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Duden-Newsletter (02.09.13)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Sprache wandelt sich stetig. Dass sich dies nicht nur im Bereich des Wortschatzes, sondern auch bei der Wortbildung beobachten lässt, ist das erste Thema dieses Newsletters.
 
Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit Bedeutungen – verblassten und übertragenen.
 
Nachgeschlagen haben wir für Sie schließlich, woher das Wort Medium stammt und in welchen Bereichen es verwendet wird.
 
Gute Unterhaltung wünscht Ihnen
 
 
Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Sprachwandel in der Wortbildung
 

In der Sprachwissenschaft werden zwei grundsätzliche Wortbildungstypen unterschieden: Ableitung (Derivation) und Zusammensetzung (Komposition). Dabei ist die Komposition die Zusammensetzung von Wörtern, welche auch allein vorkommen können, z. B. Wein + Glas = Weinglas. Die Derivation dagegen ist definiert als Ableitung von einem Wort mithilfe einer Vorsilbe (Präfix) oder einer Nachsilbe (Suffix), z. B. ver + sprechen = versprechen, Sand + ig = sandig. Präfixe und Suffixe können nicht allein stehen – zumindest gegenwartssprachlich nicht mehr. Doch hätten Sie gedacht, dass sich viele von ihnen auf Wörter zurückführen lassen? So bedeutete -lich früher „Körper, Leib“; -heit hieß in etwa „Person, Gestalt“. Also handelte es sich bei vielen heutigen Ableitungen einst um Zusammensetzungen. Dieser Prozess lässt sich auch heute noch beobachten. Ein besonders produktives Beispiel ist -mäßig, das zwar auch als eigenständiges Wort existiert, sich aber bereits wie ein Suffix verhält, indem es an alle möglichen Substantive tritt: gewohnheitsmäßig, schweinemäßig, wettermäßig. Dabei verblasst allmählich seine eigene Bedeutung, sodass man hier von einem Halbsuffix spricht. Irgendwann wird es mäßig allein vielleicht nicht mehr geben. Dann ist es endgültig zum Suffix geworden, so wie -lich und -heit bereits vor ihm.

Hätten Sie's gewusst?

Verblasste und übertragene Bedeutung
 
Im ersten Teil dieses Newsletters (und auch schon in vielen früheren Beiträgen) war von verblasster Bedeutung die Rede. Was ist damit eigentlich genau gemeint? Zunächst zum Begriff Bedeutung: Eine Abfolge von Lauten (gesprochen) oder Buchstaben (geschrieben) wie z. B. auts ist (noch) kein Wort. Wenn sich die Laut- oder Buchstabenfolge auf ein Ding oder einen Vorgang bezieht, kann man diese Beziehung als Bedeutung wahrnehmen, z. B. bei Auto. Erst diese Einheit aus Form und Inhalt ist dann ein Wort. Bei den meisten Wörtern ist diese Beziehung recht fest. Wenn Sie beispielsweise an Auto denken oder an rennen, dürften Sie eine ziemlich genaue Vorstellung von der Bedeutung im Kopf haben. Wird die Beziehung zwischen dem Wort und der realen Welt lockerer, beginnt die Bedeutung zu verblassen. So hat stehen in der Kombination miteinander in Verbindung stehen nicht mehr die Hauptbedeutung, dass man sich in stehender Position befindet. Auch die Bedeutung des oben angesprochenen -mäßig wird immer diffuser. Als Halbsuffix heißt es nur noch etwas wie „in der Art von, so ähnlich wie“. Bei Suffixen ist die eigentliche Bedeutung noch stärker verblasst; so lässt sich bei -lich als Hauptfunktion feststellen, dass es eine Zugehörigkeit ausdrücken kann, aber mit der Ursprungsbedeutung hat das kaum noch etwas gemein.
Wörter haben in der Regel zunächst nur eine Bedeutung, beziehen sich also auf eine Sache in der realen Welt. Wenn Sie in einem Bedeutungswörterbuch nachschlagen, werden Sie feststellen, dass bei den meisten Begriffen mehrere Bedeutungen eingetragen sind, sie also eine Bedeutungserweiterung erfahren haben. In den meisten Fällen funktioniert dies über den Weg der Übertragung: Weil beispielsweise das geschliffene Glas für optische Geräte wie Ferngläser die Form einer Linse aufwies, wurde es auch so bezeichnet und das Wort Linse hatte seine Bedeutung erweitert. Oder anders ausgedrückt: Die Bedeutung des Wortes für die Hülsenfrucht wurde auf das geschliffene Glas übertragen (hier wegen der ähnlichen Form). Übertragene Bedeutungen begegnen uns in der Sprache sehr häufig, beispielsweise in Redewendungen wie zwei linke Hände haben. Hier bedeutet links zusätzlich „ungeschickt“. Auch in der Literatur treffen wir die übertragene Bedeutung an, z. B. als Stilmittel der Metapher, wenn eine schöne Frau als Rose bezeichnet wird.

Für Sie nachgeschlagen

Medium

Das seit dem 17. Jh. bezeugte Fremdwort ist aus dem substantivierten Neutrum des lat. Adjektivs medius „in der Mitte befindlich, mittlerer usw.“ entlehnt. Es erscheint in sehr verschiedenen Verwendungsbereichen: einmal als naturwissenschaftlicher Terminus im Sinne von „Mittel, Vermittlungsstoff“ zur Bezeichnung eines Trägers physikalischer oder chemischer Vorgänge, ferner allgemein im Sinne von „Vermittlung, vermittelndes Element“, schließlich im Bereich der Sprachlehre zur Bezeichnung einer medialen (am Aktiv wie am Passiv teilhabenden) Verhaltensrichtung des Verbs (wie sie z. B. für das Griechische typisch ist). Seit dem 19. Jh. spielt das Wort auch in Spiritismus und Okkultismus eine Rolle. Es gilt hier im Sinne von „vermittelnde Person im übersinnlichen Bereich“, danach auch allgemein im Sinne von „geeignete Versuchsperson“. Die Bedeutungserweiterung zu „(Massen-) Kommunikationsmittel“ hat sich in der Mitte des 20. Jh.s wahrscheinlich unter dem Einfluss von engl. medium (im Plural media) vollzogen. In dieser Bedeutung wird meist der Plural Medien verwendet. ‒ Lat. medius, das auch in ↑ Intermezzo, ↑ Meridian und ↑ Milieu enthalten ist, ist mit den unter ↑ Mitte genannten Wörtern urverwandt.
 
Aus: Duden 7, Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 2007.

Montag, 20 Januar, 2014