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Musik bewegt die Welt - Die Liebe hat sechs Saiten

von Jennifer Busch

Schon Mal gehört? Ohren auf! Warum Musik uns das Leben versüßt und auf eine ganz spezielle Weise Liebe und Last in die Welt hinausträgt erzählen junge Menschen aus Deutschland.

Ein Klang, eine Melodie. Dann ein Rhythmus. Und auf einmal ist es da: Dieses überwältigende Gefühl von Liebe, Leiden und Lust. Es bewegt sich etwas in uns, und wir stehen ganz still und fragen uns: Woher kommt das? Große Momente sind stets mit Musik unterlegt, sei es im Fußballstadion bei der Nationalhymne, im Kreise der Familie beim Weihnachtsgesang oder bei der spannenden Krimiszene, kurz bevor der Mörder zuschlägt. Wir erkennen Lieder wieder, die Musik in unseren Ohren weckt längst hinfällige Emotionen… Manche Menschen haben sogar ein auditives Gedächtnis, sie können sich Gehörtes besonders gut merken.

Die Musik spielt eine (unbewusst) große Rolle in unserem Leben. Was das bedeutet? Auf der Suche nach der Musikkultur begebe ich mich an einem regnerischen Samstagabend. In der Stadt ist viel los, vor Allem im Kneipenviertel. Es gibt einige Musikbars. Dort müssen Menschen zu finden sein, die etwas zur Musikkultur zu sagen haben. Sechs Jugendliche aus Deutschland reden mit mir über Musikkultur … Fernab aller wissenschaftlichen Hintergründe.

Alexander, 21 Jahre: „Musik kann so viel bedeuten. Mich bringt sie zum Nachdenken, an schlechten Tagen päppelt sie mich auf. Musik ist Kraft und Inspiration. Sie kann Gefühle erwecken, entdecken… Manchmal ist die Musik wie ein Psychiater für mich.“ Die Musik als Psychiater? Toll, denke ich, jemand der mir hilft, egal ob es mir gerade gut oder schlecht geht. Eine Art Befreiung ist Musik auch für Katharina, 17 Jahre: „Ich höre Musik oft zum Einschlafen. Die Klänge sind für mich wie eine Erholungskur. Auch ein Loslöser: In der Disco kann ich richtig abtanzen und vergesse alles um mich herum. Ebenso auf Konzerten. Man wird irgendwie eins mit den Leuten.“ Das ist ja fast wie eine Droge, denke ich.
Gregor, 20 Jahre gibt zu: „,Mit Musik bin ich schon durch schwere Zeiten gekommen. Ich mache selbst Musik. Der Frust kommt aufs Papier, da fällt mir manchmal ein Stein vom Herzen. Eine Last weniger. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich nicht mehr ohne Musik leben könnte. Meine Gitarre ist meine wahre große Liebe.“ Merkwürdig, denn die Musik ist keine Person, nichts was sich anfassen lässt.

„Ich kenne keinen, der Musik als Schandtat empfindet. Klar, es gibt „verbotene Musik“, mit Jugendschutz und Altersbeschränkung“, sagt Katrin, 19 Jahre. „Das lässt sich aber alles nicht verallgemeinern.“ Stimmt, nicht jede Musik gilt zwangsläufig für Jeden als „angenehm“ oder „schön“. Gerade da die Musik so gut im Ohr bleibt, ist es gefährlich, falsche Botschaften über sie zu transportieren. Davor muss unsere Gesellschaft geschützt werden. Also kann die Musik auch Gefahr sein.

„Das Tolle an der Musik sind vor allem die Texte“, findet Lukas, 23 Jahre. „Sie bieten Identifikation, man versteht, dass jeder menschlich ist. Es gibt nicht nur Kälte, auch wenn man das meinen mag, bei den meist finsteren Gesichtern auf der Straße“, er stockt, und ich sehe die Begeisterung in seinen Augen. „Durch die Musiktexte sind Bekundungen niederlegt. Dann weiß ich: Jemand fühlt genauso wie ich. Und gleichzeitig fühle ich mich mit diesen Menschen verbunden.“

Die Gefühle bleiben, die technische Entwicklung schreitet fort. Maximilian, 22 Jahre macht klar: „Früher gab es Walkmans. Davor habe ich die neuesten Radiohits mit meinem Kassettenrecorder aufgenommen. Heute ist jede Art von Musik fast überall verfügbar: Im Internet und auf meinem Handy. Wenn ich unterwegs bin und Musik höre, ist sie wie ein Langeweile Blocker“ Letztlich zeigt er sich bedrückt: „Wichtige Gespräche dürfen nicht ins Nebensächliche geraten.“

Es stimmt: Auf meinem Weg zurück mit der Straßenbahn wird mir klar: Kaum einer spricht miteinander. Die Mehrzahl, vor Allem der jungen Leute, hat Stöpsel in den Ohren. Klar, die Zeit ist schnelllebiger geworden. Daher mehr Stress. Aber lässt sich das durch Musik abblocken?

Als ich aussteige beobachte ich einen kleinen Jungen auf der Straße. Auch er hört gerade Musik, wie an den Lautsprechern in seinem Ohr, und im Vorbeigehen auch zu hören ist. Den englischen Song, der gerade in den Charts ist, vernehme ich schon von weitem. Hastig und genervt zieht ihn seine Mutter am Arm, sie redet auf ihn ein er solle sich beeilen. Doch da ich bereits aus einigem Abstand die Musik die er hört wahrnehme ist klar, dass er sie nicht verstehen kann. Eine Szene wie viele andere.
Das ist mir dann doch zu viel Musik. Da fehlt die Kommunikation. Die Musik darf nicht Anlass sein den Draht zur Gesellschaft zu verlieren. Wer will schon mit einem Stöpsel im Ohr leben?

Musik erzählt Geschichten über das Leben, vielleicht auch über die Zukunft. Musik muss das Leben schöner! Und für manchen erst lebenswert. Musik in 100 Jahren greift vermutlich immer noch die Vergangenheit auf, so wie wir heute die Musik unserer Großeltern als „Oldies“ hören. Auch große Komponisten wie Bach oder Mozart sind immer noch aktuell.
Musik gibt es seit jeher. Ob Trommeln, aktueller Hit oder klassische Stücke – Musik soll uns erhalten bleiben! Was bleibt? Die Musikkultur eines jeden ist eine individuelle, und doch hören wir viele Lieder immer wieder gemeinsam. Musikkultur lässt sich weder definieren, noch nach bestimmten Kriterien festlegen. Eigenartig und einzigartig, diese Musikkultur.