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Duden-Newsletter (02.05.08)

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einer regionalen Tageszeitung war kürzlich zu lesen: Psychopharmaka kann süchtig machen. Dass diese Medikamentengruppe auch in grammatischer Hinsicht mit Vorsicht zu genießen ist, zeigen wir im ersten Teil unseres heutigen Newsletters.

Schuster, bleib bei deinem Leisten heißt es oft, wenn ausgedrückt werden soll, dass man über nichts reden bzw. nichts tun sollte, wovon man nichts versteht. Hätten Sie gewusst, dass der Leisten des Schusters sprachgeschichtlich nichts mit der Leiste zu tun hat?

Schließlich haben wir noch Interessantes rund um den Familiennamen Schuster für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung


Was Sie schon immer wissen wollten

Psychopharmaka

Der Begriff Psychopharmaka, der grammatisch einem Plural entspricht, stammt ursprünglich aus dem Griechischen. Der Bestandteil Psycho... ist abgeleitet vom griechischen Wort für „Hauch, Atem, Leben, Seele“ und wird heute im Deutschen in der Bedeutung „Seele, Seelenleben, Gemüt“ oder auch „die Gesamtheit aller bewussten und unbewussten Erlebens- und Verhaltensweisen betreffend“ verwendet.

Pharmako... wiederum geht auf das griechische Wort für „Heilmittel; Gift“ zurück und hat als Wortbildungselement die Bedeutung „Heilmittel, Arzneimittel“. Unter der Bezeichnung Psychopharmaka werden verschiedene Arzneimittel zusammengefasst, die eine steuernde Wirkung auf die psychischen Abläufe im Menschen ausüben und darum in der modernen Medizin zur Behandlung seelischer Störungen verwendet werden. Psychopharmaka ist die Pluralform, der korrekte Singular lautet Psychopharmakon. In der eingangs erwähnten Titelzeile hätte es demnach korrekt heißen müssen: Psychopharmaka können süchtig machen.

Hätten Sie’s gewusst?

Leisten/Leiste

Das maskuline Substantiv der Leisten bezeichnet einen aus Holz oder Metall nachgebildeten Fuß für die Schusterarbeit oder aber einen Schuhspanner. Ursprünglich bedeutete der Name des Schuhmachergerätes „Spur, Fußabdruck“. Auch das Verb leisten, das im heutigen Sprachgebrauch im Sinne von „schaffen, können“ verwendet wird, ist davon abgeleitet, es bedeutet eigentlich „einer Spur nachgehen, nachspüren“. Zu dieser Wortgruppe gehört übrigens auch das Wort List, das „Wissen“ bedeutete und sich auf die Techniken der Jagdausübung und des Kampfes bezog.

Das feminine Substantiv die Leiste hingegen bedeutet „Rand, Saum, Borte“, es ist verwandt mit dem Wort Liste. Als die Leiste bezeichnet man auch die Übergangsstelle zwischen Rumpf und Oberschenkel.


Für Sie nachgeschlagen

Schuster

Dieser Berufsname nimmt den 67. Platz unter den Familiennamen in Deutschland ein. Er ist insgesamt etwas häufiger im Süden und Südosten bis einschließlich Sachsen. Zugrunde liegt ihm mittelhochdeutsch schuoster (= Schuhmacher, Schuster) [...].

Als Familiennamen sind noch vorhanden Schomaker, Schu(h)macher, weiterhin Schomann, Schuchmann, Schu(h)mann.

Die mittelhochdeutsche Bezeichnung schuochwürhte, eigentlich „Schuhwerker“, ergab Schubart(h), Schubert(h) sowie Schuchard, Schuchar(d)t und Schuchert.

Auf lateinisch sutor (= Flickschuster), das früher als mittelhochdeutsches Lehnwort suter in Süddeutschland verbreitet war und neben dem Schuster auch den Näher und Schneider bezeichnen konnte, gehen die Familiennamen Suter, Sutor, Sutter mit der alemannischen Verkleinerung Sütterlin sowie die diphthongierten Formen Sau(t)ter zurück [...].


Aus: Duden, Familiennamen. Mannheim 2005.

Freitag, 2 Mai, 2008