Duden Suchbox

Duden-Newsletter vom 29.06.12

Zurück

Duden-Newsletter vom 29.06.12

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass „Mutters Auto“ nichts anderes ist als die Kurzform von „Mutter ihr Auto“, darauf kann man auch nur in wenigen regionalsprachlichen Umgebungen kommen. Dennoch hat „Mutters Auto“ schon etwas Ungewöhnliches, nämlich das Genitiv-s.
 
In „Vaters Auto“ dagegen ist das Genitiv-s gar nicht ungewöhnlich. Da wäre eher ein „e“ vor dem Genitiv-s ungewöhnlich, ja sogar falsch (nicht: „Vateres Auto“). Aber wieso eigentlich, „die Erfolge des neuen Vorstand[e]s“ sind doch auch in gleicher Weise mit oder ohne „e“ zu würdigen?
 
Und da schon so viel von Autos die Rede war, haben wir für Sie auch noch alles (sprachlich) Wichtige über Autotypenbezeichnungen nachgeschlagen.
 
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen 

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Genitiv-s
 
Feminine Substantive werden ja normalerweise im Genitiv ohne -s gebildet: „das Auto unserer Mutter, die Fuchsstola der Tante, die Forderungen der Obrigkeit, die Tiefe der Nacht“ usw. Regional allerdings (vor allem in der norddeutschen Umgangs- und Kindersprache) werden die Bezeichnungen für Verwandte wie „Oma, Vater, Mutter, Tante, Onkel“ u. a. nicht selten als Eigennamen – und deshalb ohne Artikel – verwendet. Als solche werden sie im Genitiv mit -s gebildet, auch wenn sie an sich feminin sind: „Mutters Auto“, aber: „das Auto der Mutter“. Genauso: „Tantes Fuchsstola, das Motorrad in Omas Hühnerstall.“
 
Andere feminine Substantive wiederum weisen das sonst unübliche Genitiv-s deshalb auf, weil sie entgegen ihrem eigentlichen Deklinationsmuster in Analogie zu ähnlichen Fügungen mit einem starken Maskulinum/Neutrum gebildet werden: „an Zahlungs statt“ (analog zu: „an Kindes statt“), „von Obrigkeits wegen“ (analog zu: „von Amts/Rechts wegen“), „des Nachts“ (analog zu: „des Tags“).

Hätten Sie's gewusst?

Genitiv mit -es oder -s
 
Dass der Genitiv Singular der starken maskulinen und neutralen Substantive auf -s endet, ist klar. Nicht ganz so klar ist, wann vor diesem -s noch ein „e“ steht, die Endung also insgesamt -es lautet, und wann nicht. Eines vorweg: Die Genitivendung -es kann weder als grundsätzlich besser (im Sinne von gehoben) betrachtet werden noch als veraltet. In vielen Fällen können beide Formen verwendet werden.
 
Die Endung „-es“ ist obligatorisch für Substantive auf -s, -ss, -ß, -z, -tz, sehr häufig bei Substantiven auf -sch und -st und häufig bei solchen auf -x: „die Geschwindigkeit eines Torschusses, die Form dieses Platzes, die Ursache eines solchen Reflexes“ usw. Aber: „die Schenkel des Frosch[e]s, die Philosophie des Trost[e]s, die Freuden des Sex[es]“ usw.
 
Dagegen steht die Endung -s im Allgemeinen bei Substantiven auf „-en, -em, -el, -er, -end, -chen, -lein, -ig“: „Zeit des Erwachens (Oliver Sacks), die langen Ohren eines Esels, Vaters Auto, der Beginn allen Elends usw. Auch bei den meisten Eigennamen, die nicht Komposita sind, endet der Genitiv nur auf -s: Borbecks uraltes Schloss“ usw.
 
Häufig aber kann der Genitiv grundsätzlich genauso gut mit -es oder mit -s gebildet werden: „Verlust des Mut[e]s, die Schönheit unseres Land[e]s, die Erfolge des neuen Vorstand[e]s“ usw.
 
Aus lautlichen Gründen setzt man, obwohl auch die Form auf -s korrekt wäre, häufiger die Form mit -es ein, wenn es sich um ein Kompositum mit Fugen-s handelt: „des Werkstores, des Geschäftsfreundes“ usw. – oder bei Substantiven, die auf mehr als einen Konsonanten ausgehen: „des Geldes, des Stumpfes“ usw.
Die einfache Endung auf -s wiederum wird, obwohl hier auch -es korrekt wäre, bei Substantiven mit unbetonter Endsilbe bevorzugt: „des Urlaubs, des Einfalls“ usw. – besonders bei Komposita (sofern sie nicht mithilfe eines Fugen-s gebildet sind oder der Ausgang des jeweiligen Grundwortes dagegenspricht): „des Dornstrauchs, des Niedergangs“ usw.
 
Allerdings: Aus rhythmischen oder stilistischen Gründen werden viele der hier genannten Üblichkeiten für die Verwendung von „-es“ bzw. „-s“ nicht immer berücksichtigt.

Für Sie nachgeschlagen

Autotypenbezeichnungen
 
1. Schreibung: Autotypenbezeichnungen wie VW Golf, Opel Astra, Ford Mondeo u. a. werden ohne Bindestrich geschrieben.
 
2. Deklination: Auch im Genitiv Singular und im Plural stehen Autotypenbezeichnungen in der Regel ohne Deklinationsendung, also: des Opel Astra, des Fiat Punto, 5 VW Golf; die Innenausstattung des Fiesta; die neuen Passat.
 
3. Genus: Autotypenbezeichnungen bzw. Markennamen von Autos sind ‒ von wenigen Ausnahmen (die Dauphine [Renault], die Isabella [Borgward], das Goggomobil) abgesehen ‒ maskulin: der Ford Mondeo, der Opel Astra, der VW, der Mercedes, der BMW. Die Bezeichnungen von Motorradtypen bzw. Markennamen von Motorrädern sind dagegen feminin: die Zündapp, die Honda, eine schwere BMW 500.
 
4. Coupé, Cabrio: An eine Autotypenbezeichnung kann die Bezeichnung der Ausführung (ebenfalls ohne Deklinationsendung) angeschlossen werden, ohne dass sich am Genus etwas ändert: der Mercedes CLK Coupé, des VW Golf Cabrio. Man kann aber auch Komposita bilden. Dann richtet sich das Genus nach der Bezeichnung der Ausführung; sie wird dekliniert, und man setzt Bindestriche zwischen die einzelnen Bestandteile: zwei Audi-A4-Cabrios, des Audi-A4-Cabrios, das Mercedes-CLK-Coupé.
 
Aus: Duden 9, Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim 2011.

Anmeldung Newsletter