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Über den Rechtschreibduden

Interview mit Dr. Kathrin Kunkel-Razum,
Leiterin der Dudenredaktion,
zur 27. Auflage des Rechtschreibdudens

Warum erscheint jetzt ein neuer Duden?

Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der DudenredaktionDr. Kathrin Kunkel-Razum leitet die Wörterbucharbeit der Dudenredaktion

Kunkel-Razum: Der Rechtschreibduden erscheint alle drei bis fünf Jahre in einer neuen Auflage. Manchmal sind rechtschreibliche Änderungen der Grund, wie sie vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen und von der Kultusministerkonferenz bestätigt werden. Manchmal sind es auch „nur“ die Veränderungen im Wortschatz, die wir dokumentieren möchten. Diesmal liegen beide Gründe vor. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seinem Bericht vom Dezember 2016 vorgeschlagen, dass große ẞ einzuführen und bei einigen Fügungen aus Adjektiv und Substantiv auch die Großschreibung des Adjektivs als Variante zuzulassen. Man kann jetzt z. B. Alles Gute zum neuen oder zum Neuen Jahr schreiben. Die Kultusminister haben diesen Vorschlägen im Juni 2017 zugestimmt. Hinzu kommen aber natürlich die Wortschatzentwicklungen der letzten vier Jahre, also seit dem Erscheinen der letzten Auflage. Diese haben wir genau beobachtet, akribisch ausgewertet und nun dokumentiert.   

Welche Änderungen gibt es bei den Rechtschreibregeln und wer hat das beschlossen?

Kunkel-Razum: Es sind vor allem zwei Änderungen, die das amtliche Regelwerk betreffen: Das ẞ wird sozusagen erwachsen, also auch als Großbuchstabe zugelassen. Das ist wichtig vor allem für das Pass- und Personenstandswesen. Auch in der Werbung ist dieser neue Buchstabe wichtig, wird doch auch hier häufig in Großbuchstaben geschrieben.  Darüber hinaus hat der Rat für deutsche Rechtschreibung festgestellt, dass manche Adjektive in bestimmten festen Fügungen sehr häufig großgeschrieben werden, obwohl bisher nur die Kleinschreibung zugelassen war. Es ist eine der am Jahresende am häufigsten gestellten Fragen an die Duden-Sprachberatung, wie neu in Wir wünschen Ihnen alles Gute zum neuen Jahr geschrieben wird.

Bisher war eben nur die Kleinschreibung zulässig. Jetzt wird hier und bei einigen anderen auch die Großschreibung möglich, um dem Bedürfnis der Hervorhebung, das die Schreibenden wohl haben, entgegenzukommen. Das gilt z.B. auch für die goldene / Goldene Hochzeit.

Außerdem wurden einige Schreibvarianten aus der Wörterliste gestrichen, dazu gehören Majonäse und Ketschup. Sie haben keine Akzeptanz in der Sprachgemeinschaft gefunden.

Welche neuen Wörter haben es in den Duden geschafft?

Kunkel-Razum: Insgesamt haben wir 5 000 neue Wörter aufgenommen. Dazu gehören z.B. „Brexit“, „Fake News“ oder „Hasskriminalität“. Das Wort des Jahres 2016 „postfaktisch“ ist ebenso enthalten wie die über die Region Berlin hinaus bekannte Personalform „icke“.

Wie wählen Sie neue Wörter aus?

Kunkel-Razum: In den Rechtschreibduden werden Wörter aufgenommen, wenn sie gebräuchlich sind. Das heißt: Sie müssen in unserer elektronischen Textsammlung, die mehr als vier Milliarden Wortformen umfasst, häufig vorkommen. Sie müssen dabei aber auch in unterschiedlichen Quellen wie Zeitungen, Büchern etc. nachweisbar sein und über einen gewissen Zeitraum auftreten - es dürfen keine Eintagsfliegen sein. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, entscheidet die Dudenredaktion aus ihrer Erfahrung heraus und nach ihrem Fach- und Weltwissen über die Aufnahme ins Wörterbuch.

Welche Wörter wurden aus dieser Auflage gestrichen und warum?

Kunkel-Razum: Wir haben diesmal kaum Wörter gestrichen, da wir eine bewahrende Grundhaltung haben und die Wörter so lange wie möglich auch im gedruckten Duden vorhalten möchten. Eine Wortbildung wie Jahr-2000-fähig ist aber nicht mehr gebräuchlich und erscheint in unseren Quellen kaum noch. In „Duden online“ bleiben solche Wörter dagegen erhalten – dort gibt es kein Platzproblem – dort werden sie als „veraltet“ gekennzeichnet.

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