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Duden-Newsletter vom 13.05.11

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Duden-Newsletter vom 13.05.11

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem Duzen und dem Siezen ist das so eine Sache - nicht selten tritt man ganz ordentlich ins Fettnäpfchen. Welche grundsätzlichen Regeln zu beachten sind, lesen Sie gleich zu Beginn.

Das Semikolon führt unter den Satzzeichen der deutschen Sprache gewissermaßen ein Schattendasein. Unser heutiger zweiter Teil bringt hier mehr Licht ins Dunkel.

Nachgeschlagen haben wir dann noch, was man unter dem sogenannten Hamburger Sie versteht.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Duzen oder Siezen?

Oft ist es gar nicht so einfach, zu entscheiden, ob man beim "Sie" bleiben soll oder zum "Du" übergehen kann. Sicherlich gibt es einige Bereiche oder Branchen, in denen das Duzen an der Tagesordnung ist. Grundsätzlich ist im Geschäftsleben oder bei neuen Kontakten aber zunächst das "Sie" die korrekte Ansprache und gerade im beruflichen Umfeld wird dadurch eine notwendige und durchaus nützliche Distanz gewahrt; es ist durchaus möglich, dass sich Menschen bedrängt oder nicht respektiert fühlen, wenn sie ungefragt geduzt werden.

Kommt man als neuer Kollege in eine Abteilung, in der es üblich ist, sich zu duzen, sollte man dennoch nicht gleich mitduzen, sondern zunächst warten, bis das "Du" angeboten wird. Im Berufsleben bestimmt sich der Rang nach der betrieblichen Hierarchie, d. h., das "Du" wird von oben nach unten angeboten, der Chef bietet es dem Mitarbeiter an, die ältere Kollegin der jüngeren. Doch selbst wenn man selbst in der ranghöheren Position ist, ist es ratsam, grundsätzlich zurückhaltend zu sein, solange man sein Gegenüber nicht richtig einschätzen kann. Längst nicht jeder möchte mit allen möglichen Leuten per "Du" sein, auch (und vielleicht besonders) nicht mit dem Vorgesetzten.
Von wirklich schlechten Manieren zeugt es allerdings, wenn ein Ranghöherer Rangniedrigere ungefragt duzt oder wenn Angehörige bestimmter Berufsgruppen grundsätzlich geduzt werden.

Hätten Sie's gewusst?

Das Semikolon

Das Semikolon, auch Strichpunkt genannt, nimmt zwischen Komma und Punkt eine Mittelstellung ein: Trennt ein Komma zu schwach, ein Punkt aber zu stark, kann ein Semikolon gesetzt werden. Da sich nicht eindeutig festlegen lässt, wann dies der Fall ist, liegt die Setzung eines Semikolons weitgehend im Ermessen des Schreibenden.

Häufig gesetzt werden Semikola in Aufzählungen, vor allem, um Sinneinheiten voneinander abzugrenzen: "Unser Proviant bestand aus Dörrfleisch, Speck und Schinken; Ei- und Milchpulver; Reis, Nudeln und Grieß." (Möglich wäre in diesem Beispiel auch ein Komma.) Auch wenn die einzelnen Glieder von Aufzählungen untereinander angeordnet sind, werden oft Semikola gesetzt, wichtig ist dann, dass das letzte Glied der Aufzählung durch einen Punkt abgeschlossen wird.
Mit einem Semikolon können auch Hauptsätze voneinander abgegrenzt werden, die inhaltlich eng miteinander verbunden sind, dennoch aber deutlicher als durch ein Komma getrennt werden sollen. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Sätze das gleiche Subjekt haben oder nicht: "Die Familie meiner Mutter stammt aus Frankreich; die Vorfahren meines Vaters dagegen sind aus Ungarn eingewandert."

Eine starke Tendenz zum Semikolon besteht auch dann, wenn Sätze mit Konjunktionen oder Adverbien wie denn, doch, deshalb etc. angeschlossen werden: "Meine Freundin hatte den Zug versäumt; deshalb kam sie zu spät."
Zu beachten ist in jedem Fall, dass ein Semikolon grundsätzlich nebenordnende Funktion hat; es kann deshalb nie zwischen Haupt- und Nebensätzen stehen.

Für Sie nachgeschlagen

Das Hamburger Sie

Unter dem „Hamburger Sie“ versteht man die Anrede mit Vornamen und „Sie“. Das ist ein eleganter Mittelweg für Kontakte, bei denen man sich einerseits nicht vertraut genug zum Duzen ist, andererseits das Siezen als zu distanziert empfunden wird.
Nützlich ist es auch bei asymmetrischen Beziehungen, etwa zwischen Professoren und Studierenden oder wissenschaftlichen Hilfskräften oder zwischen der älteren Chefin und dem gerade der Pubertät entwachsenen Azubi. Dann kann das „Hamburger Sie“ sogar einseitig verwendet werden: Die Respektsperson nennt die untergebene, jüngere oder ihr zur Ausbildung anvertraute Person bei ihrem Vornamen, lässt sich selbst aber mit „Herr“ oder „Frau“ und ihrem Nachnamen anreden. Gleichzeitig reden sich beide mit „Sie“ an.
Aber auch die gegenseitige Anrede mit dem Hamburger „Sie“ gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, vor allem in Unternehmen und Institutionen, die im internationalen Umfeld agieren. Das bewahrt Sie vor der Frage, ob das englische „you“ im Deutschen mit „Sie“ oder „Du“ zu übersetzen ist.

Aus: Duden Praxis kompakt - Sichere Umgangsformen. Mannheim 2011.

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