer wieder über sein Lieblingsthema sprechen; seiner Marotte, Schwäche nachgeben” bezieht sich auf das närrische Benehmen des Affen. Wie früher einmal der Leierkastenmann oder Scherenschleifer seinem Äffchen ein Stück Zucker gab, damit es seine Kunststückchen zeigte, so füttert man im übertragenen Sinn die eigenen Vorlieben oder Schwächen mit „Zucker”, wenn man ständig darüber redet oder ihnen nachgibt: Die meisten, die sich zur Diskussion meldeten, wollten nur ihrem Affen Zucker geben.


Freitag, 4 September, 2009