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Duden-Newsletter vom 01.04.11

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Duden-Newsletter vom 01.04.11

Liebe Leserin, lieber Leser,

verschachern, verscherbeln, verkloppen - seit das Kaufen und Verkaufen von Waren einen großen Teil des menschlichen Lebens bestimmen, kennen Sprachen unzählige Ausdrücke für diese Vorgänge. Einige davon haben wir hier genauer unter die Lupe genommen.

Fällt Ihnen auch manchmal auf, dass neben den Formen du kaufst, er kauft oft auch die Formen du käufst, er käuft verwendet werden? Warum diese umgelauteten Formen des Verbs kaufen nicht korrekt sind, lesen Sie in der zweiten Rubrik.

Nachgeschlagen haben wir heute einen Beitrag aus dem Duden-Praxisbuch "Kaufmännisches Rechnen" zum Thema Mehrwertsteuer.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

verkaufen/veräußern

Für den Vorgang des Verkaufens oder Veräußerns kennt die Umgangssprache eine Fülle von Ausdrücken - es ist nicht erstaunlich, dass eine ganze Reihe davon ihren Ursprung in der Gaunersprache hat. So stammt das erstmalig Anfang des 17. Jahrhunderts bezeugte Verb schachern/verschachern in der Bedeutung „handeln, feilschen, billig losschlagen“ aus dem Rotwelschen, der deutschen Gaunersprache. Es geht zurück auf hebräisch sakar (= mieten, anstellen). Das Wort verhökern („billig zum Kauf anbieten, zu Geld machen“) gehört wie auch Höker („Kleinhändler, Krämer“) wahrscheinlich zu Hucke („auf dem Rücken getragene Last“). Verscherbeln, ebenfalls in der Bedeutung „unter Wert verkaufen“, ist verwandt mit dem Scherflein, dem kleinen Geldbetrag, ursprünglich eine Münze mit geringem Wert. Und verkloppen hat seinen Ursprung im Zuschlag mit dem Hammer bei Auktionen.

Das eingangs aufgeführte standardsprachliche Verb veräußern, das vor allem in der Rechtssprache Anwendung findet, war schon im Mittelhochdeutschen in der Bedeutung „aus der Hand, aus dem Besitz geben, verzichten auf“ gebräuchlich.

Hätten Sie's gewusst?

Starke und schwache Verben

Bei der Beugung der deutschen Verben unterscheidet man je nach ihrer Bildung zwischen schwacher und starker Beugung (daneben gibt es noch unregelmäßige Mischformen).
Die schwachen Verben bilden ohne Veränderung des Stammvokals das Präteritum mit -(e)t und fügen zur Bildung des Partizips II das Präfix ge- hinzu, wie „kaufen, kaufte, gekauft“.
Starke Verben haben im Präteritum und zum Teil auch im Partizip II einen anderen Stammvokal als im Infinitiv. Neben dem Vokalwechsel in der Stammsilbe ist ein zweites wichtiges Merkmal der starken Verben auch das Suffix -en im Partizip II. Beispiele für starke Verben sind etwa singen, sang, gesungen, laufen, lief, gelaufen oder blasen, blies, geblasen.

Doch zurück zur schwachen Konjugation und unserem Verb kaufen. Da kaufen ein schwaches Verb ist, kann in der 2. und 3. Person Singular kein Umlaut eintreten. Die Formen mit Umlaut du käufst, er käuft sind zwar in einigen Dialekten gebräuchlich, gelten aber standardsprachlich als nicht korrekt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Verb fragen, auch hier hört man in verschiedenen Regionen oft die Formen du frägst, er frägt, korrekt sind aber nur du fragst, er fragt. Übrigens wird die aus dem Niederdeutschen stammende starke Form frug, die im 19. Jahrhundert vorübergehend auch in der Literatur häufiger auftrat, heute nur noch sehr selten und überwiegend regionalsprachlich gebraucht.

Für Sie nachgeschlagen

Die Mehrwertsteuer

Im täglichen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Mehrwertsteuer üblich, im Steuerrecht heißt sie aber Umsatzsteuer. Inhaltlich sind die Begriffe gleichbedeutend.

Was ist die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer?

Bei der Umsatzsteuer handelt es sich um eine Steuer, die den von den Unternehmen geschaffenen Mehrwert, nämlich ihren Umsatz, besteuert. Der Bruttoumsatz eines Unternehmens ergibt sich daher in der Praxis aus der Formel: (Absatzmenge x Stückpreis) + Umsatzsteuerbetrag. Viele Unternehmen betrachten die Umsatzsteuer nur als durchlaufenden Posten, denn sie müssen zwar einerseits Umsatzsteuer auf ihren Umsatz abführen, können aber andererseits bei allem, was sie einkaufen, die in den Einkaufspreisen enthaltene Umsatzsteuer als sogenannte Vorsteuer wieder von der eigenen Umsatzsteuerschuld abziehen. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist die Umsatzsteuer daher kostenneutral.
Für die privaten Endverbraucher jedoch ist diese Steuer keineswegs neutral: Sie bezahlen die Mehrwertsteuer vollständig, die daher im Grunde eine Steuer auf den privaten Konsum darstellt. Allerdings ist das den Privatkunden oft nicht bewusst, weil die Steuer in den Ladenpreisen der Waren des täglichen Bedarfs enthalten ist und nicht extra ausgewiesen wird.

In Deutschland gibt es zwei Umsatzsteuersätze: Der normale Satz liegt bei 19 Prozent. Für bestimmte Waren und Leistungen, vorwiegend für solche, die als lebensnotwendig oder kulturell bedeutsam angesehen werden, gilt der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. Wasser, Lebensmittel, Zeitungen und Bücher beispielsweise unterliegen deshalb dem ermäßigten Satz.

Aus: Duden Praxis kompakt, Kaufmännisches Rechnen. Mannheim 2011.

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