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Duden-Newsletter (01.06.07)

Liebe Leserin, lieber Leser,

das verflixte siebte Jahr wird oft beschworen und zitiert - nun hat es auch unser Newsletter überstanden. Morgen, am 2. Juni, wurde genau vor sieben Jahren der erste Duden-Newsletter verschickt. Dieses „kritische” Jahr gab uns jedoch keinerlei Grund zur Sorge - mittlerweile rund 120 000 Abonnent(inn)en sprechen für sich!
Für uns ist dieses Jubiläum daher auch ein Anlass, Ihnen einmal mehr für Ihr großes Interesse an unserem Newsletter ganz herzlich zu danken und uns passenderweise gleich zu Beginn mit dem verflixten siebten Jahr einmal näher zu beschäftigen!

Anschließend bleiben wir bei Zahlen. Wenn wir jetzt 7 Jahre Newsletter feiern, sollte das nicht eher mit dem ausgeschriebenen Zahlwort - sieben Jahre Newsletter - geschehen? Lesen Sie mehr dazu in der zweiten Rubrik.

Schließlich lassen wir noch die Muskeln spielen. Dass die Herkunft von Muskel auf ganz und gar nicht muskulöse, sondern eher possierliche kleine Zeitgenossen zurückgeht, haben wir für Sie nachgeschlagen.

Gute Unterhaltung wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Hätten Sie's gewusst?

Das verflixte siebte Jahr

Das verflixte siebte Jahr wurde bei uns allgemein bekannt und populär durch den gleichnamigen Spielfilm mit Marilyn Monroe aus dem Jahr 1955. Dieser Film trägt im englischen Original den Titel The Seven Year Itch und basiert wiederum auf einem Bühnenstück (gleichen Titels) des New Yorker Drehbuchautors George Axelrod.
In den USA war der Ausdruck the seven year itch (engl. itch = „Jucken, Juckreiz”) schon seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt, allerdings als Bezeichnung für eine ansteckende Hautkrankheit, die mitunter jahrelang andauern konnte. Die Krankheit verursachte juckende Pusteln auf Gesicht und Körper und war derart verbreitet und gefürchtet, dass man ihren Namen auch redensartlich verwendete und sie z. B. verhassten Zeitgenossen zudachte, ähnlich etwa der deutschen Wendung „jemandem die Pest an den Hals wünschen”.

Von solch unschönen Begleiterscheinungen ist man in heutigen „verflixten siebten Jahren” glücklicherweise verschont, wenn auch ganz andere Gefahren drohen. Im oben erwähnten Bühnenstück bzw. Film droht im siebten Jahr der Ehe des Hauptdarstellers ‚Gefahr’ in Gestalt einer schönen Nachbarin. Damit wurde der allgemeine Bedeutungswandel des Ausdrucks eingeleitet, wobei sicherlich auch eine Rolle spielte, dass itch im Englischen auch „Drang” bzw. „Jucken” im übertragenen Sinn bedeuten kann (im Sinne von „es juckt jemanden, etwas zu tun”). Jetzt war nicht mehr ein sieben Jahre andauerndes Phänomen gemeint, sondern eines, das genau im siebten Jahr eintritt. Der Filmtitel wurde somit - englisch wie deutsch - zum geflügelten Wort für die vermeintlich kritischste Phase einer Ehe oder Beziehung.
Mittlerweile ist vom verflixten siebten Jahr aber auch in Bezug auf Regierungsperioden, jährliche Veranstaltungen o. Ä. die Rede.

Was Sie schon immer wissen wollten

Schreibung von Zahlen

Was die Schreibung von Zahlen betrifft, so herrscht oft Verwirrung darüber, ob und wann man sie nun in Ziffern oder in Buchstaben schreiben muss. Hier können wir allgemein Entwarnung geben: Eine früher gültige Buchdruckerregel, nach der generell die Zahlen von 1 bis 12 in Buchstaben und die Zahlen ab 13 in Ziffern zu schreiben sind, gilt heute nicht mehr!
Es gibt jedoch nach wie vor einige Gepflogenheiten, an die man sich halten kann:

Die Zahlen von 1 bis 12 werden überwiegend dann in Ziffern geschrieben, wenn sie - z. B. in Statistiken oder wissenschaftlichen Texten - zusammen mit dem dazugehörigen Substantiv die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollen: Kurbel mit 2 Wellen; Zahnrad mit 2 Spindeln.

Auch vor Zeichen, Abkürzungen von Maßen, Gewichten, Geldsorten usw. ist die Zahl in Ziffern zu schreiben: 3 km; 7,4 kg; 6 EUR.

Steht statt der Abkürzung die entsprechende Vollform, kann man sowohl in Ziffern als auch in Buchstaben schreiben:
11 Kilometer/elf Kilometer; 2 Euro/zwei Euro.

Andererseits können die Zahlen von 13 an, sofern sie übersichtlich sind, auch ausgeschrieben werden, wie es z. B. in erzählenden Texten (Roman, Brief o. Ä.) geschieht:
Sie wurde siebenundsiebzig Jahre alt. Zu Ihrem fünfzigsten Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich.

Ansonsten werden nur ein- und zweisilbige Zahlwörter ausgeschrieben:
Über hundert Teilnehmer sind schon angemeldet. Sie besitzt fünfzehn Katzen. Hab tausend Dank!

Für Sie nachgeschlagen

Muskel

Die im Deutschen seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bezeugte Bezeichnung der fleischigen Teile des tierischen oder menschlichen Körpers, die durch Zusammenziehung und Erschlaffung Bewegung vermitteln, ist aus lateinisch musculus „Muskel” entlehnt. Dies ist eine Verkleinerungsbildung zu lateinisch mus „Maus” und bedeutet demnach eigentlich „Mäuschen”.
Die Bedeutungsübertragung des Wortes, die vielleicht auf einem Vergleich der unter der Haut zuckenden Muskeln mit einer laufenden Maus beruht, findet sich entsprechend auch in anderen Sprachen. Vergleiche z. B. griechisch mys „Maus; Muskel” und deutsch „Maus” im Sinne von „Muskel an Arm und Fuߔ (schon althochdeutsch), insbesondere „Muskelballen des Daumens”. Lateinisch musculus wurde auch in der Bedeutung „Miesmuschel” gebraucht; in diesem Sinne ist es die Quelle für unser Lehnwort „Muschel”.

Aus: Duden - Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 2007.

Freitag, 1 Juni, 2007
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