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Das große Eszett

Das ß (Eszett) ist gerade durch seine Bescheidenheit einzigartig: Als einziger Buchstabe unseres Alphabets tritt es nicht als Großbuchstabe auf. Oder nur: „bisher nicht"? War denn nicht in den letzten Wochen in den Medien allüberall die Rede von einem neu entworfenen, großen Eszett? Was ist davon zu halten?
Da Großbuchstaben in der Regel nur am Anfang eines Wortes erscheinen, dort aber nie ein Eszett auftritt, braucht man normalerweise gar kein großes Eszett. Andererseits wird ja auch gelegentlich durchgehend in Großbuchstaben geschrieben. Was dann? Die offizielle Regelung sieht vor, dann ß durch SS wiederzugeben. Das führt zu den bekannten Deutungsschwierigkeiten bei Ausdrücken wie „DIE MASSE EINES MAGERSÜCHTIGEN MODELS" (Maße oder Masse?) oder bei Personennamen wie „BARBARA HEUSS" (Heuß oder Heuss?).
Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ließ die frühere Regelung neben SS auch SZ zu (oft zu sehen in Architektenplänen: MASZSTAB 1 : 50). Da aber auch SZ keine Eindeutigkeit schafft (vgl. Keszler/Keßler), gilt die Darstellung durch SZ nicht mehr, es bleibt bei SS.
So ist die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich. Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun – in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 – ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.
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